Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 5 (1901)
- Issue
- 22 (31.5.1901)
- Article
- Der Empfang Dr. Herzls durch den Sultan
- Date
- 1901-05-31
- Page
- 1 (sequence 1)
- Language
- German
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Jahrgang Der Empfang Dr. Herzis durch den Sultan. Wir haben in unserer letzten Nummer über die überaus wohlwollende Aufnahme berichtet, die Herrn Dr. Herzl von Sr. Majestät dem Sultan bereitet wurde. Ueber den Inhalt der hochwichtigen Audienz und der Gonferenzen zu berichten, erscheint vorläufig nicht an der Zeit. Wir begnügen uns, im Nachstehenden einige Blätterstimmen zu registrieren. Der „Jewish Chronicle" (bekanntlich antizionistisch) bringt an mehreren Stellen seiner Nummer vom 24. Mai Mittheilungen und Erörterungen über die Audienz Dr. He rz ls beim Sultan, denen wir Folgendes entnehmen: „Wir haben keine Nachrichten darüber, was Dr. Herzis eigentliche Mission und was das Ergebnis war, und Dr. Herzl wird ohne Zweifel alles, was er über den Gegenstand zu sagen hat, für die Congressv.erhandlungen aufsparen. Aber die blosse Thatsache, dass er und seine Gollegen als Zionisten vom Sultan empfangen worden sind, muss jedenfalls von höchster Bedeutung sein. Denn die Audienz widerlegt einfür allemal die aufgestellten Behauptungen, der Sultan weigere sich, die zionistischen Vorschläge in Erwägung zu ziehen. Um Dr. Herzl hiervon zu benachrichtigen, dazu wäre keine Audienz nothwendig gewesen, ebensowenig wäre eine Audienz zugesichert worden, wenn die Absichten des Sultans der Bewegung gegenüber feindselige wären, wie es von gewisser Seite dargestellt wurde. (So z. B. durch die Meldungen, die die „Politische Correspondenz" in diesem Winter lancierte. Anm, d. Redaction.) Die Zionisten haben daher das Recht, sich zu diesem Erfolge zu beglückwünschen, und wir haben einen neuen Beweis der wohlwollenden Gesinnung des Sultans für unser Volk. Wenn die zionistische Deputation beim Sultan imstande war, ihn zu überzeugen, dass der Zionismus die Aufrichtung und Kräftigung von Palästina, dessen Regeneration und Umwandlnng in eine Quelle von Erwerb und Macht für das türkische Reich im Auge hat, dann wird Dr. Herzl der Bewegung, die mit seinem Namen verknüpft ist, einen ungeheuren Fortschritt gesichert und der gesammten Judenheit einen nicht geringen Dienst geleistet haben/ * Dasselbe Blatt berichtet über ein Interview, das sein Berichterstatter mit Dr. Herz 1 in Constantinopel hatte. Dr. Herzl äusserte sich wie folgt: „Se. Majestät Hess mir einen Empfang zutheil werden, wie er nicht herzlicher gedacht werden kann. Ich habe die Ueberzeugung.gewonnen, dass die Juden auf der ganzen Welt keinen besseren Freund als den Sultan Abdul Hamid haben .. . Ich verlasse Constantinopel, von dem Ergebnisse meiner Reise vollständig befriedigt." * „H a z e f i r a h" schreibt über den Empfang Dr. Herzis beim Sultan unter anderem Folgendes: „Derbeste Wegweiser für dieBeurtheilung derartiger Ereignisse ist weder der Scharfsinn der Ueberklugen, noch der Spott der Witzbolde, sondern der gesunde Menschenverstand; weder die Sucht zu verkleinern auf der einen Seite, noch die Begeisterung auf der anderen Seite, sondern die besonnene, klare Erwägung. Der schlichte Menschenverstand kann uns, ohne dass wir erst forschen und Scharfsinn entfalten oder Informationen hinter den Coulissen her haben müssten, über die Bedeutung der Audienz und über der*n Ergebnisse nicht bloss vermuthungsweise, sondern ganz sicher Aufschluss geben. Das Bestreben des politischen Zionismus ist klar. Er will in Palästina günstige Bedingungen schaffen für eine Gentralisierung der Auswanderung jener Juden, die gezwungen sind, ihre Wohnorte zu verlassen, damit sie sich dort niederlassen und in normaler Weise, in einem Leben voll Arbeit, Ehre und Rechtssicherheit frei entwickeln können, im Einverständnisse mit der Türkei und mit den Mächten. Zu diesem Zwecke musste der Präsident des Actions-Comites mit der Türkei und mit den Mächten in Angelegenheit der Goncession, Heisse sie nun Charter oder anders, in Unterhandlung treten. Wir wissen, dass er alles gethan hat, was in seiner Macht lag und dass es ihm möglich ist, recht Bedeutendes in dieser Angelegenheit zu leisten. Seine Worte fanden bei vielen Regierungen Gehör. Noch sind keine bestimmten Abmachungen getroffen worden, aber an vielen hohen Stellen hat man begonnen, der