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Die Welt · 1901-05-17 · 20 (17.5.1901) · p. 3

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Journal
Die Welt
Volume
5 (1901)
Issue
20 (17.5.1901)
Article
Zur wirtschaftlichen Erschliessung Palästinas
Date
1901-05-17
Page
3 (sequence 2)
Language
German
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Nr. 20 „Die 3$ Welt** Seite 3 technischen —wie es erst in der diesbezüglichen Anregung des anonymen Ingenieur-Chemikers in der „Welt" im October 1900 hiess — sondern eines allgemein wirtschaftlichen Beirathes das Wort gesprochen« Es ist eben eine elementare Wahrheit, dass die Technik ein Bestandtheii der ganzen Volkswirtschaft ist Die Aufklärung des Herrn Ober-Ingenieur Lau, dass der „Verein für technische Studien in Palästina" alle volkwirtschaftiiehen Momente in den Kreis seiner Thätigkeit hineinziehen wird, entspricht vollständig den Wünschen, die ich in meinem Artikel ausgesprochen habe. Möglicherweise haben manche den Techniker speciell interessierende Anregungen den Herrn Ober-Ingenieur Lau zu dieser Anschauung mir gegenüber bewogen, aber ich richtete doch meinen Artikel an die Adresse des „Vereines für technische Studien in Palästina", schrieb daher über das Technische, worüber ich auch ein bescheidenes Mass weiss, und erwähnte des Merkel'schen Werkes „Geschichte der Ingenieur-Technik im Alterthum", weil es, (obgleich es auch über Palästina und Phönizien berichtet) im bibliographischen Sinne als unter „Technik", nicht unter „Palästina" fallend, von uns übersehen werden könnte. Die Meinung lag mir ferne, dass die uns interessierende Registerarbeit sich nur auf Oesterreich beschränken solle. Durch dLe Nennung der österreichischen, speciell Wiener Institutionen, wollte ich dem in Wien domicilierenden Vereine die dortigen Quellen angeben, aus denen er zu schöpfen habe, um meine Anregung durchzuführen. Ich bin jedenfalls der Ansicht, dass die Registratur arbeit zuvörderst in Wien von den dortigen Studenten durchzuführen ist, damit so während ein bis zwei Monaten die Erfahrungen gesammelt werden, um Normen aufzustellen und über die weiteren endgiltigen Intentionen des „Vereines für technische Studien in Palästina" Klarheit zu erlangen, nach welchen diese Registraturarbeit in anderen Ländern einheitlich organisiert und durchgeführt werden soll, damit später alle Complicationen durch verschiedenartige Systeme und Ausführungen vermieden werden. Es ist auch nicht zu vergessen, dass Wien die zahlreichste zionistische Stüde nten-Colonie in der Welt besitzt, dass also die zu diesem Zwecke aufgestellten „Wiener Normen", welche unter Leitung von kundigen Männern abzufassen sind, Giltigkeit in der ganzen Welt haben können. Mein erster Artikel schliesst durchaus nicht aus, dass auch in anderen Ländern die Leetüre der Palästinensia gepflegt werde, aus anderenLändern neue Vorschläge und Anregungen in dieser Hinsicht nach W ien f Ii essen, (Ich bin sogar so unbescheiden, zu denken, dass die von mir angegebenen Daten die Aufsuchung des Materiales einem jeden erleichtern werden.) Mein früherer Artikel will nur in seiner weiteren Consequenz, dass die der Palästina-Expedition zugeführten Registriermaterialien im Interesse der Uebersichtlichkeit nach einheitlichen Normen in der ganzen Welt aufgestellt werden. Die besten und übersichtlichsten Special-Bibliotheken der Palästinensia haben wohl die drei jetzt arbeitenden Palästina-Forsch er-Vereine : der berühmte „Palestin e Exploration Fund" in London, der „Deutsche Verein zur Erforschung Palästinas" in Leipzig und „der Kaiserlichorthodoxe Palästina-Verein" in Petersburg. Uebrigens in der ganzen Welt, abgesehen von rein öffentlichen Bibliotheken, überall, wo die verschiedenen Institutionen, Lehranstalten, Vereine u. s. w. für Geographie, Theologie, Orientalia etc. bestehen, kann man in den betreffenden Institutionen das Palästina-Material in reichlichem Masse finden. Natürlich, dass in London, dem Centrum der Welt, mit seiner in der Welt grössten Bibliothek, „British Museum", mit den offiziellen Vertretungen von sämmtiiehen Colonien, mit verschiedenen geographischen, colonialen, theologischen, orientalischen und Missions-Institutionen, mit dem Verein „Palestine Erploration Fund" das reichste Material zu finden ist. Aber kein Zionist in der Welt hat das Recht, sich durch den Mangel an Gelegenheit, über Palästina zu lesen, zu entschuldigen. In dem kleinsten Dorfneste findet man in der Gemeindcschule oder in der Privatbibliothek eines Theologen eine Karte von Palästina, von einem oder mehreren Büchern gar nicht zu reden. Uebrigens sollte ein jeder Zionist auch ein paar Werke sein eigen nennen. Das Wichtigste* meines Artikels, die Aufgaben der Studenten, habe ich mir für den Schluss aufgespart. In meinem Originalmanuscript stand wörtlich : „Naturwissenschaftler, Techniker, Nationalökonomen, auch Studenten höherer Semester", also die Vorwürfe des Herrn Ober- Ingenieur Lau mir gegenüber wegen der Nichterwähnnng der Studenten, sind verursacht worden durch das Versehen der Hedaction, welche bei der Vornahme mancher Kürzungen in meinem Originalartikel zu eifrig vorgegangen ist, und die Wörter „auch Studenten höherer Semester" durchstreichen Hess. Aber trotzdem können wir beide, Herr Ober- Ingenieur Lau und meine Wenigkeit;, mit diesem Zufall zufrieden sein, denn einerseits wurde unsere gemeinsame Anregung, betreffend die Vertheilung der Arbeit an die Studenten, rechtzeitig berücksichtigt, andererseits fand Herr Ober-Ingenieur Lau die ihm willkommene Gelegenheit, an die Adresse der Studentenschaft einige ernste Worte zu richten, um die für mich selbstverständliche Frage der Heranziehung der akademischen Jugend zu unserer Arbeit eingehend zu motivieren. Bei der Leetüre des in unerbittlich strengem und . ernstem Tone gehaltenen Artikels des Herrn Ober-Ingenieur Lau kann man sich kaum des Eindruckes erwehren, als ob die an jeden Studenten im Sinne der vorgeschlagenen Action herantretende Arbeit besonders schwierig wäre. Nichts von alledem! Wenn man ein oder zwei Bücher über Palästina, wie es zur Zeit seiner Blüte war, und dann wieder einige Bücher über den jetzigen traurigen Verfall gelesen hat, so findet die Phantasie so viel Material zur Anstellung von Vergleichen, dass man die sonst als langweilig verschrieene Registraturarbeit mit grösster Freude und hohem Interesse besorgt. Bei jedem auf dem Registercarton aufgeschriebenen Namen oder Object steigen vor unseren Augen wie hervorgezaubert die glänzenden Bilder der alten schönen Zeit auf, es beseelt uns der Wunsch, an der Herbeiführung jener alten Schönheit mitzuarbeiten, jeder denkt sich das ihm vorschwebende und in Europa durch die Macht der Verhältnisse nicht erreichbare sociale ld:eal erst in Palästina verwirklicht. Sol che freudige E'mp'f in düngen zu erleben, ist wahrlich ein herrlicher Lohn für ein bisschen Registratur arbeit! Noch ein paar Worte über den Wert der Arbeit Sie ist eine von der Menge der Studierenden angefertigte Massenarbeit, sie liefert uns ein Rohmaterial trägt die bisher gewonnenen Resultate emsig zusammen, gewissermassen als eine feste, nicht zu unterschätzende Basis für das Werk der nach Palästina gehenden Expedition. Die wenigen Männer, denen die ehrenvolle Aufgabe zugetheilt werden wird, im Auftrage des jüdischen Volkes die Rolle zu erfüllen, welche seinerzeit die Kundschafter Mosis übernahmen (IV. B. M. 13.), werden auf den Blättern unserer Geschichte dankbar und in Ehren genannt werden. S t r e b e n wir darnach, meine Commili*-. tonen, die uns zugewiesene vorbereitende Arbeit nach unseren besten Kräften auszuführen, damit in der Zukunft, analog mit dem deutschen Schulmeister, der anno 70 siegte, auch des zionistischen Studenten als des geistigen

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