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Die Welt · 1901-07-05 · 27 (5.7.1901) · p. 2

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Journal
Die Welt
Volume
5 (1901)
Issue
27 (5.7.1901)
Article
Über die Gründung einer Plantagen-Actiengesellschaft in Palästina
Date
1901-07-05
Page
2 (sequence 2)
Language
German
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Seite % „Die & Welt" Nr. 27 zung ins Leben gerufen und weitere iÖÖ Dulam zu einer Olivenpflanzung vorbereitet, zu der unsere Baumschule das Pflanzenmaterial seit dem ersten Jahr in Bereitschaft enthält. Und so fort werden im vierten Jahre die Orangen-, sowie die ersten Mandel- und die ersten Olivenpflanzungen unterhalten und Vorkehrungen zu Pflanzungen der zweiten Mandel- sowie der zweiten Olivenplantage von je 100 Dulam getroffen. Im Laufe von 6 Jahren kommen wir in den Besitz von 100 Dulam fünfjähriger Orangenpflanzung, von 100 Dulam einer vierjährigen Mandelpflanzung, von 100 Dulam einer dreijährigen Oliven-, sowie von je 100 Dulam einer zweijährigen Mandel- und einer ebenfalls zwei^ jährigen Olivenpflanzung. Die Gesellschaft wird also am Schlüsse des 6. Jahres 500 Dulam Plantagen ihr eigen nennen, d. h. ihren ganzen Besitz an Boden verpflanzt haben. Vom 7. Jahre an kann man mit Gewissheit darauf rechnen, dass die Orangen sammt der ersten Mandelpflanzung imstande sein werden, die Unterhaltungskosten für die sämmtliehen Pflanzungen zu liefern. Das achte Jahr würde uns schon einen sehr bedeutenden Ertrag von der Orangenplantage abgeben, sowie auch eine nennenswerthe Einnahme von den beiden Mandelpflanzungen liefern können. Von diesem Jahre an darf man mit Bestimmtheit darauf rechnen, den Actionären Dividende vertheilen zu können, die mit 8—10 Percenf beginnend, bis zu einer Höhe von 15—20 Percent steigen kann, nämlich zur Zeit, wo die Olivenpflanzungen ebenfalls Früchte tragen werden. Wir schlagen hier eine derartig auf mehrere Jahre vertheilte Bepflanzung des Besitzes aus dem. einfachen Grunde vor, weil wir im ersten, ja sogar im zweiten Jahre noch nicht sicher darauf rechnen können, die zweite Emission von 500 Actien zu verwirklichen. Für diesen Fall müssten also die ersten 100 000 Frcs. dazu ausreichen, die Orangenpflanzung bis zur Ertraglieferung aufzuziehen. Nach der Effectuierung der zweiten Emission könnte man allerdings ein schnelleres Tempo in der Arbeit einschlagen und somit eher zur vollständigen Bepflanzung des Terrains gelangen, wodurch ein bedeutender Theil der allgemeinen Unkosten er^ spart werden könnte. Wir wollen hier aber nicht auf die Details eingehen. Wir betrachten nicht die „Welt" als dasjenige Organ, in welchem man mit technischen Zahlen und Auseinandersetzungen viel zu operieren hätte. (Ein solches speciell technisches Organ fehlt uns noch vorläufig ganz und gar. Vielleicht würde der „Verein für technische Studien in Palästina" ein solches Organ schaffen?) Wir können liier nur die Idee ausführlich entwickeln. Sollte ein Comite gebildet werden, so könnten wir einen genauen dieser Idee treten würde, so könnten wir einen genauen Kostenvoranschlag aufstellen, der dann in besonderen Prospecten zu Agitationszwecken verbreitet werden müsste. Also ein Comite muss in einer der Hauptstädte Europas gebildet werden; am geeignetsten wären Wien oder London, das erstere als Sitz des Actionscomites, das letztere als derjenige der jüdischen Colonialbank. Das Comite hätte dann' einen Verwaltungsrath in Palästina selbst aus Leuten einzusetzen, welche Actionäre der Gesellschaft sein müssten, zugleich aber durch ihre Vertrauenswürdigkeit uns die Gewähr einer ordentlichen Geschäfts-Gebarung leisten könnten. Ein Prospect, aufgestellt won Fachleuten und unterzeichnet vom Comite und dem Verwaltungsrath müsste unter dem zionistischen Publicum verbreitet werden und würde uns dann ohne besondere Schwierigkeiten die nothwendigen Zeichnungen einbringen. Ist die ganze Summe gezeichnet, so wird das Geld bei dem Directorium der jüdischen Colonialbank eingezahlt. Dann kann man schon an die Arbeit geheh. Wir sind der Ueberzeugung, dass es durchaus nicht schwer fallen dürfte, die 50 Actien an den Mann zu bringen. Wir haben sogar Anhaltspunkte für die Ansicht, dass man allein hier im Lande etwa den fünften Üeil der Actien verkaufen könnte» Uns scheint es, dass man unser Projeet von dem grossen Gesichtspunkte der Einführung eines neuen Gölonisationssystems ins Land betrachten müsste. Sehen wir uns noch einmal das Beispiel der Deutschen in ihren Colonien an. (Wir berufen uns auf die Deutschen, da uns ihre Thätigkeit bekannt ist. Zweifellos haben die anderen Völker, besonders aber die Engländer und Holländer Ausserordentliches in Bezug auf Colonisation geleistet.) Die deutsehen Pflanzungs-Gesellschaften vermehren sich an Zahl von Jahr zu Jahr, ihnen folgen alsbald die Handelgesellschaften. Häufig werden die beiden Unternehmungen verknüpft. Es werden deutsches Capital und deutsche Intelligenz in der besten Weise verwerthet. Es kommen weitere politische Folgen hinzu. Jüdisches Capital muss ins Land gebracht werden, jüdische Inieiligenz soll ihre Verwendung finden, jüdische Arbeiter sollen ihr Brot erwerben und dem Lande erhalten bleiben,, das Land selbst soll in den Besitz von Juden gerathen. All dies zusammengenommen ist wohl jüdischnationale Colonialpolitik zu nennen. Wir denken uns in der Zukunft ein ganzes Netz von solchen Pflanzungs-Gesellsehaften in Palästina, welche dann auch die Schaffung von weiteren Industrien (Oelfabrikation), Gewerben etc. nach sieh ziehen müssen. Gründen wir die erste jüdische Plantagen-Gesellschaft in Palästhta! Jaffa und Zikron-Jacob, den 14. Juni 1901. Die Zukunftsbangen. Wer sich der langen Eeihe von Aufrufen erinnert, die zur Organisation, zur Hilfsarbeit innerhalb Deutschlands oder über die Grenzen hinaus für die mannigfachsten Bedürfnisse unseres Judenthums gemahnten, der wird immer wieder die gleichen Namen finden. Meist treten sie gruppen- und heerdenweise an. So haben der deutsche Geschäftssemit sans phrase und sein Deckheiliger eine ganz bestimmte Schar, die persönlich hinreichend ungenügendes Interesse am Judenthum nehmen, umfti^ die „Wohlthätigkeits"-Bestrebungen jener leider Brave» ihre klingenden Namen herzuleihen. Ihre Namen stellen sie zur Verfügung. Die Meisten. Nur sehr wenige treten mit ihrer ganzen Persönlichkeit für die Sache unserer Gemeinschaft ein. Aber dieweil sie sich hinauswagen in den Kampf des Tages, in den Widerstreit der Meinungen, da schleicht sie oft die Bangheit an: wer wird unsere Arbeit leisten, wenn unsere Kraft erlahmt ist; wer wird in die Arena hinabsteigen, wenn unser Muth zerbochen ist an dem Starrsinn der Masse. So lugen sie denn aus ins Judenthum. Die Akademiker müssen geborene Führer sein. Denn von dem neu aufwachsenden jüdischen Kaufmannsstande ist wenig zu erwarten. Er nützt die Freiheit der Emancipation in ziemlich einseitiger Weise aus und glaubt in seiner halben Weltbildung, dass man in demselben Masse als Culturmensch betrachtet werde, je mehr man sich vom Judenthum entfernt. Also in den Kreisen der Akadamiker ruht ihre Hoffnung, obwohl sie doch von vornherein annehmen sollten, dass gerade bei den jüdischen Akademikern, bei ihrer historischen Bedeutung für die Entjudung, am wenigsten zu holen sei. Aber sogar zu dem letzten unserer officiellen Judenführer ist die Kunde gedrungen, dass ein neues Leben dort aufspriesse. Sie sind zwar daran unschuldig, aber sie nehmen die Thatsache mit Genugthuung hin. Früher war es mehr Schmerz als Genugthuung. Denn der böse Zionismus hatte ja die Jugend gepackt. Aber was sollten die guten Zukunftsbängler thun? Man müsste die wilden 'Sturzbäche dahin leiten, dass sie die idyllischen M'ühlen der. Officiellen in Bewegung halten. ... Am Sonntag den 23. Juni, mittags 12 Uhr, hatte der Centraiverein

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