Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 5 (1901)
- Issue
- 30 (26.7.1901)
- Article
- Mehr Opferwilligkeit!
- Date
- 1901-07-26
- Page
- 2 (sequence 2)
- Language
- German
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Seite n 2 „Die $ Welt" Nr. 30 Die Zionisten des Westens jedoch rerutieren sich ja zu grossem Theile aus dem gutsituierten Mittelstande. Wer könnte nun die Behauptung wagen, dass diese Zionisten ihrer Pflicht gegenüber der Colonialbaiik das letzte Genüge geleistet hätten? Und wer könnte die Behauptung wagen, dass die meisten Zionisten ihrer Agitationspflicht, ihrer Schekelpflicht, ihrer Schuldigkeit gegenüber der zionistischen Presse bis zum äussersten nachkämen? An Ansporn und Gelegenheit fehlt es ja nicht, und die Begeisterung in den Versammlungen raucht auch bei uns in Oesterreich hoch auf. Von dem Studium unserer Sprache, Literatur und Geschichte im Westen wollen wir lieber schweigen. Wer bei uns das grosse Opfer der Bequemlichkeit bringt, eine Stunde des Tages Hebräisch, unsere ISTationalsprache, zu lernen, wird ja geradezu angestaunt. Unserer jungen Parteiorganisation haften noch viele Mängel an. Sie muss noch manche Jugendfehler überwinden. Vor allem aber müssen ihre Mitglieder sich selbst überwinden. Durch rastlose Selbstzucht müssen wir uns zur Erkenntnis emporarbeiten: Zionist sein, Jieisst Opfer bringen. Organisation und Leitung der jüdischen Arbeitervereine. Von D. Hasterlik. (Schluss.) Lesehalle und Bibliothek: Die Lesehalle soll es ermöglichen, das* die Mitglieder des Vereines in Bezug auf Zeitungen dieselben Ansprüche befriedigt finden, die s:e sonst an ihr Kaffeehaus stellen, um sie vom letzteren zur Frequenz der Vereinsräume hinüberzuziehen. Den Mitgliedern steht die Benützung frei, Nichtmitglieder haben die minimale Gebür von 6 h za zahlen. Ueber Vorgänge, die das öffentliche Interesse hervorrufen, ist auf Grund der Zeitungsnachrichten täglich ein halbstündiger Vortrag zu halten. Eine so ausgestaltete, gut geleitete Lesehalle hat sich in der Praxis stets als eines der besten Agitationsniittel bewährt. Im Lesezimmer wird bei der Ausgabe der Zeitungen der Vorgang eingehalten, dass ein Blätterverzeichnis aufliegt, woraus jeder sich seine Zeitung auswählt. Auf Wunsch bekommt er für das gewählte Blatt eine Marke, die der Zeitungsvervveser gegen das Gewünschte umtauscht. Die Marken werden nach Verlangen umgetauscht. In einem Briefkasten im Lesezimmer können Wünsche und Beschwerden hinterlegt werden, deren Erledigung die Section übernimmt. Die Bibliothek wird wissenschaftliche und belletristische Werke, durch den Biblothekar sorgfältig gesichtet, enthalten. Presscommission: Die Presscommission hat die Pflicht, alle Publikationen zu veranlassen, Einladungen und Versammlungsberichte zu pubiicieren, Vereinsnachrichten herauszugeben und die Berichte der einzelnen Sectionen regelmässig geordnet zum Drucke zu befördern. Die Vereinsnachrichten sollen sich jeden Monat einmal über alle Vorgänge innerhalb des Vereines verbreiten, die diesen Zeitraum ausfüllen. In Zeitungsform britigen die Nachrichten den jeweiligen Stand und Zuwachs der Bibliothek und der Lesehalle, die Feste des Vereines und deren Programme, den Fortgang ,der Lehrcurse, eine Mitgliederliste und den vollständigen Wortlaut aller abgehaltenen Vorträge, letzteren zu dem Zwecke, um die verhindert gewesenen Mitglieder zu informieren. Stellenvermittlung: Die Stellenvermittlung wird bedeutende Erfolge haben, wenn ein Verband von Arbeitervereinen besteht, deren jeder ein Vermittlungsbureau hat, so dass unter energischer und geschickter Leitung ein reger Austausch von Angeboten der Arbeitgeber erfolgen kann. Unbedingt erforderlich ist ein Unterstützungsfonds für Conditionslose unter den Mitgliedern Von Seiten der Vermittlungssection sind alle Zionisten dringend aufzufordern, Arbeitsnachweis und -Bedarf an die Section bekanntzugeben. Sport- und Gesangssection: Diese Abtheilung hat in ihrem Ressort die wichtige Aufgabe der körperlichen Hebung der Juden gedeihlich zu erfüllen und hat Gelegenheit, sich zu bethätigen auf dem Gebiete des Turnens, Radfahrens, Schwimmens, der Touristik u. s. w. Der Umfang der Betheiligung an den einzelnen Sportzweigen kann natürlich nur vom physischen Können der Mitglieder bestimmt werden. Der Gesang wird sich bestimmt mit der Pflege der Touristik und des Radfahrens entwickeln. Wenn wir noch die Tanzsection erwähnen, die bei dem oberflächlichen Charakter des Durchschnittsmaterials, das unserer Agitation zur Verfügung steht, einen Anziehungspunkt ersten Ranges bedeutet, so haben wir alle Gomites und ihre Aufgaben erschöpft, und der Tüchtigkeit und Intelligenz der Leitung bleibt es überlassen, von den Hilfsmitteln des Vereines erfolgreichen Gebrauch zu machen, um die Corporation zur Blüte zu bringen und darin zu erhalten. Das Budget des Vereines wird ungefähr folgendes sein : Mitgliedsgebüren: Einschreibgebür: 50 Damen ä 40 h, 50 Herren ä 60 h ................K 50 Mitgliederbeitrag wöchentlich 20 h.....„ 1040 Lesehalle 18 Besucher täglich ä 6 h . . . „ 378 Bibliothek (Strafen), Maculatur...... . „ 25 K 1493 Tanz-Unterricht: 35 Sonn- und Feiertage, Schülerübung und Gesammtubung, 30 Damen ä 30 h, 30 Herren ä 40 h................K 735 70 Dienstage und Donnerstage, 15 Herren ä 40 h, 15 Damen ä 10 h.......... . „ 630 K 1365 Vergnügungen: Gesellige Vereinsabende und Feste.....K 150 Ausfluge und Gartenfeste........ . . „ 25 K 175 Diverse Einnahmen: Verkauf von Flugschriften und Lehrbüchern . K 25 Summe . . . . „ 3058 Ausgaben: Local..................K 1400 Beleuchtung, Beheizung..........„ 300 Reinigung............... . „ 120 K 1820 Tanzlehrer, Ciavierspieler.........K 350 Zeitungen................„ 300 Diener, Porto, Drucksachen....... . „ 530 K 1180 Zusammen . . . . K 3000 Ueberschuss . . . K 58