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Die Welt · 1901-08-09 · 32 (9.8.1901) · p. 1

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Journal
Die Welt
Volume
5 (1901)
Issue
32 (9.8.1901)
Article
Ein amerikanischer Reformrabbiner über den Zionismus
Date
1901-08-09
Page
1 (sequence 1)
Language
German
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rcewaction and Administration: WIEil ]&v TärkGESäTiisse Nr. 9. Telephon 14199. Erscheint jeden Freitag, Zuschritten sind nicht an einzelne Personen, sondern an die Redaction oder Administration: Wien, IX., Türkenstrasse Nr. 9, zu richten. Unfrankierte Briefe werden nicht angenommen und Manuscripte nicht zurückgesendet. Sprechstunden der Redaction: Montag, Mittwoch und Freitag von 3—4 Uhr. Preise der Anzeigen: Die viermal gespaltene Petitzeile 20 Heller. Der Inseratentheil wird Dienstag abends geschlossen. Einzelne Nummern 30 Heller. Oesterreich-Ungarn: ganzjährig 12 Kronen, halbjährig 6 Kronen. Für das Ausland: Deutschland _ ganzjährig 13 Mk. 70 Pf., halbjährig 6 Mk. 85 Pf., England ganzjährig 14 Shg., halbjährig 7 Shg., Russland ganzjährig 7 R., halbjährig 3 R. 50 Kop., Schweiz, Frankreich, Italien, Türkei, Rumänien, Bulgarien, Serbien, Griechenland, Aegypten _ ganzjährig 17 Frcs., halbjährig 8 Frcs. 50 Cts., Amerika ganzjährig 3 Doli. 40 Ct. Nr. 32. Wien, 9. August 1901. 5. Jahrgang Die abgelaufenen Abonnements bitten wir rechtzeitig erneuern zu wollen, damit keine Unterbrechung in der Zustellung erfolge. In Warschau haben wir keine Agentur mehr, wir bitten deshalb unsere Gesinnungsgenossen, sich in allen Dingen direct an uns zu wenden. Die Administration der „Welt" ist vom vorderen Tracte des Hauses Türkenstrasse 9 in den rückwärtigen Tract desselben Hauses, 3. Stiege, Mezzanin, übersiedelt. »^^^^^^^»^^A^^^^V^^V»^^^VV^MM^VWV^^^^^ Ein amerikanischer Reformrabbiner Uber den Zionismus. Von Moriz Zobel. Es geschehen Zeichen und Wunder. Man stelle sich einmal eine Conferenz von ausgesprochen „reformierten4' .Rabbinern vor, die zusammengekommen sind., um über die „zeitgemässe Kürzung", d. h. Verwässerung und Entnationalisierung der jüdischen Gebete, über die Verdrängung der hebräisehen {Sprache aus der Liturgie, über die Veranstaltung von Sabbathgottesdiensten am Sonntag, kurz über die beste und schönste Art der Einbalsamierung des Judenthums Bath zu pflegen. Und in dieser Versammlung erhebt sieh der Vorsitzende und hält eine unsäglich zionistische Bede, die so überraschend gut jüdisch ist und so sehr ins Schwarze trifft, dass die perplexen Amtsbrüder vor Erstarrung nicht einmal den Kopf schütteln können. Alan vergegenwärtige sich diese merkwürdige Scene und gestehe sich ein, dass die zionistische Idee wahre Wunder wirkt. Denn der geschilderte hochinteressante Vorgang hat sich thatsächlieh abgespielt, und der Schauplatz war dieselbe Ccntralconferenz der amerikanischen Beformrabbiner, in der erst vor einigen Jahren die Protestlosung ausgegeben wurde: Amerika ist unser Zion, Washington unser Jerusalem. Heute aber bekennen sieh die meisten Theilnehmer der Conferenz, wie „Jewish Chroniele" zu melden weiss, zu einem „colonialen Zionismus", d. h. wohl zur Nothwendigkeit der Schaffung jüdischer Siedelungen im wirklichen, palästinensischen Zion. Welcher rasche Umschwung! Die Conferenz fand in Philadelphia statt, einige Wochen nach der Convention der amerikanischen Zionisten, die in derselben Stadt tagte. Den Vorsitz in der Babbinerconferenz führte Beverend Dr. Joseph Silvcrman, und er war es, der die Discussion über den Zionismus, wie schon erwähnt, durch eine mannhafte, in ihrer offenherzigen Entschiedenheit ungemein sympathisch anmuthende Bede in Fluss brachte. Wir lassen hier diese Bede an der Hand des „Jewish Chronicle" in deutscher Uebersetzung folgen: Bev. Dr. Silvcrmann sagte: „ . . . Ich mag Sie wohl einigermassen in Erstaunen setzen, wenn ich Ihnen sage, dass ich über die zionistische Bewegung berichten will. Ich bin der Thatsache wohl bewusst, dass diese Conferenz ihrer Gegnerschaft zum politischen Zionismus, d. h. zur Gründung eines jüdischen Staates, protokollarisch Ausdruck gegeben hat, aber ich weiss ebenso, dass wir zu gleicher Zeit uns einer Ansiedelung von Juden in Palästina geneigt zeigten. Seit der Annahme beider Resolutionen ist der Zionismus hinsichtlich der Zahl seiner Anhänger, hinsichtlich seiner Bedeutung, seines Einflusses und seiner vorherrschenden Ideen oder Pläne vorwärts geschritten. Er beschränkt seine Bemühungen nicht mehr ausschliesslich auf die Bildung eines Judenstaates, obgleich dies noch immer sein letztes Ziel sein mag, sondern gibt sieh vorerst damit zufrieden, in Palästina ausgedehnte Siedelungen von Juden unter der Schutzherrschaft des Sultans und mit Genehmigung der übrigen Mächte zu stiften. Diese Absieht würde im Falle eines Erfolgs das Ergebnis haben, dass sich die überfüllten jüdischen Wohnstätten, in erster Reihe die in Bussland und Rumänien, dann aber auch möglicherweise die in London und New-York, lichteten. Das wäre ein Ziel, aufs innigste zu wünschen. Auch liegt die Möglichkeit seiner Verwirklichung gar nicht so fern. Der deutsche Kaiser betrachtet die Bewegung mit Wohlwollen, wenigstens würde er sich ihr nicht entgegenstellen. Und nun kommt die Nachricht, dass der Sultan dem Dr. Herzl mehrere längere Unterredungen gewährt hat, deren Ergebnis nach den Mittheilungen Dr. Herzls bei dem ihm von den Makkabäern in London bereiteten Empfang darin besteht, dass ungefähr zehn Millionen Dollars (zwei Millionen Pfund) erforderlich sind, ehe ein wichtiger Schritt vorwärts gemacht werden kann. Man kann aus dieser Darlegung den Schluss ziehen, dass die türkische Regierung bereit ist, den Zionisten

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