Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 5 (1901)
- Issue
- 30 (26.7.1901)
- Article
- Mehr Opferwilligkeit!
- Date
- 1901-07-26
- Page
- 1 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3315709-3315905-3315936-3398610--27255-3398730- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
rtecac fcion and £ fiiTiir, Istration: vsin, 4 : :sse Nr. 9. Telephon 14199. Erscheint jeden Freitag. Zuschritten sind nicht an einzelne Personen, sondern an die Redaction oder Administration: Wien, IX., Türkenstrasse Nr. 9, zu richten. Unfrankierte Briefe werden nicht angenommen und Manuscripte nicht zurückgesendet. Sprechstunden der Redaction: Montag, Mittwoch und Freitag von 3—4 Uhr. Preise der Anzeigen: Die viermal gespaltene Petitzeile 20 Heller. Der Inseratentheil wird Dienstag abends geschlossen. Einzelne Nummern 30 Heller. Oesterreich-Ungarn: ganzjährig 12 Kronen, halbjährig 6 Kronen. Für das Ausland: Deutschland ganzjährig 13 Mk. 70 Pf., halbjährig 6 Mk. 85 Pf., England ganzjährig 14 Shg., halbjährig 7 Shg., Russland ganzjährig 7 R., halbjährig 3 R. 50Kop., Schweiz, Frankreich, Italien, Türkei, Rumänien, Rulgarien, Serbien, Griechenland, Aegypten ganzjährig 17 Frcs., halbjährig 8 Frcs. 50 Cts., Amerika ganzjährig 3 Doli. 40 Ct. Nr. 30. Wien, 26. Juli 1901. 5. Jahrgang Die abgelaufenen Abonnements bitten wir rechtzeitig erneuern zu wollen, damit keine Unterbrechung in der Zustellung erfolge. In Warschau haben wir keine Agentur mehr, wir bitten deshalb unsere Gesinnungsgenossen, sich in allen Dingen direct an uns zu wenden. **^^A****N^«»^N*****^*W^^»M*V»»^V**W*V^»W*^^***V^ Mehr Opferwilligkeit! Von M. 'Naclnnn. Mit der Grosse der Aufgaben, weit erschütternder Aufgaben, mit der Grösse des Kampfes, den wir gegen hundertjährige Vorurthüile ausznfechten haben, muss naturgemäss auch bei jedem, der sich in unsere Reihen* stellt, die Grösse der Energie wachsen, mit der er den eigenen Egoismus überwindet. Die Sorge für das Ich ist eine bittere Nothwendigkeit geworden im allgemeinen Leben der Neuzeit, das uns durch Nächstenliebe und Ant hei Inahme untereinander gar selten annehmbar gemacht wird. Jeder Politiker muss heute mit der mürrischen Feindseligkeit rechnen, mit der jeder kleinste Kreis von gleichen Interessenten seinen ökonomischen Standpunkt verficht und dem Gemeinwohl möglichst wenig leisten möchte. Ton dieser Art unserer Umgebung müssen wir die Augen abwenden, wenn wir den kürzesten, wenn auch nicht bequemsten Weg zu unseren Zielen linden wollen. Wir müssen vielmehr die Wucht der "Verantwortlichkeit vor unserem Mannesgewissen und unserem Volke im Bewusstseiu haben und unsere Leistungen damit in Einklang bringen. Wir« dürfen immer mit Genugthiumg^auf die bisherige Unterstützung der einzelnen Anhänger zurückblicken. Sie haben wahrlich alles überboten, was je eine Partei von ihren Mitgliedern erreicht hat. Aber das ist es jaJ Wir sind keine Partei, wir repräsentieren eine noch nie dagewesene Volksbewegung, die zur Erreichung ihres heisserstrebten Zieles nicht nur des guten Willens der Gefolgschaft bedarf, sondern des Enthusiasmus — des Enthusiasmus der Thaten. Wir müssen eigene, steile Wege gehen. Wenn wir gegen uns selbst diejenige unerbittliche Strenge üben, die uns noththut, so müssen wir sagen: Es gibt zu wenig Opfersil^zu wenig Selbsthingabe unter uns Zionisten. Wo sind sie hingerathen, die jugendlich Begeisterten und Thatentf lammten der Bilu, die in den Achtzigerjahren die russischen Gymnasien und Universitäten verliessen, ihre ganze Zukunft grandios hinwarfen und nach Erez Israel pilgerten, um dort unter Gefahren, Entbehrungen und Widerwärtigkeiten aller Art den Grundstein zu legen für die Heimstätte des jüdischen Volkes? Heute stellt der Zionismus an seine studentische Anhängerschaft weit leichtere Anforderungen. Von ihre1!' Ferialniusse sollen, die Studenten einen Theii der zionistischen Sache opfern; sie sollen unsere Kenntnisse über Palästina erweitern helfen, indem sie eine Sammelarbeit leisten, die mehr Spiel und Zerstreuung ist als Arbeit. Man sollte nun nicht glauben, wie spärlich die Anmeldungen bisher eingelaufen sind. Wo bleibt der einst bewährte Thateifer unserer Studenten? Die Mitglieder der Bilu. sind dahingegangen. Ihnen folgten andere, ebenso hingebungsvolle Pionniere mich, die aus taubem Gestein Brot und Wein hervorzauberten, wie einst Moses Wasser. Jahrzehntelang haben die Golonisten und Landarbeiter Palästinas den geliebten heimatlichen Boden, mit ihrem Seh weiss und Blut gedüngt, haben manch grimmen Strauss mit todbringenden Seuchen und neidischen Nachbarn ausgef oehten. Und nun, da das Ideal, dem sie nachgelebt haben, für das sie Unsägliches erlitten, eine grosse Bekennersellar gefunden, eine über Land und Meer verzweigte Organisation geschaffen hat: nun soll sie das bitten1 Los treffen, von dem theuren. Erdreich losgerissen zu werden, in dem sie mit allen Fasern ihres Herzens wurzeln? Fast will es so scheinen. Eine grosse Anzahl der landwirtschaftlichen Arbeiter hat bereits Palästina verlassen und der Rest wird sicherlich nachfolgen, wenn die nationale Gesinnung der Ica-Gewaltigen und der Opfersinn des zionistischen Volkes sich auf der bisherigen Höhe erhält. Gehen wir weiter. Der politische Zionismus hat in jüngster Zeit sehr bedeutsame Erfolge errungen. Es gilt nun, diese Erfolge festzuhalten, sie sicherzustellen. Zu diesem Zwecke muss und wird das Instrument der Bewegung, die Jüdische Colonialbank, deren Eröffnung demnächst bevorsteht, mit den zur Entfaltung einer gedeihlichen Thätigkeit erforderlichen Geldmitteln ausgestattet werden. Nun haben unsere wackeren Gesinnungsgenossen im Osten, die zum grössten Theile den ärmeren und ärmsten Bevölkerungskreiseii angehören, seit zwei Jahren für die Colonialbank überaus Bedeutendes geleistet. Und wenn auch nicht gesagt werden kann, dass ihre Leistungsfähigkeit erschöpft ist, so ist sie doch im allgemeinen sehr begrenzt.