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Die Welt · 1901-07-12 · 28 (12.7.1901) · p. 10

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Journal
Die Welt
Volume
5 (1901)
Issue
28 (12.7.1901)
Article
Die Belagerung Jotapatas
Date
1901-07-12
Page
10 (sequence 2)
Language
German
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Seite 10 „Die £ Welt" Nr. 28 bft der" Teppich am Eingang in die Höhe geht, richten sich die Blicke aller gespannt auf die Oeffnung. Man denke nur das linderkbare I Kuber Aquila war gegangen, die Auguren über den Ausgang des Krieges zu befragen, in den die zehnte Legion morgen ziehen wird. Welcher Tapfere hat Bich je um den Sclmick-Sehnaek gekümmert, den die Priemten* treiben? Gewiss ist Jupiter der ernte der Götter; aber tief Führer der Zehnten hat doch wühl auch tun Wort in die Schicksale der Welt hineinzureden! Der rechte Flügelmann in der ersten Reihe des eisernen Dreiecks, das blutige Gassen durch die Feinde riss, Ruber Aquila, der Künstler des Ruhigbleibens* war bei den Auguren! Allerdings war er Schon niit der vörigen Generation dei* ArMee da uilterh woher der Kriegsruf geknmimm \vnt\ Was soll Mail da döilkeit? Beul Alten, dc*n kein Auge erregt gesehen, liät die Üötschaft geschreckt — Aufruhr der" Juden! Kr wird zu alt, der Arme. Von J ulius Caesar bis heilte hat kein Legionär der Zehnten einen Schritt nach rückwärts gemacht, den Erdkreis begrenzen die Spuren ihrer Tritte, ihr Adler sah Palmen Und ewigen Schnee. In einer einzigen Docade werdet! sio durch dieses Zwergland marschieren, im Hucken Leichen und Brand.! Der Spiclmann bläst den Sammelruf; lebe wohl, faules Rom; bald prägst du wieder Unzen Gold aus Menschenblut! Sebulom Uad und 'M anasse hatten die Grenzwacht Judas im tyrannischen Gebirge. Der Mann, der stets vom Berge ausschaut, die Menschen Unten so klein* die Schöpfungen Gottes ringsum so gross und majestätisch erblickt, wird sicher ein willfähriger Diener des Erschaffers, ein schlechte]- aber dem Menseheil. Dabei geht er seiner Gunst und seinem Zorne nach mit einer Kraft, die der Gebrauch gestärkt hat, und mit einem Wagemuth, mit dem er in der Xoth oft sein eigenes Grab knapp übersprang. Kraft aber gibt leicht, weil sie leicht erwirbt. Die glatte Zunge des römischen Kteucrpächters mochte ihm unter den Bergbewohnern die Hände gefüllt haben. Die Soldaten, die in der weit entfernten Stadt den Kindern heitere Spiele ernst vormachten, ärgerten sie zwar gewaltig, wenn sie zu Markte kamen und deren Kaserne» am Hügel erblickten. Es hatte manches Menschenleben gekostet, wenn der befehlende Centi.irio seine Langmutb gegen die Händelsucher fahren liess. Bald da, bald dort war es aufgeflammt und die besten Truppen und Führer Roms waren nöthig gewesen, damit der Erfolg die Empörung nicht vergrossere. Das waren alles Episoden, Aufstände ohne Plan, von einzelnen zur Rache eines örtlichen Unglimpfs entfacht. Da griff eine freche Hand nach dem Golde des heiligen Tempels. Eine Handvoll Galiläer nur waren dessen Zeugen gewesen, und besinnungslos hatten sie mit ihren Bergstöcken die römischen Schwerbewaffneten angegriffen. Die Ueberlebenden brachten keuchend die unglaubliche Nachricht nachhause, und wie ein Mann erhob sich Galiläa zu wüthendem Kampfe für seinen Gott. Von den Hügeln römischer Soldatenleichen herab wurde der heilige Krieg feierlich verkündet. Jetzt wand sich Roms Rachezug auf den sommerlich weissen Strassen einförmig langsam über Berg und Thal von Syrien herauf gegen Süd-Galiläa.. Mit Mühe ward aus der Gegend dem Mann und Thier die Zehrung verschafft. Alles rings war ausgestorben, die Hütte und die Saat verbrannt, Oede überall und Todtenstille. In solcher Ruhe duckt sieh der Löwe zum Sprunge auf sein Lager, wenn die Schar der Jäger die Wüste nach ihm durchstreift. Theuerer Held! Viele wirst du tödten, aber weittreffende Waffen werden dir die Sehnen durchschneiden und dann werden sie dich zerfleischen. Ja, Ruber Aquila! Der xVugur hatte Recht mit seiner düsteren Miene, trotzdem die Vögel gunstig flogen. Nicht du wirst zurückkehren und nicht dein Nebenmann, einer höchstens von je zehn, und die Lücken wird man oft und dringend ausfüllen müssen von Aegypten'her und Griechenland. Mit ihren Leichen mussten die Römer die Gräben anschütten vor jeder Stadt-,von Juda. Trutzig fest lag Jotapata auf. dem Berge, an dessen Fusse die Strasse nach Jerusalem sich hinzieht. Hohe Mauern fielen von drei Seiten in Schluchten ab, von der vierten gab sanftes Gefälle Zugang. Vor wenig Wochen noch hat durch die Stadt die Heiterkeit eines kraftvollen, kindlichfrohen Bergvolkes geklungen. Das Geschrei aber, das beim Anblick der Römer auf den dichtbesetzten Wällen ausgestOsseft wirist der Aufschrei faöeilderWuth. Der nächste Altgenblick brachte den Angreifern, schön daß Erkennungszeichen des Feindes, der nur vönl blinden Uiigliick besiegt werden konnte. Altberühmt dtirch ihre Sicherheit war die römische Marschordnung. Denn ihre Stirne zum Feind hin waren die erprobtesten Erreger des Lägers. Jetzt aber, kaum dass die Legionen iiri Angesicht der Stadt das erste „Halt" machten, ward Verwirrung und' Tod in die ersten Reihen gebracht durch den unvermutheten wahnwitzigen Angriff einer Handvoll leichtbewaffneter Jünglinge. Muskelumspielte Gestalten Hessen den Speer aus der Hand fallen wie die Wolke den Blitz und stürzten waffenlos dem nächsten Feind an die Kehle, ihn unter seiner Rüstung zu erdrosseln. Sie wurden von der Masse erdrückt, ohne den mindesten Versuch gemacht zu haben, ihre Schnelligkeit der Rettung zii widmen. Hier wie später immer in der folgenden Belagerung. Weder waren die Juden den Künsten gewachsen, die aus dem feindlichen Heer eine Hochschule des Krieges machten, noch brachte die Festung ihnen Vortheil, der höhere Thürine der Römer gegenüberstanden, ihre Waffen waren meist ein Spott auf diesen Kamen. Hncl doch machten sie den alterworbenen Siegesstolz der berühmtesten Legionen zu eitel Geflunker in dem Heldenkampfe um Sein oder Nichtsein, den sie der Knechtschaft vorzogen und in einer Weise ausfochten, dass die besiegte Sache den rauschenden Beifall aller Welten gewann. Was anderes konnte man von Leuten erwarten, die einer Stadt der Landschaft den ehrenden Namen nicht der goldenen, nicht der schönen gab, sondern sie die Stadt der Männer nannten? Wenn die Chronik aus diesem Kampfe, wo ein Held neben dem anderen tollkühn, und erbittert für sein'Heiligstes kämpfend, nur bestrebt war, seinen Leichnam auf einen feindlichen zu betten, Namen heraushebt, deren Träger da noch hervorragen und mit ihren. Thaten den tobenden Kampf für den Augenblick zum Stillstand brachten, weil aller Augen bewundernd an ihnen hiengen, dann mögen diese Namen in die Heldensage aufgenommen werden, Dichtern zu feierndem Sange. E 1 ea z a r von Saab schmetterte in athletischem Wurfe deu Kopf des Mauerwidders mit einem Steine ab und sprang von der steilen Höhe mitten unter die Feinde, ihn zu holen. Fünf Geschosse trafen den Rüstunglosen, als er die Mauer erklomm. Sammt ihnen kam er bis auf die. Zinne und starb dort erst den schönsten Tod. Zwei, sage zwei Galiläer, N e t i in s und P h i 1 i p pus aus dem Dorfe Rum a, stürzten sich ganz allein auf die berühmte zehnte Legion mit solchem Ungestüm, dass sie diese kampferprobten Soldaten alle vor sich hertrieben, auf zahllosen Leichen einherstürmend. So wurden Wege gebahnt für die Fackelträger, die das Holzwerk der Römer in Brand steckten. In Furcht und Entsetzen wagten es die Belagerer bald nicht mehr, es zum Kampfe kommen zu lassen, sondern der Hungercordon war alles, womit sie ihre Schmach, der Zahl, der Rüstung, den Körperkräften nach so minderwertige Gegner unerhört lang zu belagern, noch weiter in die Länge zogen. Drinnen in der Stadt, deren Bewohner durch die unersetzten Verluste endlich zur Verteidigung statt zum Angriff gezwungen worden waren, wurde das äusserste überboten, um die Stadt zu halten, wie die Römer gegen die Geschwächten wieder vorrückten. Als der Friede einst das Glück der Jotapaten besonnte, hatte wohl am Zugang zum Brunnen der

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