Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 5 (1901)
- Issue
- 18 (3.5.1901)
- Article
- J. L. Perez
- Date
- 1901-05-03
- Page
- 11 (sequence 3)
- Language
- German
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Nr. 18 „Die # Welt** Seite 11 Wie aber ist das ureigenste, innerste Wesen des Dichters Perez beschaffen? Auf diese Frage hat er uns noch keine klare Antwort gegeben. In einer seiner besten Schöpfungen, betitelt „Eine Schreckensnacht", schildert er einen, der seine eigene Seele finden will und sich vergebens abmüht, das Räthsel zu lösen, worin seine Eigenart besteht. Bald findet er in sich die Seele seines Vaters wieder, von der sein eigenes geistiges Wesen nur ein treuer Abklatsch ist, zuweilen aber findet er, dass das Gemüth der Mutter ausschliesslich in ihm waltet. Seine eigene Seele aber findet er nicht. Viele Seelen wohnen leicht bei einander in der Seele unseres Dichters Perez, und er steht unter mannigfachen Einflüssen, aber sein eigenes Wesen hat sich bisher noch nicht in einer lebendigen Schöpfung verkörpert, mir scheint sogar, dass er selber noch seine Eigenart nicht erkannt hat. Aber in dem Momente, da er sich seines ureigenen Wesens bewusst werden wird, dürfen wir von ihm eine grosse und originelle Schöpfung erwarten, die ewige Dauer haben wird, eine Schöpfung, die wir ein Recht haben, von einer so wahrhaft tiefen Seele zu fordern, wie sie dem Dichter Perez innewohnt. Oder lebt mein Hoffen, Ich aber bin todt, Und Deine Zweige, klagend Ob meinem Grab, Raunen sich meine Träume zu Während ich lausche? Sag' mir, o Palme : Warum weht Säuselnder Klagewind Auf der Schöpfung Fluren? Mischen wohl Schattenseelen Ihren grausen Geist — Moderentsagung — In den Kelch der Zaubernacht? Sag' mir, o Palme : Ersteht wirklich dereinst ein Prophet, Der im Thal der Gebeine Seine Wunder übt? — — Die Palme. Von J. L. Perez. Schone mein, Palme, Mütterlich milde, Armseliger Flüchtling bin ich. Tags zehrte die Sonne an mir. Abends nunmehr erschöpft. Such' ich die Rast Deines Schattens. Matt ist meine Seele, matt-- Und Dir zu Füssen Leg' ich mein glühend Haupt. Und wenn Du wundersam rauschest, Versteh' ich das Wispergeheimnis Deiner Fächerzweige. Dein Schatten. Palme, birgt Zauber! An Deinem saftgrünen Stamm Schwindet mein Ungemach hin. Mein Herz hegt friedvolle Klarheit, Alle Wunden verharschen. Und traumschöne Jugendhoffnung Erwacht, schwingt sich empor — Sag' mir, o Palme: Wer ist der Lichtstrahl, Der Wolkenflöre durchriss Und eindrang in Deine Zweige? Ist'wirklich der Morgen schon, da, Oder hat Dich der Mond bloss begrüsst Oder ist's gar der Jünglingstraum, Der an die Herzkammer pocht? — Sag' mir, o Palme : Leb' ich wirklich, Und mein erstorbenes Hoffen Ist dem Grab entstiegen Inmitten der Zaubernacht? Sag' mir, o Palme : Warum all mein Hoffen Bloss Schwingenentfalten, Bloss Blättergeraschel, Bloss Dämmerungsaufblitz Im Tagesentflammen? Warum all mein Hoffen Bloss Blüthenkelchduften, Bloss Windhauchgewimmer In den Saiten der Harfe — Oder ein Thautröpfchen Auf einem Rosenblatte? Warum all mein Hoffen Bloss eines Regens schimmernder Bogen, Bloss Spiegelungszauber, bloss Flattergebilde Ohne Kraft, Ohne Wucht, Ohne Wesen? —--- (Aus dem Hebräischen von M o r i z Zobel.) Der Rabbi von Nemirow und sein Eidam. von J. L Perez. Aus dem Hebräischen übersetzt von Mo riz Zobel. Alle Welt weiss, dass der Rabbi von Nemirow — sein Andenken sei gesegnet — dem Weltenherrn in Heiterkeit diente. Heil dem Auge, dem es vergönnt war, seine Begeisterung, seine reine Freude zu schauen. Die Heiterkeit strömte von ihm aus, wie Wasser aus einem frischen Quell; sie flutete an uns heran, ergriff uns und riss uns fort, bis wir alles Leid dieser Welt, alle bösen Fügungen und alle menschliche Bosheit vergassen, rein vergassen ... Es gibt Zaddikim,*) denen von der Vorsehung blos an Sabbathen und Feiertagen Heiterkeit gegönnt ist; der Zaddik von Wonwolitz hatte sogar bloss am Ausgange des Jörn Kippur einen Funken Heiterkeit. . . Aber unserem seligen Rabbi ward reine Festesfreude zu allen Jahreszeiten zutheil, und bis zu seinem Sterbetage war er voll Heiterkeit, voll Sangesfreude und Tanzlust. „Ich sage Euch im Vertrauen" — pflegte er, vom heiligen Geiste beseelt, zu sagen, — „dass die ganze Welt *)' Zaddik Wunderrabbi.