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Die Welt · 1901-05-10 · 19 (10.5.1901) · p. 4

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Journal
Die Welt
Volume
5 (1901)
Issue
19 (10.5.1901)
Article
Rede Sir Francis Montefiores
Date
1901-05-10
Page
4 (sequence 3)
Language
German
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Seite 4 „Die £ Welt" f Nr. 19 lisch und physisch zu heben, um es für seine zukünftigen Aufgaben zu stärken. Wie kann man deun Achtung vor einem Judenthum gewinnen, das geneigt ist. für das Butterbrot einer Professur oder eines Notariats einen religiösen Falscheid zu leisten. (Grosser Beifall.) Wir müssen Gelegenheit haben, das Tischtuch zwischen den getauften Juden und den der Taufe zustrebenden Asshnilanten einerseits und dem seibstbewussten Judenthum andererseits vor aller Welt zu zerschneiden. (Lebhafter BeifalL) Die Zionisten müssen daher mit dem grössten Eifer für den Jüdentag eintreten." (Stürmischer Beifall. Redner wird von allen Seiten beglückwünscht.) In der darauffolgenden Discussion tratals erster Redner Pastor Faber auf, der mit frenetischem Beifall begrüsst wurde. In zündender Rede trat er für den Zionismus ein, dem viele Christen die grössten Sympathien zollen. Nur Unkenntnis ist es, wenn viele Juden ihm fernestehen. Wenn ein Sir Francis Mont efiore Zionist ist, dann kann es wohl ein Commerzienrath aus Berlin W. auch sein. Er hoffe, dass mit dem heutigen Tage der Zionismus auch in Berlin W. seinen feierlichen Einzug hält und dass er daselbst festen Fuss fassen wird. Jeder denkende, ehrliche Mensch, ob Jude oder Christ, müsse dem Zionismus sympathisch gegenüberstehen. Mit einem Appell an die Juden, insbesondere an die jüdischen Frauen, für den Zionismus einzutreten, der eine moderne, hochgemuthe Bewegung sei, schloss der Redner seinen zündenden Vortrag, dem langanhaltender Applaus folgte. Pastor Faber dankte und bemerkte: Er habe eine Aversion gegen Beifallsbezeugungen und bitte, sie auf die beiden Männer, die sie verdienten, auf Sir Francis M o n t e f i o r e und Dr. Bodenh e i m e r, zu lenken. Als sich der Beifall gelegt hatte und die Discussion weiter geführt werden sollte, m eldete sich kein GegnerzumWorte. Das erstemal in zionistisehen Volksvers am m lungen Berlins! Von den zionistischen Rednern verzichteten alle aufs Wort, um nicht den Eindruck der vorhergegangenen Reden abzuschwächen. Nur Herr Rechtsanwalt Silber gleit führte noch in geistreicher Rede aus,^dass die Juden, die Zionisten sein wollen, es sein können, dürfen und müssen. An die Commerzienräthe richtete er den Appell, nur ihr Bestes, das sie haben,ihr Geld, für die Volksbefj eiungzu geben, im übrigen könnten sie Gegner bleiben. Zum Schlüsse wurde mit allen gegen sechs Stimmen eine Resolution für den Zionismus und zugunsten des Judentages angenommen. Erster zionistischer Delegiertentag des St. Petersburger Rayons. Am 15. April d. J. abends fand in Anwesenheit von 43 Delegierten die Eröffnung des ersten Dt4egierteiit»ges des Petersburger zionistischen Rayons statt. Der Vorsteher des Rayons Dr. Gregoire Belkowsky eröffnete die Versammlung mit einer Rede, in der er die Wichtigkeit dieser Zusammenkunft auseinandersetzte und ein Bild des gegenwärtigen Standes der Bewegung entwarf. In tiefempfundenen W'orten erklärte er die Wichtigkeit der Jüdischen Colonialbank für das jüdische Volk und appellierte an die Versammelten, eine energische Thätigkeit zu entfalten, damit die Bank alsbald in die Lage käme, ihren Aufgaben gerecht zu werden. Reicher Beifall wurde dem Redner zutheil. Darauf wurde auf Antrag des Permanenz-Ausschusses die Wahl desPräsidiums vorgenommen. Gewählt wurden folgende Herren: Dr. Belkowsky, Vorsitzender, Weissen berg und Salkind (Riga), Vic^präsidenten, Rabbiner Kronmann (Dorpat) und Rabbiner Drujan (Stara- Russa) Beisitzer, Abramowicz (Heisingtors) und stud. J a s c. h u n s k i (Grodno), Secretäre. In den vorgelesenen Rechenschaftsberichten über die Agitationsthätigkeit im dritten und vier ten Congressjahre wird auf die eigenattigen Verhältnisse des Petersburger Rayons, der sich ausserhalb des Ansieilluiigsniyons befindet, hingewiesen. Dieser* Rayon bildete sich im Anfange des dritten Congressjahi es, als in ihm 23 Vereine bestanden. Im Verlaufe des dritten und vierten Congressjahres entstanden noch 23 Vereinigungen, so dass jetzt dem Petersburger Rayon 46 Vereinigungen angehören (darunter ein Frauenvereiu in Stara-Russa und ein „theoretischer Verein" in St. Petersburg). Diese Vereinigungen stellen in der Mehrzahl eine Gemeinschaf& von Schekelzahlern dar, die nicht durch ein Statut vereint sind, das die Mitglieder zu gewissen Aufgaben verpflichten sollte. Den Forderungen der Organisation entsprechen sie nicht. Der Bericht schliesst, indem er die Aufmerksamkeit der Vereine auf diesen Umstand lenkt "und sie ermahnt, sich der Wichtigkeit der Disciplin und pianmässigen Arbeit in der Volkssache bewusst zu werden. Der übrige Theil der Sitzung war der Discussion über den Bericht und den Mittheiiungen der Delegierten gewidmet. Die zweite Sitzung am 16. April vormittags wurde mit dem Referate des Herrn R o m a n o f f „Ueber die Massnahmen zur Belebung der Vereinsthätigkeit* eröffnet.. Als das einzige Mittel die Vereine zu beleben und ein enges Band zwischen den Mitgliedern zu knüpfen, bezeichnet der Referent die Af'beit auf culturellem und ökonomischem Gebiete. Er empfiehlt den Vereinigungen, ihrem Programme einen Artikel, betreffend die Ökonomischen und culturelJen Arbeiten, beizufügen. Das Referat rief eine sehr lebhafte Debatte hervor. Angesichts des engen Zusammenhanges zwischen der Frage der Belebung der Vereinsthätigkeit und den Fragen der Agitation und Organisation wurden während derselben Sitzung die Referate der Herren Ahronstamm und B a b k o f f über die Agitation angehört uud am Beginne der dritten Sitzung das Referat des Herrn Portugaloff über die Organisation. Die Debatten bezüglich aller dieser Fragen dauerten bis 1°2 Uhr nachts fort, worauf folgende Resolutionen angenommen wurden, von denen diejenigen, die die zionistische Gesammtorganisation angehen, dem Congresse oder der Vorconferenz der russischen Delegierten zur Berathung anheimgestellt werden und nur nach San ction derselben als obligatoris ch gelten sollen. Resolutionen, gefasst aufdeml. Delegiertentage des St. Petersburger Rayons: Der Delegiertentag schlagt vor, es möge den Vereinen eine regere Thätigkeit zur Pflicht gemacht werden. Zum Zwecke der Kräftigung des Vereinslebens schlägt der Delegiertentag vcr: 1. Herausgabe periodischer Instructionen für die Vereins-Comiles. 2. Die Eröffnungsrede des Herrn Belkowsky in russischer Sprache und im Jargon zur unentgeltlichen Vertheilung in Druck zu legen. 3. Vertrauensmänner nach den grösseren Städten zu entsenden, um rege Thätigkeit in das Vereinsleben zu bringen. Der Delegiertentag sprach ferner den Wunsch aus, die Mitglieder der Vereinigung möchten, die nächstliegenden Ortschaften besuchen um einen Zusammenschluss zwischen den Vereinigungen zu schaffen. In Angelegenheit der Agitation schlägt der Delegiertentag vor : 1. Veranstaltung von Agitations-Abenden, nationalen und Kinderfesten. 2. Entsendung von Agitatoren aus den Kreisen der zionistischen Intelligenz, die richtige Vorstellungen von dem Wesen des Zionismus verbreiten sollen. 3. Unentgeltliche Vertheilung des Baseler Programms mit einem kleinen Commentar an alle Schekelzahler. 4. Herausgabe von Jargon-Flugblättern zum Zwecke der unentgeltlichen Verbreitung unter den Volksmassen. 5. Herausgabe einer Serie wohlfeiler, in populärem Tone gehaltener Broschüren 1. über Zionismus, 2. über Organisation, 3. über die Bank, 4. über die Congressr, 5. über die Culturarbeit, 6. über die ökonomische Arbeit. 6. Errichtung zionistischer Informationsbureaux. Bezüglich der Organisation schlägt der Delegiertentag vor: , 1. Das „Postbureatf" in Kischineff möge seine Mittheilungen auch im Jargon herausgeben. % Errichtung eigener Centralen in St. Petersburg und Riga, um die Vereinigungen dieser Rayons mit Referaten, Chroniken u. s. w. zu versehen. Es wurde der Antrag angenommen; „Den russischen Actions-Comite-Mitgliedern wird vorgeschlagen, Massnahmen zur Beseitigung der administrativen Hindernisse bei zionistischen Veranstaltungen und Versammlungen zu ergreifen." Ferner wurde beschlossen, das Referat des Herrn stud. Portugaloff einer bespnderen Organisations- Commission zu Übergaben, die auf die Frage "der Notwendigkeit einer Aenderung des zionistischen Organisations- Statuts eingehen und ein Referat darüber ausarbeiten soll.

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