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Die Welt · 1901-06-14 · 24 (14.6.1901) · p. 11

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Journal
Die Welt
Volume
5 (1901)
Issue
24 (14.6.1901)
Article
H. Stewart Chamberlain und seine Beurtheilung des Judenthums
Date
1901-06-14
Page
11 (sequence 3)
Language
German
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3tr..M „Die & Welt" Seite 11 wandeln, und dieses mit einer Kraft ausstrahlten, dass es noch nach Jahrtausenden als Stern erster Grösse leuchtet! Doch wohin, mein Freund, gerathe ich? Ich sollte Dir von Chamberlain reden, von seinem Begriff der Religion, und ich verirre mich unter die Propheten. Sind denn Propheten Begriffe? Ich will zurück, mein Freund, ich will zurück von jenen Gegenden, wo man so arm an Begriffen und so reich an Sehern. Ich will zurück zu Chamberlain und seinem Begriff der Religion. (Fortsetzung folgt.) jjeitscbpiftei)* and Jiäcbei3* Rundschau. Die dritte Nummer der vom Verlage „Tuschijah" herausgegebenen hebräischen Jugendzeitschrift „Olam Katan" ist ebenso vorzüglich wie ihre beiden Vorgängerinnen. Die blosse Inhaltsangabe genügt, um eine Vorstellung von der Reichhaltigkeit der neuen Zeitschrift zu geben. Ausser den Reproductionen von Meisterwerken der bildenden Kunst und sonstigen Illustrationen enthält das vorliegende Heft folgende Beiträge : Das Wochenfest — Amithai. Die Darbringung der Erstlinge (Gedicht) -— Elia L e v i n. Ein Lächeln (Erzählung, Schluss) — J. B. L e w n e r. Im Frühling (Gedicht) — S. Tschernichowsky. Am Sabbathausgange (Erzählungen und Sagen) — J. Z. Levin. Unglückselige Arme — Chemdah Ben Jehuda. Anstatt einer Rede (Lustspiel) — J. Ch. Tawjew. Naturgeschichte der Thiere (Zoologie für Kinder nach Carpentier mit Illustrationen) — J. Meju ch as. Das Bäumchen im Winter (Parabel) — Schalmon. Kleine Nachrichten. Verschiedene Notizen. Sprüche, Fabeln, Räthsel, Heiteres. China auf der Balkanhalbinsel. Von S. Jericho Polonius. (Lemberg, Selbstverlag.) Unter den absolut leeren, doch wohlklingenden Phrasen, die von gewissen Autoritäten mit unerklärlichem Ernste vor vollen Sälen und gähnendem Publicum immer wieder vorgebracht werden, ist das Wort von der „Mission des Judenthums" das am meisten berüchtigte. Trotz der Qual, die der gesunde Menschenverstand bei der. weiteren Ausführung dieses Schlagwortes erleidet, werden wir bei der unendlichen Geduld, die wir Zionisten unbedingt jüdischen Gegnern entgegenbringen,, ihnen auch diesmal auf ihr eigenes Gebiet folgen, um sie für uns zu gewinnen. Demgemäss bitten wir sie, mitthätig zu sein bei der Aufhebung der Missionsanstalt, die von den Grenzen Rumäniens umschlossen wird und in deren Gebiete die Missionäre unendliches Leid erdulden, ohne ihrer angeblichen Aufgabe im geringsten nachkommen zu können — aus Hunger. Man dreht das Buch immer wieder nach dem Titelblatte um und sucht im Druckfehlerverzeichnis nach; alles in der Hoffnung, die Jahreszahl 1901 des Erscheinens als Irrthum zu entdecken. Denn unglaublich, empörend, schrecklich ist die Erklärung der Jammerrufe, die Europa durchzittern, um die Juden — „fern in der Türkei'' — kalt zu lassen. Sogar ein beträchtliches Stück ihres Nationalgottes, das ist das Geld, haben die Rumänen seinerzeit geopfert, bloss um einer wahnsinnigen Roheit, der nur der Tod des Opfers eine Grenze setzt, ungestört fiölmen zu können. Für den Betrag von 100 Millionen an Deutschland machen sie sich ausgiebig bezahlt. Die 112 Seiten der öroschüre sind nichts anderes als eine Registratur der Paragraphe des rumänischen Gesetzbuches, die sich gegen die Juden richten. Kostbar ist die Erfindung von „Fremden", denen man Geld- und Blutsteuer abnimmt, ohne ihnen die Zuständigkeit zu gewähren. Es gibt nur einen Vergleich für rumänische Judenzustände, für all den Raub und Mord da unten, und das ist das Leben der Neger in Südamerika. Und niemand säge die Bequemlichkeitsphrasen her, wie : Zwischenhändler, Wucherer, statt Handwerker und Ackerbauern! Denn der rumänische Staat,'so unglaublich es ist, lässt den Juden nur als Handelsmann und Arzt leben, schreibt noch dem ersteren rumänische Hilfsarbeiter vor und öffnet die Schulen durchaus nicht allen Juden.. Wie gross muss nicht das Elend in Rumänien sein, wenn es alle Pforten gesprengt hat und brotgierige Kinder durch ganz Europa schickte. Der Viertelmillion unserer Brüder, die ohnmächtig in unserer nächsten .Nachbarschaft .täglich dem Hungertode entgegensehen, gelten unsere ersten Sorgen. „Ich kann aber auch, um gerecht zu sein, nicht verschweigen, dass unter den 200(3) emancipierten Juden viele sind, die ihr Volk schnöde verriethen, ihre Rechte erkrochen und erkauften. Es waren die Reichen und Wortführer jener Tage." Das hat nicht etwa Nord au geschrieben, sondern ein deciarierter Gegner des Zionismus, (d. i. der Verfasser) nach ihm. Mögen daher gewisse Kreise aufhören, die Wahrheit zu verdrehen. Finden wir Juden uns lieber zu thäfckräftiger Hilfe zusammen. Nicht im Sinne Pölonius', dessen kräftiger Schlussappell an Financiers und Staaten ein Schlag in lauwarmes Wasser ist. Nummer 14 des „Echo Sioniste" vom 18. Sivan (5. Juni 1901) liegt uns vor. Unsere Pariser Gesinnungsgenossen verdienen unseren Dank und unsere besondere Anerkennung für die Mühe und Sorgfalt, die sie an unser einziges in französischer Sprache geschriebenes Blatt wenden. Dafür steht aber auch „L'echo Sioniste" seiner literarischen Bedeutung nach hinter den besten jüdischen Blättern nicht zurück. Aus dem Inhalte erwähnen wir: Communication de la Delegation des PalestLnophiles, Dr. E. V. Tchlenov Choses et Autres, Dr. Ä. Rokeach; Abjuration, Deborah Emancipation et Decadence, Ibrahim; L'audience et l'opinion publique, ***; Revue de la Presse, Ha-Tso-Fim; Nouvelles sionistes Hamodiim: Nouvelles de la vie juive, Hamodiim Souvenirs de Palestine, A. Ludvipol. Die „Mittheilungen des zionistischen Agitations-Bureaus iür Galizien und Bukowina" bringen einen schwungvollen Artikel der eine Uebersicht über die bisherige Entwicklang des Zionismus enthält, sich im weiteren Verlaufe mit der Audienz Dr. Herzls beschäftigt und sich endlich in warmen Worten an die Zionisten wendet, ihre Pflichten gegen die Bewegung zu erfüllen, namentlich Schekel und Shares einzuzahlen. Im zweiten Theile bringen die „Mit theilungen" einen Ausweis über die bisherigen Schekelz anhingen. Ein moderner Erlöser des Judenthum?., Vortrag von Rosalie Perles. (Königsberg i. Pr. Ostdeutsche Buchhandlung.) Unter dem Pseudonym „Benedictus Levita" hat seinerzeit ein Jude den Unternehmungsgeist besessen, in den „Preussischen Jahrbüchern" einem feigen Volksverrath das Wort zu reden, indem er als Mittel zur „Erlösung des Judenthums" die Taufe der Judenkinder empfahl. Er ist nicht einmal durch geistreiche Sophismem interessant geworden, Die Basis seiner Ausführungen ist einfach eine crasse Ignoranz des Judenthums. Diese Frösche der Weltanschauung seufzen nur nach den verschlossenen Salons der Gesellschaft und deren prunkender Aussenseite. Im allzu radicalen Bestreben, der. erwähnten Redaction und ihrem Leserkreise, seinem Ideale gefällig zu sein, hat der Schreiber am Judenthum kein gutes Haar gelassen. Nicht einmal, was der schroffste Antisemit an uns rückhaltslos anerkennt, hat Gnade vor seinen Augen gefunden. R. Perles hat sich der anerkennenswerten Mühe unterzogen, in vernichtender Kritik „Benedictus Levita" Satz für Satz zu widerlegen. Mit dem Stolze der ehrlichen Jüdin und in Liebe für ihr Volk und sein Leben lehnt sie es ab, Erscheinungen wie „Levita* anders denn als Ausnahmsjuden zu betrachten, und aberkennt ihm das Recht, sich als Wortführer im

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