Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 5 (1901)
- Issue
- 22 (31.5.1901)
- Article
- Der Empfang Dr. Herzls durch den Sultan
- Date
- 1901-05-31
- Page
- 2 (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 4 „Die & Welt" Sache Beachtung zu schenken. Nun haben die Gegner von der Türkei behauptet, sie stehe den Bestrebungen des politischen Zionismus absolut ablehnend gegenüber. Unsere Leser werden sich noch der Meldungen des „Jewish Chronicle" über die Meinungsäusserungen des Herrn Josef Krieger Effendi und des Herrn Nissim B e h a r erinnern. Sie haben dem Zionismus jede' Erfolgsmöglichkeit abgesprochen. Wir haben damals gar keine Erklärungen oder auch nur Andeutungen von Dr. II e r z 1 gehabt, die es uns möglich gemacht hätten, die Nachrichten bestimmt zu dementieren. Allein der schlichte Menschenverstand sagte uns, dass jene Worte nichts anderes seien als Aeusserungen heuchlerischer Juden oder vielleicht solcher, die es ehrlich meinen, indem sie um ihrer Brüder Wohlergehen aufrichtig besorgt sind, aber in ihrer Aengstlichkeit zu weit gehen* — bis zur Würdelosigkeit und Feigheit. Wir kennen diese Sorte von ängstlichen Juden ganz genau, und" es mögen sich ihresgleichen auch in der Türkei befinden. Gest (out comme chez nous. Der schlichte Menschenverstand sagte uns, dass die Türkei, hätte sie dem Zionismus alle Hoffnung abschneiden wollen, tausend Gelegenheiten gefunden haben würde, ihren Willen durch ihre Officiösen kundzugeben, nicht aber durch Juden, die sich interviewen lassen . . . Der Zionismus in Brasilien. Herr Dr. Max N o r d a u hat folgendes, aus der portugiesischen Urschrift wörtlich übersetztes Schreiben erhalten: „Manicore (Staat Amazonas, Brasilien), 12. März 1901. Illustrissimo Senhor Doulor Max Nordan, Paris. Hochgeehrter Herr! Auch zu uns ist der Aufruf gelangt, den die Zionisten-Gesellschaft an alle unsere über den Erdball zerstreuten Brüder erliess, damit jeder nach seinen Kräften zu dem Fonds dieser Gesellschaft und zu den schwierigen, doch nicht unmöglichen Zwecken beitrage, denen sie sich gewidmet hat. Die hebräische Golonie dieses Ortes konnte und durfte nun gegen diesen Aufruf nicht gleichgütig bleiben. Vielmehr fühlten im Gegentheile alle mehr als je in ihrer Brust das Gefühl der Brüderlichkeit und den unüberwindlichen Willen sich regen, nach Vermögen mitzuwirken, um die heilige Aufgabe zu fördern, welche diese Helden, die Zionislen, auf ihre Schultern geladen haben. So geschah es denn, dass, als wir am furimfeste dieses Jahres vollzählig versammelt waren, eine Subscription eröffnet wurde, die den Betrag von 150 Francs erreichte, wie aus der beiliegenden Liste ersichtlich ist. Da wir wissen, dass Sie, hochgeehrter Herr, einer der grössten Vorkämpfer Israels und eine eherne Säule dieser Gesellschaft sind, was mich mit Stolz erfüllt, so nehme ich mir die Freiheit, Ihnen den erwähnten Bei rag von 150 Francs zu tibermachen, damit er durch Ihre gütige Vermittlung in die Hände der Berechtigten gelange, für welche Gefälligkeit ich Ihnen ewig dankbar bleiben werde. Unsere hiesigen Brüder bitten um die Gunst, ihnen, wenn dies möglich ist, durch meine Vermittlung die Druckschriften zuzusenden, welche über die Arbeiten und den Fortschritt der gedachten Zionisten-Gesellschaft veröffentlicht worden, wofür sie schon jetzt ihren Dank ausspreche n. Gestatten Sie mir, hochgeehrter Herr, dass ich. Ihnen von hier die Versicherung meiner Achtung und Verehrung als Ihr Bruder an Blut und Glauben zusende. M o y s e s Cohen, öffentlicher Notar in bürgerlichen, Straf-, Handels- und Wai sen an gelegen h eiten. Vorsteher des Allgemeinen Hypotheken-Amtes." Erste Beilage: Eine Anweisung auf 150 Francs, ausgestellt vom Bankhause Kahn, Polack und Cie.; in Manaos, auf das Pariser Bureau dieser Firma. Zweite Beilage: Liste der Spenden aus der hebräischen Colonie der Stadt Manicore (Staat Amazonas, Brasilien) zum Besten der Zionisten-Gesellschaft, gestiftet am Purimfcsitage des Jahres 5661. lsaac J. Israel 50 Fr es., Jacob Cohen 5 Frcs., Fortunato David Benarroshe 5 Frcs., Isaac J. Cohen 1 Frc, Jayme Benchimol 5 Frc?., Isaac Sananes 1 Frc, Samuel Aflalo 2 Frcs., David Israel 2 Frcs., Salamao J. Roffe 5 Frcs., Marcos Cohen 5 Frcs., Abraam J. Levy 5 Frcs., Moyses J. Levy 5 Frcs., Jose Israel 5 Frcs , Moyses Bendrao 10 Frcs., Jose Cohen 2 Frcs., Moyses Cohen 10 Frcs., Guilherme Soares 5 Frcs., Ambrozio Almandy 2 Frcs., Israelitischer Wohlthätigkeitsverein „Shebet-Ahim" in Manicore 25 Frcs., zusammen 150 Francs. Manicore, 14. Nisan 5661. Der Antragsteller: Fortunato David Benarroshe. In der Urschrift lautet der Btief: „Manicore, 12 de Mar<jo de 1901. Illmo Senhor Doutor Max Nordau, Paris. Illustiissimo Senhor! Havendo chegado ate nös o appello feito pela Sociedade Sionista a todos nossos irmaos dispersos pelo orbe, paro o fim de cada um concorrer conforme suas forgas para o fundo da mesma sociedade e os fms arduos, mas nao impossiveis a que se votou. nao podin nem devia a Colonia hebraica desta localidade ])io Irar-se indifferente a esse, appello, e antes pelo contrario senüram todos mais do que sempre atear-se en; seus peitos o sentimenjLo de fraternidade e a vontade inveneivel de concorrer quanfo em si coubesse para auxiliar a santa missao que esses heroes (os Sioni?,tas), tomaram sobre seus hombros; assim e, que no dia de Purim deste anno, reunidos todos como uma so pessöa, abrio-se unia subscriptao que ättingio a quantiä de 150 francös, como se ve da nola Junta. Sabendo que V. Sa e um dos maiores defensores de Israel e columna de ferro dessa sociedade, o que nie enche de orgulho, tomo a liberdade de consignar-lhe a referida quantia de 150 francös, afim de que, pör seu valioso intermedio, possa chegar as maos de quem de direito; por cujo obsequio me confesso eternamente agradecido. Nossos irmaos de ca supplicao um favor qual e o de, si e passive!, Ihes s^jam remittidos por meu intermedio, os impressos que se publicarem dos trabalhos e andamento da referida Sociedade Sionista, do que se confessam desde ja agradecidos. Permitta, Illmo Senhor, que desde aqui lhe dirija os meus protestos de respeito e veneracao por ser seu irmao em sangue e-cren<jas» Moyses Cohen.14 * Hierzu einige Bemerkungen : Die Ausdruckweise des Briefes, die itt der trörlluhen deuLclien lieber* el,zung mitunter bt fremden! durfte, entspricht portugiesischem Sprachgebrauche.