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Die Welt · 1901-06-28 · 26 (28.6.1901) · p. 4

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Journal
Die Welt
Volume
5 (1901)
Issue
26 (28.6.1901)
Article
Bericht der Delegation
Date
1901-06-28
Page
4 (sequence 3)
Language
German
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Seite 4 : „Die & Welt" Nr.' M Odessa wie in Palästina unserer Mission gegeben wurde, Grösseres jetzt unmöglich erreicht Verden könnte und dass weitere Schritte nutzlos seien. Ein anderes ist es um die zweite Aufgabe. Ja, das Vergangene wurde von allen als unbefriedigend gestempelt, die von uns gestellten Forderungen für die Zukunft für recht befunden. Doch gegenwärtig macht diese Frage ein Ubergangsstadium durch, dessen weitere Entwicklung schwer verauszusehen und zu bestimmen wäre. Ausserdem ist das Wesen dieser Frage, dass es schwierig ist, eine Grenze zwischen dem Ganzen und einem Theile zu ziehen. Es fragt sich nun, ob die Delegation in dieser Hinsicht ules versucht hat., was ihr von der Odessaer Generalversammlung aufgetragen war? Aufklärung, Ueberzeugung, Nachsuchen — alles wurde in Gang gebracht, jedoch ohne unmittelbares Resultat. Mit Schmerz constatieren wir noch einmal, dass uns die Möglichkeit einer allseitigen Erklärung, welche in andauernden Debatten während einer Sitzung enthalten sein müsste, nicht gegeben wurde. Es blieb nur noch ein Mittel übrig — der Protest., der persönliche oder sogar öffentliche, der Protest im Namen der palästinensischen Welt, wozu wir von der Versammlung befugt waren. Wollten wir logisch das von der Versammlung Begonnene fortsetzen, müssten wir, ohne innezuhalten, auch dieses Mittel versuchen. Und inmitten der Delegation waren ihrer drei, welche dies verlangten, indem sie sagten, dass es kein Zurückhalten Und kein Compromiss gibt, wenn es sich um die Um Schaffung der Colonien auf neuen Grundlagen handelt. Doch hielt sich die Delegation für verpflichtet, bei Lösung dieses Ereignisses sich zu fragen, welche Folgen könnte solch ein Schritt für unsere Sache überhaupt und für die (Kolonisten und Arbeiter im besonderen haben. Diese Folgen konnten — was niemand von uns in Abrede stellte — sehr verhängnisvoll sein. Es ist schwer zu prophezeien; doch ist es sehr möglich, dass unsere Sach, die in Palästina Wurzel gefasst, mit grosser Mühe sieh vom Sehlage erholt hätte, den ihr die Delegation ertheilt hätte . . . Haben wir, besonders jetzt, bei den obenerwähnten Verhältnissen, das Recht dazu? Die ganze Delegation, mit Ausnahme von drei Personen, beschloss, dass dieser Weg von ihr nicht gewählt werden könne. Mit derselben grossen Stimmenmehrheit erkannte sie an, dass die Lebensinteressen des Existierenden, das mit solcher Mühe und Opfern geschaffen worden war, für sie heilig sein müssen, und dass sie nichts derartiges vornehmen dürfe, was auf sie zerstörend einwirken könne. Nachdem dieser Grundsatz aufgestellt worden war. stellte die Delegation in Paris ihre Thätigkeit ein. Doch ihre Existenz war damit nicht aufgelöst. Die Delegation erkannte an, dass die Generalversammlung sie mit der Durchführung bestimmter Aufgaben beauftragt hatten. Diese Aufgaben sind noch nicht gelöst; folglich muss die Delegation fortsetzen, an der Verwirklichung derselben zu arbeiten. Auf welchem Wege — das ist Sache der Delegation — zu erwägen und zu beschliessen. Doch nur die Erreichung des Zieles oder die nächste Versammlung der Gesellschaft könnten die Delegation von den auf sich genommenen Pflichten und Arbeiten befreien. Die Delegation beschloss daher, sich zu organisieren und fortzuarbeiten, bis zum Eintritte eine dieser zwei Momente. Es bleibt zu wünschen übrig, dass früher das erste Moment eintrete . . .. P a r i s, G./19. Mai 1001. Gezeichnet: Für die Delegation: Dr. E. W. •Tsehlenow. Der Schekeliag in Deutschland. Berlin. Eine stattliche Zahl, ca. 400 Personen, Damen und Herren, waren der Einladung der Berliner Zionistischen Vereinigung gefolgt und hatten sich am 17. c. zur Feier des Schekeltages in den Königsälen eingefunden. Herr Dr. F r i e d e m a n n eröffnete den Schckeltag unter Hinweis auf die Bedeutung des Sehekels und des Schekeltages für die Juden, insbesondere für die zionistische Sache. Sodann erwähnte er des Empfanges Herzls beim Sultan, wodurch auch dem Gegner das letzte Argument des Angriffes, „die Zionisten tragen schuld daran, dass die türkische Regierung das Einwanderungsverbot gegen die Juden erlassen habe", genommen worden sei. Auch der warme Empfang Herzls in London von Seite des Makkabäer-Clubs sei Beweis genug, wie der Zionismus sich immer mehr Balm breche, man dürfe also wohl von Erfolgen sprechen. Nach diesen mit lebhaftem Beifall aufgenommenen Ausführungen nahm Dr. Z 1 o c i s t i das Wort zum Vortrage: „M o r r i s Rosenfeld — ein Ghettodichter." Der Vortragende rl«achte" die* aufmerksüinen Zuhörer mit dem Dichter bekannt, der wie kein anderer vom Leid und der Sehnsucht des Ghettos zu Bingen weiss. Der anhaltende Beifall bewies dem Vortragenden, dass er ein dankbares Publicum gefunden, welches den Dichter zu würdigen verstand. Hierauf wurde gemeinschaftlich das Lied „Dort, w'o die Ceder schlank die Wolke küsst" gesungen. Der Vorsitzende machte sodann Mittheilung über die gesammelten Schekel und richtete einen warmen Appell an die Anv «senden, unausgesetzt bemüht zu sein, Freunde und Bekannte für den Schekel zu interessieren. Nach einem Vorträge des Herrn Gabriel las Dr. Z1 oe i s t i Gedichte von Morris 'Rosenfeld, von Berthold F e j - w e 1 ins Hochdeutsche übertragen: „Der bleiche Apreter", „Was ist die Welt" und „Der Thränenmillionär" vor. Die Dichterin Dolorosa (eine Christin) erfreute die Gesellschaft durch den Vortrag von drei eigenen Dichtungen: „Psallu 120", „Passah" und „Ahasver44, Frl. T a u b e r durch den Vortrag „D er jüdische M a i" von Morris R o s e n f e 1 d. Beide Damen ernteten reichen Beifall. Von der den Schekeltag feiernden Ortsgruppe Hannover lief ein Beglrüssungstelegramm ein, welches ebenso herzlich erwidert wurde. An Dr. Herzl wurde ein Begrüssungstelegramm gerichtet. Dr. Friedemann sprach noch über die Wichtigkeit dar Golonialbank und forderte zur Erwerbung von Actien durch Entnahme von Sharebüchern auf. Nach Absingung eines Liedes im Uitext wurde die in allen Theilen gelungene Feier des Schekeltages geschlossen. Breslau. (Ortsgruppe der zionistischen Vereinigung.) Der Schekeltag gestaltete sich hei uns zu einem Freudentag. Materiell und ideell zeitigte er schöne Früchte, so dass wir mit Befriedigung auf diese Institution blicken können. Die ausserordentlich gut besuchte Versammlung eröffnete der Vorsitzende Herr Schachtel mit seinem Referate: „Ein Rückblick auf die zionistische Bewegung." Er zeigt, wie der Zionismus neues Leben in erstarrte Formen, neue Hoffnung den gedrückten Brüdern gebracht habe. Am Schlüsse seiner Rede verliest er die Rede Herzls in London bei den Makk*H>äern. Herr stud. phil. Sonderling spricht hierauf über die Bedeutung des Schekels. Er weist seine historische und biblische Bedeutung nach und schliesst mit den Worten: „Kommen Sie zu uns, denn die Nation ruft Sie/' in der darauf folgenden Discussion hebt Herr Pinkus die culturelle Bedeutung des Zionismus hervor, wie sich eine jüdische Kunst schon jetzt entwickelt. Die Namen eines Lilien, Jaflfä, Nossig, Ziocisti seien Zeugen dafür. Herr Rechtanwalt Schwarz erwähnt, dass das Grossartige des Zionismus in der Selbsthilfe liege, die es ermögliche, dass nicht ein Reicher dem Armen, sondern die Gesa liimtheit der Gesammtheit, das Volk dem Volk helfen solle. Bei dieser Versammlung zeigte es sich wiederum, wie die Zahl unserer Gegner sich verringert, so dass bald die Zeit kommen wird, wo ein guter Jude und Zionist identische Begriffe geworden sind. F. P—s. E 1 b e r s f e 1 d. Am 17. Juni, am offiziellen Sehekeltage, versammelten sich die Mitglieder der zionistischen Ortsgruppe „I vria" im Hotel Central in Elbersfeld.— Der Vorsitzende Herr Max Goldreich eröffnete die Versammlung mit einer Begrüssungsrede, in der er den zahlreich erschienenen Mitgliedern die Bedeutung des Schekeltages vor Augen führte. — Die Schekel spenden hatten ein* sehr erfreuliches Resultat. Viel schöne und anregende Worte wurden gesprochen und fielen auf fruchtbaren Boden. Erst zu sehr später Stunde wurde die Versammlung geschlossen, jedenfalls hat auch diese Versammlung den Zweck erfüllt, dem Zionismus neue Freunde und Anhänger zuzuführen und in vielen Herzen den Vorsatz befestigt, mit aller Kraft dazu beizutragen, der Zionssache /um Siege zu verhelfen. M. G. Hannover. Anlässlich des Schekeltages erhalten wir nachstehenden „Hannoverschen Brief4: Der Schekeltag mahnte zum Beginne einer neuen Thätigkeit, zur frischen Entfaltung aller unserer Kräfte. Und da thut es denn auch gut, einmat rückwärts blickend zu sehen, was man geleistet hat, um aus dem Geschehenen den frischen Muth zu neuem Schaffen zu schöpfen. Es ist ein eigenes Ding um die Propagierung der zionistischen Idee in Deutschland, man hat eigenartige Gegner hier im Lande , cier Dichter und Denker. Im Kampfe gegen den Zionismus verlernen sie vielfach das Denken und fangen an zu dichten. Aber wir haben hier in Hannover die Erfahrung gemacht — wir können uns über unsere Gegner freuen. Denn nach jeder Versammlung noch haben wir einen Zuwachs von Anhängern erhalten,, die sich alle hauptsächlich durch die Grundlosigkeit der gegen uns vorgebrachten Argumente dazu veranlasst sahen, sich mit dem Wesen des Zionsirnus näher zu beschäftigen. Als hier der erste zionistische Verein ins Leben trat — im Frühling des vorigen Jahres — da waren es nur ^wenige Männer, Ausländer, die ihren Schekel auf den Altar ihres Volkes legten. So begann der Verein in stiller Thätigkeit. aufkippend zunächst auf die zu; wirken,., (c)ie am stärksten .sich d^rch die jTudennpth-. bedfrückt fühlen mussten. Erst''seit etwa einbiri'falben Jahre entfaltet der Verein eitie etwas umfangreichere Agitation, di«

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