Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 5 (1901)
- Issue
- 28 (12.7.1901)
- Article
- Judenrecht im Mittelalter
- Date
- 1901-07-12
- Page
- 3 (sequence 2)
- Language
- German
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Nr. 28 „Die 2$ Welt'* Seite 3 den Capitalien, die die Juden durch den Wucher aufhäuften, hatten sie selber keinen Nutzen. Die Fürsten verstanden es, durch Auferlegung ordentlicher und ausserordentlicher Abgaben, durch gelegentliche Ausweisungen bei gleichzeitiger Connscation des Vermögens und durch andere Chicanen und Erpressungen, ihnen den Raub abzunehmen. Sehr beliebt waren so z. B. die Befreiungen von Schuldzahlungen an die Juden, die als Belohnung für geleistete Dienste von den Fürsten willkürlich verfügt wurden. Ja, man brachte sogar System in die Exploitierung der Juden. Man hütete sich, sie gänzlich zu vernichten, damit die unentbehrliche Geldquelle nicht versiegte. Ein charakteristisches Beispiel dafür ist das Vorgehen der Herzoge Albrecht III. und Leopold III. von Oesterreich. Die Herzoge befanden sich in fortwährender Geldnoth, und als nichts mehr half, griffen sie zu einem nicht mehr neuen, aber bewährten Mittel. Sie Hessen nämlich nach einer geheimen Verabredung in allen ihren Städten an einem Tage alle Juden verhaften und ihrer Habe berauben. Als Vorwand diente ein plötzlicher Bekehrungseifer der sonst gar nicht fanatischen Herzoge. Doch als vernünftige Finanzmänner lassen sie sich mit Leichtigkeit von ihrer angeblichen Absicht, die Juden zu verbrennen, durch Doctoren der Theologie abbringen, welche das Gutachten abgeben, man solle die Juden nicht tödten, sondern für immer in harter Knechtschaft zurückhalten. Ja sie thaten noch ein Uebriges. Sie belassen die Juden im Besitze der Schuldbriefe, behandeln sie in der nachfolgenden Zeit mit grösserer Milde, ertheilen ihnen neue Privilegien, damit sie sich erholen und wieder leistungsfähig werden könnten. Die Bewucherimg der Bevölkerung steigerte den Hass gegen die Juden. Je mehr die Bürgerschaft und die Stände durch Verschuldung in Abhängigkeit von ihnen gerathen, desto williger finden die Gerüchte von Hostienschändung, Ritualmord und anderen angeblichen Verbrechen der Juden Glauben, desto mehr häufen sich die Judenverfolgungen. Der Schutz seitens der Fürsten erweist sich als ungenügend. Wer den J uden an Leib und Leben oder an seiner Habe verletzt, muss an die landesherrliche Kammer eine Busse zahlen, wie bei einer sonstigen Verletzung des Kamrnereigenthums. Am Ausgange des Mittelalters wird überall der Ruf nach Ausweisung der Juden laut. Die Fürsten stemmen sich dagegen; doch schliesslich willigen sie in das Begehren der Stände ein, können sich aber zu einer vollständigen Durchführung der Ausweisung nicht entschliessen. Einzelne und kleinere Gruppen von Juden können sich noch immer auf Grund von Specialprivilegien in den österreichischen Ländern halten. Das Gros wird dem Elende der Ausweisung preisgegeben. In solchen Verhältnissen lernte der Jude, am Gelde hängen, denn dieses wahrte ihm wenigstens die nackte JExistenz. Man kann dem Verfasser den Vorwurf nicht ersparen, dass er zu sehr Urkunden und Privilegien häufte, die doch schliesslich nur der Ausdruck dessen sind, was die Juden sich mit ihrem Gelde kauften oder was die Fürsten ihnen mit Rücksicht auf die eigenen materiellen Interessen gewährten, und zu wenig sich mit den rechtlichen Anschauungen befasst, die das Volk über die Juden hegte. Die Privilegien der Fürsten waren oft nur beschriebenes Pergament, während die Rechtsüberzeugung des Volkes oder besser gesagt, die Ueberzeugung von der Rechtlosigkeit der Juden sich häufig in blutige Wirklichkeit umsetzte. Auch unterliess es der Verfasser, die Veränderungen zu studieren, die das Judenrecht des Mittelalters im Leben und Charakter den Juden, in seinen Anschauungen, was recht und unrecht gegenüber den Christen ist, hervorrufen musste. Es ist dies eine empfindliche Lücke, die den Wert des Buches für den Nichtfachmann wesentlich herabmindert, Als Nachschlagebuch ist das Werk allen, die auf diesem Gebiete arbeiten, aufs wärmst« au empfehlen. al. lieber anthropologische, physiologische und pathologische Eigenheiten der Juden. Von Dr. M. Kretzmer (Griwa-Semgallen). (Vortragj gehalten in der Sitzung der Aerzte des llluxt'- schen Kreises am 26. Jänner 1901.) (Fortsetzung.) Zur Compensatio^ der körperlichen Mängel gehört dem Judenstamme eine grosse geistige Rührigheit und Begabung, eine grosse Geschicklichkeit zu geistigen Verstandesoperationen an. Nach der Statistik Dr. Jacobs' ist die Zahl der Berühmtheiten bei den Juden verhältnismässig grösser, als bei den Engländern und Schottländern. Infolge der beständigen Verfolgungen der Juden und des Verbotes im Mittelalter, sich mit physischer Arbeit zu beschäftigen, haben die Juden im Laufe der Jahrhunderte den Verstand gestählt, um nicht im Kampf ums Dasein unterzugehen, wie die anderen Völker des Alterthums. Der geistige Sinn für Wahrnehmung, Durchdringung und für den Zusammenhang der Verhältnisse erscheint bei den Juden besonders stark. Die Nüchternheit in der Auffassung der Verhältnisse, nicht getrübt durch eitle Phantasien und nebensächliche Vorstellungen, machten und machen ihre Unternehmungen mehr gedeihlich. Der Handelsgeist ist nur eine Anwendung dieses Talents auf die Wertschätzung der wirklichen Güter. Auch in der Wissensehaft und Kunst haben die Juden viel geleistet. In der musikalischen Welt waren Meyerbeer, Mendelssohn-Bartholdy, Rubinstein, Halevy, Offenbach, Goldmark, Joachim usw. Juden resp. jüdischer Abkunft, in der Literatur Heine, Börne, Saphir, Auerbach usw., in der Medicin: Traube, Haidenhain, Henle, polinheim, Bernstein, Senator, Liebreich, Saenger, Freund, Jaffe, Schreiber, Mendel, Hirschberg, Zuckerkandl, Meynert usw. (S. Lombroso, der geniale Mensch 1. c). Spinoza war der grösste Metaphysiker, Ferch Lassalle, Marx und Disraeli waren in neuerer Zeit die gewaltigsten Geister aus dem Judenstamiue. Aber im allgemeinen müssen wir zugeben, dass die Juden wenig schöpferisch, wenig productiv waren, weder in der Urproduction des Bodens, noch in Gewerbe, Technik, Industrie und Welthandel. Die Erfindungen wurden von den Juden wenig vermehrt, aber sie waren wohlthätig und nützlich für die Menschheit, indem sie die Errungenschaften und Erfindungen in ihrem Werte zu erkennen und zu verwerten wussten. Abgesehen von den Bankgeschäften und der Presse, worin die Juden viel leisten, wurden z. B. die ersten Eisenbahnen in Deutschland von Henry Strousberg, einem gewesenen Juden, erbaut, in der Türkei und Balkanprovinzen von Baron Hirsch, in Kussland theilweise von Poljakow und Warschawski. In der Wissenschaft sind dfe Juden kritisch, sammelnd und wissen sozusagen die geistige Ware auf-den Markt zu bringen. In der Malerei und Plastik haben die Juden wenig geleistet. Es erklärt sieh dies, weil von Moses' Zeiten an die Bilclnerei im jüdischen Cultus verboten war, diese Künste also nkht geübt und auch nicht vererbt werden konnten. Ausserdem geben die Juden ein grosses Procent Farbenblinde, so in London nach Zählung von Dr. Jacobs und Spillmann 12 Percent. Zuletzt besitzen die Juden ein grosses Acclimatisatioiisvermögen in allen Erdtheilen; sie vermehren sich sogar in Indien und Algier, wo das Acclimatisations vermögen der Europäer überhaupt zweifelhaft erscheint. Dies hängt von ihrer Lebensweise, von der Massigkeit im Efe und besonders im Trinken und von ihrer abg^hlctesWeiv Lebensweise ab. tl:iL -a^^m» o\ 2. Vermehrung: und, Fruchtbarkeit der. 3u<leii. . Die Juden vermehrten sieh in alter .und neuer Zeit;aus und in ihrem Stamme. Den Fremde^w^r .durch ,<Ja&ano-