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Die Welt · 1901-06-07 · 23 (7.6.1901) · p. 6

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Journal
Die Welt
Volume
5 (1901)
Issue
23 (7.6.1901)
Article
Die Studenten an der Arbeit
Date
1901-06-07
Page
6 (sequence 1)
Language
German
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Seite 6 „Die & Weltf Nr. 23, Die Studenten an der Arbeit. Gründung einer: "pJ^S D^DPH DWW mm» Verband der jüdischen Studierenden zu München. M ü n c h e n, den 31. Mai 1901. Auch unser engerer Kreis von jüdischen Studierenden bleibt nieht unberührt von dem grossen Zuge in der gesammten jüdischen Welt. Dieselben Fragen drängen sich auch uns auf, und zwar intensiver als anderswo. Die verschiedensten Elemente der jüdischer Jugend kommen in den Universitätsstädten miteinander in enge Berührung, und daher ist es kein Wunder, wenn ein Zusammenstoss hier heftiger ausfällt und seine Folgen schneller zutage treten, als im_ grossen Leben. In der Correspondenz aus Charlottenburg von L. M. wurden einige Momente aus dem Leben der sogenannten russischen Cölonie in glänzender Weise hervorgehoben. Wir müssten sie einfach abschreiben, wollten wir das Leben der „russischen" Colonie in München, die zu 90 Percent aus Juden besteht, schildern. Wir ersparen uns diese Mühe und gehen zu dem eigentlichen Themaunserer Correspondenzüber. Das Bedürfnis nach einer neuen, frischen, nach einer jüdischen Gemeinschaft, wo wir uns wie zuhause fühlen könnten, stellte sich mit der Zeit immer klarer heraus, und diesem Bedürfnisse sollte durch die Gründung des »Verbandes der jüdischen Studierenden" entsprochen werden. Der Aufruf, der der Gründung vorausgegangen war und unter den meisten jüdischen Studierenden verbreitet wurde, hat folgenden Wortlaut: „An die jüdischen Studierenden! Collegen! Im Leben der jüdischen akademischen Jugend drängt sich mit immer gesteigerter Kraft die Frage über deren Organisation auf. Jeder, der einer Verbindung beitreten will, ist von den localen Verhältnissen gezwungen, sich einer bestehenden Gruppe anzuschliessen, die entweder nichts mit dem Judenthum zu thun hat oder dasselbe von sich ab^' zustreifen sucht. Die letzteren bestehen grösstentheils aus Juden, die ihren Organisationen einen ausgesprochen antijüdischen Charakter verleihen, indem sie den Geist derjenigen Völker cultivieren, die ihnen nur Spott und Verachtung entgegenbringen, und Verbindlichkeiten zu denselben Ländern pflegen, aus denen man sie ausweist, beziehungsweise ausgewiesen hat. Bei dieser Arbeit gelangen alle diese „deutschen" „russischen" „polnischen" etc. Verbindungen zu der absoluten Selbstentsagung, zu dem ausgesprochenen Hass gegen alles, was an Juden und Judenthum erinnern kann. Und unter allen antijüdischen Elementen sind eben diese jüdischen Assimilanten — die bewusstlosen Antisemiten — die schlimmsten. Ihre Verzichtleistung auf ihr Judenthum, ihre Verneinung selbst der Existenz des jüdischen Volkes wächst aus jener Art der Furcht hervor, die ein Aussätziger vor sich selbst hegt. Sie nehmen ihre' Laster für die des Volkes an, ihre Erniedrigung für das Merkmal ihres Volkes, ihre Feigheit und sclavische Furcht, sich Jude zu nennen, für geschehene Auflösung des Judenthums. Sie verzichten auf ihr Volk, um sich, von ihm losgelöst, die Möglichkeit zu schaffen, unbemerkt bei denen sich einzuschmuggeln, die für sie nur die organische Abneigung haben. Ihr Milieu ist das des Verfaulens und Verwesens, da sie keine Ziele anstreben, ausser das der Verheimlichung ihrer Abstammung. Allein ihnen wirklich vorhandenen Bestrebungen reducieren sich auf diesen Punkt und alle Kräfte zur Hervorhebung dieses Momentes. Und solche Gruppen gibt es heutzutage in den meisten^ Universitätsstädten. Sie flössen den todten Geist ihrer Bestrebungen und Gesinnungen den neuen Elementen ein, die herkommen und mit ihjien in Fühlung treten. Aber sie unmittelbar zu bekämpfen, ist nach den gegen-v, wärtigen Verhältnissen kaum möglich und wünschenswert. , Unser Kampf mit ihnen würde sie nur stärken. Sie gelangen jetzt zu dem höchsten Punkte ihrer antijüdischen. Selbstzucht, und nun ist ihr Ziel erreicht; und weiter können sie nicht. Jetzt eben lässt -sich bei ihnen der Moment wahrnehmen, da jede Spur der Toleranz und Geradheit den Juden gegenüber ihnen fehlt und da ihr moralischer . Rücklaufan den Tag tritt. Und wir, freie jüdische Studenten,. , wir kehren uns mit Verachtung von denjenigen ab, die das Gefühl der Selbstachtung verlernt haben, die den nöthigen Muth nicht besitzen, um sich den eigenen Namen beizulegen, und die sich der Verachtung und Verfolgung unserer Feinde , durch Verheimlichung ihres wirklichen Namen entziehen zu können glauben. Wir müssen jetzt an die Schaffung einer frischen, eigenen Atmosphäre schreiten, in der wir unsere Gleichberechtigung nicht um den Preis der Selbstverleugnung zu erkaufen gezwungen sein werden. Die in allen Universitätsstädten zu gründenden jüdischen Organisationen sollen die Heimstätte für jeden freigesinnten nationalen Juden werden. Die Frage über Organisation der jüdischen akademischen Jugend ist heute eine brennende Zeitfrage. Organisation1 der jüdischen Studierenden, nicht Verbindungen von russischen, rumänischen, deutschen etc. Studierenden. Wir entbehren alle die Heimstätte, und wir sollen sie schaffen. Es wird hiermit an alle sich frei fühlenden jüdischen Studierend err, an alle diejenigen, die sich als Juden bekennen, die ihre ganze Zukunft an das Leben und die Freiheit unseres Volkes knüpfen, die Aufforderung gerichtet, überall ganz, selbstständige Organisationen zu schaffen, miteinander in Verbindung za-treten und hiermit einen „Allgemeinen Verband der jüdischen Studierenden", ins Leben zu rufen Gruppe nationalgesinnter jüdischer Studierender." Wie aus diesen Zeilen sich leicht entnehmen Jässt, ist der Hauptgedanke, die Basis der neuen Verbindung, die -Vereinigung der sämmtlichen jüdischen Studierenden aus allen ^Ländern, die sich offen als Juden bekennen und. ihr Leben mit dem ihres Volkes .unzertrennbar verknüpfe sehen,; in eine zwanglose Organisation.. . Wir glauben, der „\ erband" wjrd in allen Schichten- „ der jüdischen Studentenschaft feste Wurzeln greifen, da. er. schon in den ersten Tagen seiner Existenz Repräsentanten der Gruppen aus allen Ländern, inclusive Deutschland, umfasst hat, die bisher ganz fern auseinander standen aus dem einfachen Grunde, weil sie keinen gemeinschaftlichen Boden, auf dem sie sich hätten vereinigen können, besassen, und nun ist dieser Bode^n gefunden und die Gründung des „Verbandes" ist eine fertige Thatsache. Wir geben unserer Hoffnung Ausdruck, binnen kurzem in allen Universitätsstädten solche „Verbände" gegründet und sie alle in einen .„Allgemeinen Verband der jüdischen Studierenden" vereinigt zu sehen. ,* Es wurde beschlossen, eine Bibliothek mit Lesezimmer; anzulegen und ein eigenes Local zu mieten. Folgende: ... Zeitungen und Zeitschriften werden aufgelegt; „Weit"-, „Jüdische Volkstimme", „Hazefirah", ^Haschiloaeh", „Ost und West", „Egalitatea", „Rasaritul^ „Budustschnöstj", .„Woschod", „L'echo sioniste". Wir sehen mit Hoffnung und Genugthuung auf den. f „Verband", der.den Gedanken der Einheit unseres zerstreuten;{Volkes und .seiner selbständigen Zukunft verkörpern und {Verwirklichen soll. A, N* * Ein Congress zionistischer Studenten. Wir meldeten bereits, dass in München eine.- Vor* conferenz zionistischer Studenten stattfand, "die eine^ Con-. gress der gesihhüngsgenössischen Obliegen für den flerbst vorbereiten will. Die Tagesordnung %iet$$s Cong^esses w.ir4.

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