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Die Welt · 1901-06-28 · 26 (28.6.1901) · p. 12

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Journal
Die Welt
Volume
5 (1901)
Issue
26 (28.6.1901)
Article
H. Stewart Chamberlain und seine Beurtheilung des Judenthums
Date
1901-06-28
Page
12 (sequence 3)
Language
German
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Seite 12 Die # Welt 'Nr.* 56 sehr wichtig, zu bestimmen, was Chamber 1 a i n, was mir oder Dir Religion isl, sondern was Religion als geschichtliche Macht den Völkern gewesen ist und es noch heute ist. Und .zwar dein Judenthum sowohl, wie dem Christenthum, Und da sage ich: Mag sich Chamber! ain noch so drehen und winden, mag er gegen die Autorität, die auch hier gegen ihn ist, noch so sehr ankämpfen — aus dem geschichtlichen Begriffe der Religion in ihrem lautersten Sinne wird er den Gotte .begriff oder vielmehr den Gott des Judenthums nie und nimmer eliminieren!. (Fortsetzung folgt.) Lector Friedmann und Rabbiner Schmiedl. Montag am 21. d. M. fand in .Khunors Restaurant die zu Ehren des Lectors Fried mann von den Hörern der israelitisch - theologischen Lehranstalt veranstaltete Feier statt, die einen überaus solennen Verlauf nahm. Eine ganze Schar von Rabbinen und Religionslehrern, Schülern, Collen und Verehrern des Gefeierten waren neben dem gesnmmten Professoren-Collegium des 'Seminars, den Vertretern der israelitischen Cultusgemeinde, des zionistischen Landes- Comites, den Vertretern sämmtlicher zionistischen Corporationen und Mädchenvereine erschienen, um' dem Jubilar Ehre zu erweisen. Alle Toaste und Reden gipfelten in einem Wunsche, dem Wunsche, dass es Friecimann vergönnt sein möge, noch recht lange den von ihm betretenen Weg zu schreiten. Besonders hervorzuheben ist die Ansprache des Rectors Schwarz, der den Menschen und Collegen in dem Jubilar feierte, nachdem cand. phil. ßret schon vorhin den Lehrer und IZionisten gefeiert hatte. Als sich hierauf F ri e d m a n n erhob, um für die ihm erwiesene Ehre zu danken, wollte der Jubel kein Ende nehmen, der sich noch steigerte, als der Gefeierte in. seiner stillen, schlichten Weise in rührenden Worten dankte. Der Jubilar bekannte sich offen zum Zionismus, er liebe sein Volk über alles, besonders aber die jüdische Jugend. So lange er lebe, gehöre er ganz dem jüdischen Volke und der jüdischen Lehre. Möge er dem jüdischen Volke und seiner Wissenschaft lange erhalten bleiben.' * Auch eine zweite Persönlichkeit von bedeutendem wissenschaftlichem Rufe und voll persönlicher Liebenswürdigkeit ist dieser Tage geehrt worden. Rabbiner Schmiedl, dessen 80. Geburtstag erst jüngst feierlich begangen wurde, hat dieser Tage den Fi anz Joseph-Orden verliehen bekommen. \Vir freuen uns, wieder Gelegenheit zu haben, dem greisen Rabbiner unseren Glückwunsch und unsere dankbaren Sympathien zum Ausdrucke biingen zu können. Dann!. . . . Dann schleicht die ewig lange Sorgcnnacht Sich heimlich fort auf preisen Füssen. Ein neuer Tag. der sie in Angst gebracht, Will uns wie alte gute Freunde grüsscn. Uni junger Lenz im Maien^rlöckcheukranz Hebt uns vergrab'ne Wunderheilerkeilcn. Und Jachend wird jubelnder Sonnonglanz Einstmals vernachtete Seelen durchschreiten... Berlin. Theodor Z i o c i s 1 i. Zangwill. i. Lasst zehn Takte eines Volksliedes im Ohr eines Musikers klingen, und er wird Euch des Sanges Wiege nennen; lest 20 neue Zeilen Zangwills dem Literaten vor, und er wird Euch den Autor mit Sicherheit errathen. Einen so kräftigen Stempel seines Ichs weiss diesem Schriftsteller seinen Werken zu geben, Werken, die ohne die Suggestion <Ut KevJame, ohne..JJlüff und Trie, >iuf jenen Punkt in im- •fj^eirf, $e-el# s^ps^n, d^s^ 7^eriihruiig urisere Welt versinkt und unsere Sinne in der Welt des Buclies allein leben/ däs wir in: der 'Hand hatten: v Zangwills Schöpfungen sind die Leistungen eines Genies, das einen Streit um Wert oder Unwert lächerlich machen würde. Wir selbst leben und wirken in der Domaine des Weltgetriebes, die der Schriftsteller seinem Talente zinsbar gemacht hat. Die Blätter seiner Bücher sind photographische Platten aus einer Camera, die ihre Aufnahmen am Corso des Judenviertels gemacht hat. Doch steht Zangwill nicht auf dem Standpunkte des kalten Beobachters und Registrators, der im glücklichen Moment erhaschte interessante Thatsachen geschickt aneinanderreiht, vielmehr führt er uns in das Maschinenhaus, in dem die Räder und Schrauben arbeiten, die den Strom der Strasse lenken und betreiben. Die vielthürigen Stockwerke der Armen haben für ihn ebenso durchsichtige Glaswände wie die Zimmerflut des Vorstehers der grossen Synagoge. Ein Wissender mit diesen Kenntnissen konnte nur der werden, der als Knabe von den Männern gelegentlich geprügelt wurde, die später seine Helden wurden, und als Jüngling die Frauen poussiert hat, deren Lebenstragik als Weib und als Jüdin er uns ergreifend schildert. So wäre ein Generaltitel über Zangwills Werke die Aufschrift Goethes: Aus meinem Leben: Wahrheit und Dichtung. Wo das Leben seine unterste Grenze hat, .wo die Armen hausen, die mit erstickten Hoffnungen ihre Thätigkeit dahin beschränken müssen, die Pause zwischen ihrem zwecklosen Dasein und dem Tode erträglich zu gestalten, dort heraus holt Zangwill am liebsten seine Bilder und Gestalten. Er lässt sie unserem Blick in einem Lichte erstrahlen, das die abstossenden Kanten und störenden Ecken, die sonst unser nüchternes Auge deutlich erblickt, vollständig verschwinden lässt. Dieses Licht stammt aus seinem Herzen, und die Liebe hat's entzündet. Nicht die kraftlose Liebe, die gnädig verzeiht, weil sie begreift, sondern der oft sinnlose, aber nicht zu dämmende Zwang. Der verräucherte Querbalken an der Decke seiner Wohnung mag dem einen ärgerlich und als architektonische Störung dünken; dem anderen ist er das Turngeräth seiner Knabenjahre, das Versteck seiner ersten Liebesbriefe, der alte Platz der Familienbibel, und missgestimmt wird er dem Angriff des Zimmermannes zuschauen. Und die Frage ist noch, ob der Zimmermann was versteht, der da seit kurzer Zeit am Hause des Judenthums herummodernisiert. , Unsere Gedanken darüber ,sind sehr conservativ. Zangwill zeigt uns das Judenleben seiner Jugend.. Vorsteher, die ebenso ehrgeizig als gewissenhaft und opferwillig sind und ihre Handlungen willig der gefürchteten ContTole ihrer Wähler unterordnen. Eine Gemeinde, die sich nur vom Gesetze und den Forderungen des Verdienstes bestimmen lässt und die Unterschiede zwischen den Mitgliedern, die einzigen Unterschiede der ökonomischen Lage, durch liebevolle, hochherzige Wohlthätigkeit auszugleichen , sucht. .Wenig tröstlich zeigt uns dagegen die Gegenwart — auch Vorsteher. Ausserdem eine Gemeinde nach Steuerzetteln eingetheilt und die Wohlthätigkeit — ach, an die Stelle der herzgewinnenden Güte sind diese Sportvereine der öffentlichen, knauserigen Geber getreten. Zangwill lässt uns Einblick nehmen in ein Goldbergwerk, in das volle jüdischpatriotische Herz des Volkes, mit der.leeren Tasche. In seinen Schildereien lernen wir die Denkart jener bedauern, die in Leere des Geistes die Massen — das sind ja die Armen Judas leider — ans der Gemeinde verdrängt haben. Wenn dazu ein schlaffer Mittelstand unter schlafferer Leitung stellt, was Wunder, dass die Anschläge .Harnans von einem anscheinend altersschwachen Mordechai matt verwehrt werden? Das Absterben im Judenthum wird ein fröhliches Ende haben, wenn die Musik, die aus dem Satze klingt : Ganz Israel ist ein Volk' von."1'Brüdern, nicht mehr eine fratä .biorgänä des GelimV'selrV wlrcl." 'A'üs:i ZaiV&wills 'fttl 'ti l . , .i.»J '.feyr. V \ J -j.f „ .r. , Schriften nehmen wir mit dein Bewusstsein einer besserem Vergangenheit die Hoffnung auf eine gute' Zukunft.

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