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Die Welt · 1901-07-12 · 28 (12.7.1901) · p. 11

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Journal
Die Welt
Volume
5 (1901)
Issue
28 (12.7.1901)
Article
Die Belagerung Jotapatas
Date
1901-07-12
Page
11 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 28 „Die £ Welt" Seite 11 Führer der Jünglinge das Gelächter der Genossen gereizt, als seine Scherze die Mädchen unschuldig erröthcn machten. Jetzt waren aus den süssen Blüten Judas Heldinnen geworden. Am letzten Tage der Belagerung war es. Der Widder hatte Bresche in die Mauer gestossen, in die Eömerlanzen und Schwerter schon hineinragten. Ach, und dem Eisen hatten die Juden nur weiche schutzlose Körper entgegenzusetzen. Siegessicher brauste der Kriegsgesang der Römer --jetzt, jetzt, die Galiläer weichen — da hörte man schmeichelnd und bittend und ermunternd die lieblichen Stimmen der Mädchen, rasend und toll wurden die Müden noch einmal, und noch einmal ward der Sturm zurückgedrängt. Xach solchen Anstrengungen erlag in der folgenden Nacht alles in der Stadt einem todtähnlichen Schlaf. Der Verrat h gab die Wertlosigkeit in die Hand des Feindes, den niemals seine Tapferkeit über die Mauer gebracht hatte. Zwölfhundert Kinder und Weiber wurden gefangen, als sie zwischen vierzigtausend Leichen sich verbergen wollten. Eines von den Weibern, kein jüdisches, war Josephns, der Befehlshaber. Das ist ein Bild aus dem Kampfe, den Rom auf dem Gipfel seiner Macht mit einem Vasallen führte, der keiner sein wollte. Das Aufgebot glich dein im Kampfe mit Karthago. Nur dass dieser ein Kampf um die Herrschaft war, der Krieg mit Jüda aber seiner Freiheit galt. Die Herrschbegierde mag Ehrgeizige ins Feld locken, wo sie siegen — oder besiegt werden. Die Freiheit aber wird verfochten von Helden, die siegen oder sterben, deren Widerstand keine Grenze hat. Ganz Juda war das brennende Eigenthum der Römer, selbst im Tempel fussten schon ihre Stürmer und hatten gesiegt. Nur ein kleines Thürmchen auf einem Thurm trug noch den letzten wehrfähigen Kämpfer, einen Priester. Er sollte sich ergeben. Da riss er einen Eisenstab ans dem Geländer und zwei Römerleichen fielen mit ihm in den Abgrund. So darf freudig und stolz unser Herz bei dem blossen Gedanken der Abstammung von unseren Ahnen schwellen, die so herrlich den Satz in That umsetzen, das^ weit besser der Tod sei als die Knechtschaft. J. Upfimny. Psalm 98. Als ich das neue Lied des Herrn, Mein Hohelied von Zion sang, Da flog durch manch ein Judenherz Ein halbvergess'ner, süsser Klang; Da wachten ernst und lieblich auf Die alten, trauten Judenlieder, Und die wir lange nicht gespielt, Die Harfe Davids tönte wieder. Ein sieghaft gokFner Morgen kam In Sonnenglut und Herrlichkeit Und hat mit seinem Flainmenschwert Die Finsternis der Nacht zerstreut. Da brachen junge Ströme aus Vom Felsenbett, darin sie schliefen, Da schrie das Meer frohlockend auf Ans seinen schwarzen Abgrundtiefen. Aus tausend bitteren Schmerzen ward Geboren uns der neue Geist, Der mächtig durch die Lande weht Und uns den Weg nach Zion weist. Nun jubeln wir das Lied des Herrn Beim Klang der Flöten und der Geigen, Mit Cymbelton und Saitenspiel Und anmutvollen Mädchenreigen. 0 du! Es hat auch dich bewegt Der Lieder heimatsüsser Klang, Der bleibt in deinem Herzen jung Wie Frühlingssturm dein Leben lang, Und was uns auch das Leben bringt, Wohin uns auch das Schicksal triebe: Uns bindet wie ein goldnes Band Die gleiche treue Heimatliebe. Berlin. Dolorosa. Das jüdische Weib/) Von Robert Jaffc. .... Nun sehnte er, dem ein lieblicher, silberheller Quell im Herzen sprudelte, sich auch noch nach einer anderen. Macht, Er war sich wohl bewnsst, wie unter den Juden die Mädchen so zahlreich und in verschiedenen Ländern und Provinzen und Städten verstreut waren, die wunderbare Quellen von Güte in sich trugen und nichts anderes als gut waren. Wenn sie ihren Gatten heirateten, so war es für sie nur der Beginn von Möglichkeiten, eine wie selbstverständliche Güte zu entfalten. Wenn man glauben könnte, dass sie vor kindlicher Jugendlichkeit die Welt noch mit holdem Erstaunen anschauen müssten, so werden sie schon von. dem Drange, Güte auszuüben, gelenkt. Sie wollen nichts anderes, als etwa in süsser Hilfsseligkeit dem Gatten einen schweren Lebenskampf zu tragen helfen und es ihn nicht entgelten lassen, wenn er vielleicht ihre reiche Mitgift verschleudert und sie aus einer reichen Jugend in eingeengte Verhaltnisse hineingeführt hat; dabei, übergiessen sie ihre Kinder, welche ihre ganze Augenweide sind, mit einem holdseligen, milden Liebesschein, und wenn sie etwa Geschwister verloren, die ihrerseits Kinder ganz verwaist zurückliessen, so nehmen sie diese vielleicht, ohne an ihre eigene Armut zu denken, zu sieh ins Haus und bringen sie mit ihren eignen Kindern durch Dick und Dünn hindurch. Es konnte geschehen, dass ein. junges Mädchen allein aus ihrer leeren, farblosen Lnsinnliehkeit es versäumte, die Neigung eines Mannes zu erwecken und einzig darum in späte, d. h. unbefriedigte Jahre1 hineinwuchs. Aber wenn für die anderen, die ihr e i g e n e s Leben durchleben, es ist, als ob sich rings in goldenem Flammenschein schwebende Blumen und Blüten entfalteten und sich Guirlanden dahinzögen, und wenn sie jeden neuen Tag einige Schaufeln auf den feinen, weissen Berg ihres Glückes werfen, so sehen sie in dem Leben, nur schwere, weisse oder cremefarbene Kissen von Pili cht, die auf ihr Bewusstsein drücken, als wenn sie hinter der ledernen Umhüllung mit Steinen angefüllt wären. Die uneigennützigsten Menschen, die mit ihren Gedanken niemals zu sich selber finden, sondern deren Gedanken, in dem Drange zu helfen und zu lindern, immer nur zu anderen hinübergleiten können, sind so oft unfroh, und wenn sie als Kinder für die Eltern oder als Eltern für die Kinder, ohne Kampf im Innern oder Vorwürfe nach aussen, die rührendste Pflichttreue wie etwas Selbstverständliches zu erweisen vermögen, so können sie doch dem anderen nicht durch ein fröhliches Wesen ohne Missmuth wahrhaft die Seele erquicken. Wenn man einer solchen schönen jungen Frau erzählte, wie ein. reicher Mann in den besten Jahren gegen alle Genüsse der Erde und den hohen Wert der Freude abgestumpft sei, so würde sie sich gar nicht wundern, sondern erwidern, dass dies doch natürlich wäre. Sic können niemals über einen für den Sinn des Lebens unempfänglichen Gleiclimuth auf Berge von Seligkeit hinaufsteigen und können niemals schmerzhaft hinabstürzen. Sie tragen die Freude, in der das Leben durch die Liebe des Gatten wie von weissem Thaue erquickt und getränkt wird, gleichsam in Haft und Banden und kennen *) Aus einem in Vorbereitung befindlichen Romane,

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