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Die Welt · 1901-07-12 · 28 (12.7.1901) · p. 5

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Journal
Die Welt
Volume
5 (1901)
Issue
28 (12.7.1901)
Article
Über anthropologische, physiologische und pathologische Eigenheiten der Juden
Date
1901-07-12
Page
5 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 28 „Die # Welt44 Seite 5 geändert ist, dass relativ mehr Knaben bei ihnen geboren werden. Während nach allen Erfahrungen in allen Ländern und bei allen Ständen auf je 100 Mädchen 105—106 Knaben geboren werden, werden bei den Juden verhältnismässig mehr Knaben geboren. ]STach der preussischen Statistik wurden in dem 58jährigen Zeitraum von 1816—1874 einschliesslich der Todtgeborenen auf je 100 Mädchen 106 Knaben geboren bei der Gesammtbevölkerung, bei den Juden hingegen auf 100 Mädchen 111 Knaben. Doctor Schwimmer berechnet für Oesterreich bei den Juden auf je 100 Mädchen 128,5 Knaben und bei den anderen Nationalitäten auf je 100 Mädchen 105,8 Knaben. Die Thatsache der Mehrgeburt von Knaben muss als eine diesem Stamme eigentümliche Erscheinung anerkannt werden. (Schluss folgt.) Skizzen aus dem Leben der russischen Juden. Von Jacob Schon*. IV.*) Bemerkenswert ist die Thatsache, dass die subjective Weltanschauung eines Historikers oder Publicisten ihn oft zu Vorurtheilen verleitet, die seinem objectiven Denken im Wege stehen und ihn hindern, für gewisse geschichtliche oder gesellschaftliche Erscheinungen die richtige Erklärung zu finden. Diese psychologische Wahrnehmung können wir wieder einmal machen, wenn wir die Ausführungen des Herrn Dubnow lesen, in denen der berühmte Historiker das besonders lebhafte Interesse der russischen Regierung für die Aufklärung der Juden zu erklären sucht. Als Repräsentant des .geistigen Nationalismus" verschliesst sich Herr Dubnow der materialistischen Geschichtsauffassung ganz und gar und sieht auch im Verhalten der damaligen Regierungen den Juden gegenüber einzig und allein rein geistige, nationalistische Bestrebungen, ohne die ökonomischen Momente in Erwägung zu ziehen, welche sich immer in der „jüdischen Frage" als tief einwirkender, oft sogar als entscheidender Factor geltend machen. Herr Dubnow stellt also die Frage sehr richtig auf, bleibt uns aber eine befriedigende Antwort schuldig. Er führt nämlich in seinen von uns schon citierten „Historischen Mittheilungen" (Monatshefte des „Woskhod", Mai 1901) Folgendes aus: „Es kann einem eigentümlich vorkommen, dass man so eifrig für die „Aufklärung" der Juden in einem Lande sorgte, wo das „Stammvolk" auf einer sehr niedrigen Stufe der culfcurellen Entwicklung stand, wo die leibeigene Ackerbauerschaft sich im Sclavenjoche befand und in der crassesten Unwissenheit beharrte etc." „Warum* — fragt Herr Dubnow weiter — „bekümmerte sich die damalige Regierung so eifrig um die Reformierung des jüdischen Lebens, während sie für die Aufklärung und. für die innere Umgestaltung dieses ungeheuer grossen „dunklen Reiches" so wenig Sorge trug? Bedurfte denn der rohe und vorurtheilsvolle russische Bauer, Kaufmann oder kleine Edelmann (die Zahl der Gebildeten war damals auch unter dem Kleinadel eine sehr geringe) einer rationellen Schulung und einer „moralisch-religiösen Reformation" weniger, als der Jude aus den polnisch-lithauischen Provinzen? Hatten denn wirklich die Juden — ein, Volk, unter dem fast keine Analphabeten vorhanden sind, das schon längst bei sich das System des obligatorischen Unterrichts eingeführt hatte — hatten sie denn wirklich mehr Vorurtheile oder standen sie etwa in cultureller Beziehung auf einer niedrigeren Stufe als das Stammvolk?" Lesen wir weiter, wie Herr Dubnow diese Frage beantwortet: . „Das officiell^Mennprandurn'j — meint er — ^e^ljärt ajnj anaerer^ffitäe /dieses Bedenken. Die Juden $ind *) Vergl. Nr. 25, 26 u, 27 der „Welt-, vom „allgemeinen bürgerlichen Leben" abgesondert, sie schliessen sich gegen die ganze übrige Bevölkerung ab, heisst es in dem Memorandum; das sei das Grundübel." „Die Juden", bemerkt weiter Dubnow, »sollten auf derselben niedrigen Culturstufe stehen wie die Russen jener Zeit, nur sollte das eine russische Uncultur sein; sie sollten die rohesten Vorurtheile haben, das mussten aber russische Vorurtheile sein. Zu jener Zeit herrschte in den offiziellen Kreisen das Princip des Staatsnationalismus (der „Volkstümlichkeit", wie man das damals nannte); dieses Princip verlangte die vollständige Nivellierurig sämmtlicher im Reiche bestehenden nationalen Typen und deren Assimilierung an den Typus der herrschenden Nation." So einfach erscheint Herrn Dubnow die Erklärung dieser auffallenden historischen Erscheinung zu sein. So. hoch wir auch die Autorität des Herrn Dubnow als Historiker einschätzen, können wir doch in diesem Falle mit ihm; nicht übereinstimmen. Wollten wir seine Erklärung aeeeptieren und die Ursache der „aufklärenden" Thätigkeit der Regierung unter den Juden bloss in ihren nationalistischen Bestrebungen suchen, so würde sich uns die Frage aufdrängen, warum denn dieser russische Nationalismus seine Wirkung gerade in der Richtung des stärksten Widerstandes auszuüben versuchte, warum er denn gerade am meisten bestrebt war, die „bei der schädlichen Lehre des Talmud beharrenden" Juden zu russifieieren, und die Tartaren, Polen und andere Völker ausseracht liess, bei denen er auf einen verhältnismässig geringen Widerstand gestossen hätte? Wir haben schon in den früheren Artikeln gesehen, welche Meinung die russischen Staatsmänner über die Hartnäckigkeit des jüdischen Fanatismus hatten; sollte also das damalige officielle Russland keine wichtigeren Sorgen gehabt haben, als die Erziehung dieser fanatischen „Kehilla - Juden" zu „russisch-nationalen" zu betreiben?.;. Wo ist also des Räthsels Lösung zu finden? Ich glaube, wir finden sie bei einem anderen Historiker, nämlich bei J. Gr essen, in seinem Artikel: „Das Memorandum von Derzawin als ein historisch - gesellschaftliches Document" (Wissenschaftlichliterarische Sammelschrift der „Budustschnostj", Band I, 1900). In diesem Artikel wird eine andere, noch frühere Zeit' aus der russischen Geschichte geschildert, die Zeit Pauls I. und Alexanders L, die am Ende des XVIII. und am Anfange des XIX. Jahrhunderts regierten. Wie wir schon früher ausgeführt haben, zeigte sich die russische Regierung auch jener früheren Zeit sehr besorgt um die Aufklarung der russischen Juden. Damals — das war im Jahre 1804 — wurde der Minister Derzawin mit der Erforschung sowohl der üblen Lage des Stammvolkes, als auch speciell des Lebens der Juden beauftragt. Und in den Schlüssen, zu denen Derzawin in seinem Memorandum gekommen war, zugleich auch in den Verhältnissen des russischen Staatslebens jener Zeit findet Herr G essen die Beantwortung der Frage, für die wir uns interessieren. Im russischen Staatsleben gab es damals sehr viele „wunde Punkte", auf die man Rücksicht nehmen musste. An erster Stelle die Leibeigenschaft und alle ihre natürlichen Folgen, wie der culturelle und moralische Tiefstand sowohl der leibeigenen Bauern, als auch ihrer Herren, der Adeligen; der vollständige Mangel an grösseren commerzielien und industriellen Unternehmungen; eine verrottete, ganz unzulängliche Beamtenschaft; ein moralisch verkommener Clerus; überdies verschiedene wirtschaftliche Uebel und Missstände, wie^ Missernten, Viehseuchen und die daraus resultierende geringe Steuerkraft der Bevölkerung etc. Dies alles musste sich sehr drückend fühlbar machen, und man musste Mittel suchen,, alle diese Uebel zu mildern, wenn ntchfc vollständig z\i beseitigend Es War^&M^tiata&ti&en russischen Staatsmännern ganz klar, wo die1 eigentlitin^n Ursachen dieser Miseren zu suchen wären; sie hätten aber

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