Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 5 (1901)
- Issue
- 25 (21.6.1901)
- Article
- Unsere Bereitschaft
- Date
- 1901-06-21
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- 1 (sequence 1)
- Language
- German
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Jahrgang Unsere Bereitschaft. Mit einer selbstverständlichen Spannung haben Zionisten und Nichtzionisten den ersten öffentlichen Aeusserungen Dr. Herzls über & eine Constantinopeler Reise entgegengesehen. Das, was gesagt werden sollte, ist nun von Dr. Herzl in London gesagt worden. Es waren nicht Erklärungen, die für * den kleinen Kreis des „Makkabäer-Clubs" bestimmt waren, als dessen Gast Dr. H^rzl sprach. Es waren.Worte, „zum Fenster hinausgesprochen", die die Prcsse^ind der Draht den Juden aller Länder vermitteln sollte. „Jüdisches Volk, wir bringen Dir eine historische Hilfe — schaffe Du uns zwei Millionen Pfund, die wir in der nächsten Zeit brauchen." So lautet ganz kurz und schlicht das, was Dr. Herzl den Juden im Augenblicke zu sagen hat Einr rein geschäftliche Sache offenbar, da die Rede von Geld geht. Mag sie so genommen werden! Es kann uns mit Genugthuung erfüllen, dass ein Erfolg, den wir in der Zukunft erwarten können, an nichts anderes mehr als an die Materie, an Geld, gebunden ist. Eine unvergleichlich schwierigere Arbeit war sicher vorher zu verrichten, ehe die Frage sich bis zum blossen Geldpunkte zuspitzte. Und wenn es ein Geschäft ist, so wird es ein adeliger Handel, weil jüdische Volksführer und das jüdische Volk die vertragschliessenden Theile sind und Aveil es um ein Köstliches geht: Wir bauen mit dem Gelde die Strasse, auf der das Volk dereinst in seine Heimat ziehen soll. Schon haben wir gesehen, wie unter unseren Händen sich Geld veredeln kann. Wieviel an Hoffnungen, wieviel an Liebe legen wir in den Schekel, der in den * Augen der anderen ein glatter Silberling ist, für uns aber ein theures Symbol. Und der Schekeltag — der nichts als ein Zahltag sein könnte, weil wir die Silberstücke zusammenlegen — ist ein festlicher Tag voll Erhebung und schöner Freuden geworden. Die Dankbarkeit der späten- Enkel -wird das Andenken dieses Nationaltages in Treue bewahren. Und nicht ohne Rührung wird man an diesem Tage von dem Schekel der Armen und . der Arbeiter erzählen, die an ihrem täglichen Brote sparten, um mit der Ersparnis die Freiheit zu erkaufen. Solch reinen Geldes, das nicht aus den Taschen das aus den Herzen der Gesarnmtheit fliesst, das der Gesammtheit gehört und der Gesarnmtheit dienen soll, benöthigt jetzt der Führer Millionen. Kaum den vierten Theil dessen, was noththut, hat bisher die Volkskraft aufgebracht. Und nun verlangt man von dem Volke, dass es seine; Leistungen vervielfachen soll, wenn es einen Erfolg will. Es ist keine geringe Anstrengung, zu der die Getreuen' aufgerufen werden. Israel Zangwill nannte die Stimme lächerlich gering und wunderte sich über die Bescheidenheit des zionistischen Führers. „Wenn jeder Jude auf der Welt einen Dollar beisteuerte", so sagte er, „wäre diese Summe erreicht." Wenn! Wieviele gibt es, die nicht einmal dazu die Kraft haben, wieviel1, die als einzelne eine Million solcher .Dollars geben könnten und dennoch dem Wohle des Volkes keinen Cent widmen! Auf uns Zionisten fällt die Aufgabe zurück, die Beschaffung des Geldes zuwege zu bringen. Dürfen wir jetzt, in einem bedeutungsvollen Augenblicke, "wo die Leiter der Bewegung vor einem Erfolge stehen, schwächlich oder lässig sein? Die Führer haben sich glücklich den Weg zu der Macht erschlossen, bei der inerster Reihe die Erfüllung unserer Wünsche steht. Die Anhängerschaft hat dabei den Führern viel geholfen. Vielleicht, ohne dass sie es recht weiss. Aber dass sie in Fleiss und Treue seit Jahr und Tag die Bewegung gestützt und gross gemacht hat, dass jeder einzelne nach seiner Kraft mitgeholfen hat, dem Zionismus in der Oeffentlichkeit zur Bedeutung zu verhelfen, dass die Zahl und Gesinnungsstärke der Anhänger sich in so erfreulichem Masse gesteigert hat — das hat den Führern das Recht und den Muth gegeben, zu sprechen und ihnen eine stattliche Machtfülle und einen starken Rückhalt verliehen. Freuen wir uns, dass wir der that-' kräftigen Initiative der Führung solche Stütze geben konnten, freuen wir uns, dass sie davon glücklichen Gebrauch machen konnte. Doch bleiben wir nicht auf halbem Wege stehen ' und lassen wir die Führung nicht im Stiche, wo sie in einerm:grossen Momente "das grosse Geschlecht sucht/ Wir müssen uns dessen bewusst werden — wenn wir an uns selbst nicht irre werden wollen — dass