Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 5 (1901)
- Issue
- 31 (2.8.1901)
- Article
- Die rumänische Judennoth und die "Jüdischen Mutualisten"
- Date
- 1901-08-02
- Page
- 1 (sequence 1)
- Language
- German
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jftecmetion and Administration: WIEN?X j?ürtesis.is$e Nr. 9. Telephon 14199. Erscheint jeden Freitag. Zuschritten sind nicht an einzelne Personen, sondern an die Redaction oder Administration: Wien, IX., Türkenstrasse Nr. 9, zu richten. Unfrankierte Briefe werden nicht angenommen und Manuscripte nicht zurückgesendet. Sprechstunden der Redaction: Montag, Mittwoch und Freitag von 3—4 ühr. Preise der Anzeigen: Die viermal gespaltene Petitzeile 20 Heller. Oer Inseratenteil wird Dienstag sbencU geschlossen. Einzelne Nummern 30 Heller. Oesterreich- Ungarn: ganzjährig 12 Kronen, halbjährig 6 Kronen. Für das Ausland: Deutschland ganzjährig 13 Mk. 70 Ff., halbjährig 6 Mk. 85 Pf., England ganzjährig 14 Shg., halbjährig 7 Shg., Russland gaiizjähng 7 R., halbjährig 3 R. 50 Kop., Schweiz, Frankreich, Italien, Türkei, Rumänien, Bulgarien, Serbien, Griechenland, Aegypten ganzjährig Vi Frcs., halbjährig 8 Frcs. 50 Us., Amerika ganzjährig 3 Doli. 40 Ct. _ Nr. 31. Wien, 2. August 1901. 5. Jahrgang Die abgelaufenen Abonnements bitten wir rechtzeitig erneuern zu wollen, damit keine Unterbrechung in der Zustellung erfolge. In Warschau haben wir keine Agentur mehr, wir bitten deshalb unsere Gesinnungsgenossen, sich in allen Dingen direct an uns zu wenden. Die Administration der „Weif ist vom vorderen Tracte des Hauses Türkenstrasse 9 in den rückwärtigen Tract desselben Hauses, 3. Stiege, Mezzanin, übersiedelt. wWVM^%W^WW»^W^>VVWV . »w**«»w^***»%*v»*"%^,i*'v^a v v Die rumänische Judennoth und die „Jüdischen Mutualisten". Das Aetionseomite erhielt aus Bukarest folgenden, von .1 j üdischen Handwerkern unterzeichneten Brief: „Wir Unterzeichnete haben eine Organisation jüdischer Handwerker ins Leben gerufen, die einerseits den Zwecken wirtschaftlicher Selbsthilfe, andererseits rein zionistischen Zwecken dienen soll. i)as antisemitische Boycott- und Aushungerungssystem nimmt hierzulande immer schärfere Formen an. jNicht nur, dass von vornherein der politische und private Antisemitismus die Juden von Bethätigung, Amt und Verdienst aussehiiesst, haben sich neuestens wirtschaftliche Abwehr verbände gebildet, die das jüdische Handwerk und Kleingewerbe, das ohnehin nur ein kümmerliches Dasein fristet, gänzlich zu vernichten drohen. In der Stunde grosser Gefahr haben wir erkannt, das:*, wenn überhaupt etwas, uns nur das eine helfen kann, der wirtschaftliche Zusammenschluss aller jüdischen Produzenten und Consumenten. Dieser Erkenntnis danken wir die Entstehung des Vereines, für den man uns den Namen „Die jüdischen Mutualisten" empfohlen hat. Das Wesen dieses Vereines soll darin bestehen, dass ein Uebereinkoiiimen mit jüdischen Kaufleuten, und zwar mit Coionialwarenliändlern, Bäckern, Gastwirten, Fleischhauern etc., getroifen. werden soll, wonach jedes Mitglied .des Vereines bei seinen Einkäufen einen Bon auf 5 Percent der Einkaufssumine erhält. Dieser Bon wird an ein Centraleemite abgeliefert, das ihn realisiert und mit dem Erlüge folgendermassen verfährt: 10 Percent werden zur Deck mg der laufenden Spesen, 31 Percent zum Ankauf von zwei Sehekeln und einer Actie der Jüdischen Colonialbank für jedes Mitglied, 10 Percent für Propaganda und die restlichen PJ Percent zur Begründung eines Reservefonds verwendet werden, aus dem notlileidende Mitglieder im Winter unterstützt werden sollen. Nehmen wir beispielsweise an, ein Mitglied decke seinen Jahresbedarf an Hebens- und sonstigen Verbrauchsn.ittein pr. 600 Eres, nach den Modalitäten der jüdischen Mutualisten. Er ist dann m der Lage, Bons an das UenUrdconiite abzuführen, die einen Wert von 30 Eres, repräsentieren. Hievon entfallen: 10 c/0 auf Verwaltungsspesen . . . Eres. 3.—- 31 yb » Scliekei und Actien ... „ 'J.oü Lo'/o „ Propaganda..... „ o.— -i\)y0 „ den Unterstutzungsionds . „ IL TO Eies. 30.— Dieses Project wollen wir in allerkürzester Zeit verwirklichen und geben der Hoffnung Ausdruck, dass diese Oiganisation sowohl in wirtschaftlicher Beziehung als auch zur 'Verbreitung und Popularisierung des Zionismus segensreich wirken wird/* (Es folgen noch enige Wünsche, die die administrative Seite des Unternehmens Lxtreifen.; *; Es ist ein überaus glücklicher Gedanke, dem die em fachen jüdischen Handwerker in Bukarest in ihrem Mu.c.alistenverein Gestalt gegeben haben. Was anderwärts au?: theoretischen Erwägungen heraus sich allmählich kry.nailisiert hat: die Erkenntnis von der Notwendigkeit eu.;'; Verbindung der zionistischen Agitationsarbeit mit Belauf die Verbesserung der ökonomischen Situation gerichteten Thätigkeit, das hat sie die harte Notwendigkeit des täglichen Lebens gelehrt. In der unsagbaren Marter des Tages haben sie noch Kraft und Ausdauer genug gefunurn, Mittel zu ersinnen, um die Stunden des Golus er tragil . her zu gestalten. Doch noch mehr: Sie haben in all der i-Tuh das wunderwirkende Gefühl des Zusammenhanges mit dem Volke und seinen Hoffnungen nicht verloren. Der öetukel und die Shares der Colonialbank, die sie sich aus den kostbaren Sparpfennigen erwerben, sind etwas ™äe eine Versicherung auf eine schönere Zukunft, deren Stütze die Wechselseitigkeit ist. Unter den vielen Mitteln, die zur Bekämpfung des materiellen Elends der rumänischen Juden m Vorschlag gebracht worden sind und sicherlich die ernsteste Erwägung verdienen, wie z. B. die Gründung von Darlehensur.d