Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 5 (1901)
- Issue
- 23 (7.6.1901)
- Article
- Die Studenten an der Arbeit
- Date
- 1901-06-07
- Page
- 7 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 23 „Die # Welt* Seite 7 vom Baseler Programm ausgehend, folgende Gegenstände umfassen : 1. Ausarbeitung der theoretischen Grundlagen des Zionismus und seiner Zusammenhänge mit den anderen socialen Bewegungen. 2. Wirtschaftliche und geistige Hebung der jüdischen Massen. 3. Erweckung des nationalen Geistes und Heranziehung der jüdischen InteUectuellen zum Zionismus. 4. Studium Palästinas und seiner Colonisations- Verhältiiisse. Das Örganisations-Comite für diesen Congress besteht aus den Herren :Bernstein-Kohan in Kischineff, Mozkin in Berlin, Nemzer in München und Pasm a ni k und Weizmann in Genf. Alle Zuschriften, die den Congress betreffen, sind an Dr. Ch. Weizmann, rue de TEcole du Chimie in Genf (Schweiz), zu richten. Eingeladen zu dieser bedeutungsvollen Arbeit, zu der Kräfte aus allen Ländern herangezogen werden, ist die gesammte zionistische Studentenschaft. m Verband der jüd.-akad. Verbindungen Mährens und Schlesiens. Wien, den 3. Juni 1901. Die auf dem Zionistentage in Olmütz angeregte Gründung eines „Verbandes der jüdisch-akademischen Ferialverbindungen in Mähren und Schlesien" erfolgte am Sonntag den % Juni. Da die Berathungen an diesem Tage nicht zu Ende geführt werden konnten, findet eine Fortsetzung derselben Donnerstag den 13. Juni 1901, 8 Uhr abends im Locale der „Bar Kochba", VIII., .Langegasse 14, statt. Ueber die Endergehnisse der Berathungen folgt ein näherer Bericht in der nächsten Nummer. cand. mech. Ferdinand Roth, Schriftführer der Delegierten Versammlung. Französische Chronik. Eine Versammlung des „Dorschei Zion" in Paris. Eine sehr interessante Versammlung fand am 16. Mai in der schlichten Synagoge der nie de Phötel de ville statt. Dort sprachen vor einem proletarischen Publicum von Arbeitern und Kleinhändlern Max Nordau und Alexander Marmorek. In klarer und einfacher Sprache entwickelten sie ihre Gedanken über einige actuelle Gegenstände im Zionismus, indem sie auf die Pflicht jedes einzelnen von uns hinwiesen, an der Realisierung unseres socialen Ideals nach seiner besten Kraft mitzuarbeiten. Dr. Marmorek sprach über die Gleichgiltigkeit und Kälte, die man immer beobahcten könne, wenn es sich nicht um Interessen des Augenblicks handle. „Ihr sagt Euch vielleicht, dass Ihr nicht viel thun könnt, dass Eure sociale Position es Euch nicht gestattet, dem Zionismus eine wesentliche Unterstützung zuzuführen. Aber, meine Freunde, Ihr vergesset, das es die Menge ist, welche die Stärke ausmacht." Doctor Max Nordau sprach über den Schekel und seine Bedeutung als Instrument der Organisation. „Wir wollen", sagte er, „das Geld nicht von den Reichen, welche es uns geben, um sich unser zu entledigen, oder dass man es uns anbietet, um uns angenehm zu sein. Das ist die Münze des Arbeiters, die er im Schweisse seines Angesichtes sich erarbeitet hat, und die er hergibt, während er dadurch nothwendige Erfordernisse sich versagt; das ist die Münze, die, ehrenhaft erworben und ehrenhaft gegeben, das Glück des Zionismus bringen wird." Rabbiner Lubetzky fügte noch einige Worte hinzu : „Nicht der gute Wille ist es, der meiner Gemeinde fehlt, es ist der harte Kampf ums Dasein, der sie hindert, so für unsere gemeinsame Volkssache einzutreten, wie sie es selbst vom Herzen wünschen möchte/' Wir begrüssen dieses Unternehmen, den Zionismus in so vornehmer und populärer Form zu propagieren, aiif das herzlichste. .'• *. - ' Feier des Vereines „Bachure St'on". Samstag den 18. Mai weihte die „Sociöte Bachure Sion" ihr neues Local (33, rue Saint-Antoine) mit einer kleinen aber überaus gelungenen Feier ein. Präsident „Wolf eröffnete den Abend mit einer schwungvollen Ansprache. Secretär Schersen, evsky lieferte einen geschichtlichen Ueberblick über di& Entwicklung der Gesellschaft. Dann wurde die Festhymne gesungen. Zwei Kinder sangen mit vielem Talente hebräische Lieder, die in Palästina sehr beliebt sind. Jubelnden Enthusiasmus erweckte der , Vortrag der Hymne: „Dort wo die Ceder . . Hierauf schritt Rabbiner Lubetzky an die Ceremonie der Einweihung der Bibliothek der Gesellschaft und drückte in wenigen schlichten Worten den Wunsch aus, das Werk, das der Verein, begonnen habe, möge in aller Zukunft gedeihen. Dr. Marmorek hielt darauf eine warme Ansprache, die mit stürmischem Beifall aufgenommen wurde. Er sagte, was es ihm für ein Genuss gewesen sei, aus dem , Munde der Kleinen, die die Hoffnung unseres Volkes sind, die heiligen Klänge der Sprache zu hören, die unsere Voreltern gesprochen haben. Max Nordau wünschte der jungen Vereinigung Glück und Erfolg in allen Unternehmungen und forderte sie auf, mit allen Kräften für die Volkssache einzutreten. Zwei jüdische Romane. Ahasvervon Rob e rt Jaffe\ (Berlin,SiegfriedCronbach,) Nicht der alte Unruh schweift durch die Länder: Sein Fuss knirscht nicht durch den Sand, in den ein Königsschloss verfiel, das ihm erst vor tausend Jahren hindernd im Wege stand. Jaffe hat aus dem Antiken-Kasten der Literatur den Titel nur und nicht den Stoff genommen. Den Bezug zwischen Deckblatt und Inhalt bringt die Rastlosigkeit, mit der eine ruhelose Menschenseele den Frieden sucht, von explosiven Zündungen in Irrgängen umhergewirbelt. Emil Zlotnicki ist der jugendliche Naive, der nicht aufhört, den Söhnen Japhets unentwegt sein „Soyons amistt zuzurufen. Er glaubt es erreichen zu können, dass die Juden gerade so wie die laudsässigen Geschlechter ringsum nur Gott und den Kaiser fürchten müssen und keinen Nebenmensch en. Diesem Zwecke und keinem Berufe hat er sein Leben geweiht. Er entfaltet seine imponierende Gelehrsamkeit in Büchern, deren Vorwort ihm mehr am Herzen liegt, als das Thema, weil er hofft, dass er im ersten die Amalgamierung der Juden und Deutschen als wünschenswert und nöthig bewiesen hat. Er entwickelt die Energie des Fanatikers, um aus den beschränkten Verhältnissen des unbekannten Luftmenschen, der er ursprünglich ist, in höhere Kreise hineinzukommen, wo er eifrigst die Jünger sucht, die ihm bei der Verbreitung seiner Ideen helfen sollen. Durch den Mund einer Serie von feinciselierten Typen lässt Jaffe seinem Helden die Antworten des Lebens geben. Demokratisch wird sich Zlotnicki s Idee vorderhand nicht entwickeln, das sieht er bald ein. Sein Gesicht spricht früher zu der Masse der christlichen Nachbarn als sein Mund und elementare Roheit treibt ihn entsetzt vom Spaziergange nach hause. Auch dort wartet seiner kein Erfolg. Mutter Sorge treibt geschäftig ihr Wesen in der Stube seines Onkels und duldet nicht, dass solche Irrwische, wie Ideal und Begeisterungsich im Zimmer herumtreiben. Das Klettern nach dem Brotkorb lässtdie sensiblen Nerven des armen Juden verkümmern. In den schwerbegrifflichen Massen sowohl der Juden als der Christen Wandel zu schaffen. istEmil Zlotnicki nichtProphet genug, und er fürchtet, dass für dieses Streben ein Menschenleben zu kurz werden dürfte. Er muss also eine Tradition für seine Ideen schaffen und anerkannte Frediger gewinnen, die ' auf ein grosses Auditorium einwirken. Die bekannte Presse aller Parteien, die von der Gechicklichkeit lebt