Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 5 (1901)
- Issue
- 18 (3.5.1901)
- Article
- Die körperliche Minderwertigkeit der Juden
- Date
- 1901-05-03
- Page
- 5 (sequence 3)
- Language
- German
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Nr. 18 „Die & Welt" Seite 5 so wäre das durchschnittliche jüdische Individuum heute ebenso kräftig angelegt, als es gesund geboren wird." Also auch hier der leitende Gedanke von der Gesundheit der Rasse als solcher, ihrer Degeneration in heutiger Zeit. Die Diagnose ist demnach gesichert: ein im Keime gesunder, ja ungewöhnlich kräftiger Volkskörper ist in der Zeiten Lauf krank und schwach geworden. Alles aber deutet darauf, dass weder eine hoffnungslos tödtliche Erkrankung vorliegt, noch auch eine im natürlichen Gange der Dinge gelegene Altersschwäche des Rassenorganismus. Das blitzende Auge, der sprühende Geist, ja gelegentlich physische Kraftleistungen zeigen an, dass noch unverdorbene, frische Säfte, jugendliche Reservekräfte diesem Volkskörper innewohnen. Diese müssen nur wieder geweckt werden, alle Hemmnisse ihrer Entfaltung aus dem Wege geräumt werden. Worin also ist unsere körperliche Minderwertigkeit begründet? Die wichtigsten causalen Momente sind bereits oben gestreift: vor allem das sociale Elend mit allen seinen Erscheinungen der körperlichen, geistigen und sittlichen Judennoth. Aber auch in den Ländern, wo die mehr weniger vollständige Emancipation dem physisch gesunden Kern alle beengenden Schranken genommen hat, hat die heilende Zeit noch nicht lange genug gewährt, um den Fluch des Elends so vieler vorhergegangener Generationen restlos schwinden zu lassen. Zu dieser ererbten Minderwertigkeit kommt dann noch der Mangel an Energie und Planmässigkeit in der Pflege körperlicher Uebungen. Dafür thun die wohlhabenden jüdischen Kreise noch längst nicht genug, wie Groller vermeint; noch immer wird auch in den bemittelten Schichten des Judenthums den geistigen Bestrebungen ein erdrückendes Uebergewicht eingeräumt. Schlimmer als all das, „mehr als alle andere tausendjährige Noth", wirkt nach Gr oll er auf den jüdischen Stamm die Häufigkeit der Verwandtenehen. Mit Verlaub, das ist ebenso übertrieben, wie die Hypothese mancher Ethnologen, dass überhaupt das Heiraten in dem engen Kreise der kleinen Stammesgenossenschaft der Urgrund unserer Entartung ist. Die ganze Frage von der Gefährlichkeit der Verwandtenehe gilt im Laienpublicum zwar als zweifelsfrei entschieden; für die wissenschaftliche Forschung aber, welche nicht unkritischer W^eise von markanten Einzelfällen ihre Norm hernimmt, ist die bezeichnete Frage noch immer offen. Das ergaben zur Evidenz wieder die einschlägigen Verhandlungen auf dem Internationalen Congresse für Hygiene und Demographie zu Madrid (1898), wo unter anderen der Director des kaiserlich deutschen statistischen Bureaus lebhaft den Standpunkt verfocht, dass die Eheschliessung zwischen nahen Verwandten nur dann bedenklich sei, wenn auf beiden Seiten eine gleich geartete, krankhafte Belastung gegeben sei; diese summiere sich dann in den folgenden Generationen. Es mag immerhin zugegeben werden, dass bei der Häufigkeit der Verwandtenehen in jüdischen Kreisen oft nicht die genügende Rücksicht auf jene Erblichkeitsmomente genommen wird; dass aber diesem Factor bei der Depravation der jüdischen Rasse im ganzen eine auch nur wesentliche, geschweige denn überragende Bedeutung zukomme, muss entschieden bestritten werden. Zum Schlüsse noch einige Worte über die Mittel, wie dieser körperlichen Minderwertigkeit entgegengewirkt werden kann. Da muss denn immer wieder eindringlich darauf hingewiesen werden, von welchem Werte die Pflege aller Art körperlicher und sportlicher Uebungen ist. Die Erklärung Herzls, dass das Actions-Comite diesen Bestrebungen sein lebhaftes Interesse zuwende, muss aus principiellen Gründen freudig begrüsst werden. Doch dies Interesse der Centrale kann naturgemäss nur ein akademisches sein; praktisch bethätigen können es allein die einzelnen Organisationen und Gesinnungsgenossen. Diese müssen die Nordau'sche Parole: „Mehr Muskel-Judenthum!" mit Verve und zäher Energie in die That umzusetzen bestrebt sein. Ueberau, wo Zionisten leben, müssen diese die Gründung von jüdischen Turnvereinen in die Hand nehmen. Auch wenn diesen nicht von vornherein der nationale Stempel aufgeprägt werden kann, selbst wenn sich nicht einmal die Hoffnung erfüllt,' in ihnen das passende Milieu für die persönliche Propaganda unserer Idee zu finden — immerhin werden diese Vereine der physischen Regeneration unseres Volkes dienen und also ein nationales Verdienst repräsentieren. Bei alledem gebe ich mich nicht ziellosen Illusionen hin: nur dort, wo die Magenfrage befriedigend gelöst ist, wo den Juden Licht und Luft und ruhiger Erwerb gegönnt ist, werden die Turnvereine ein gedeihliches Wirken entfalten können und in absehbarer Zeit sichtliche Erfolge erwarten lassen. Die Aermsten der Armen aber, unsere Stammesbrüder im Osten, werden entweder an Ort und Stelle bessere Zeiten abwarten oder mit dem Ziele unse:er Bewegung eine eigene Scholle, ein menschenwürdiges Dasein erst erringen müssen, ehe sie an einer Wiedererstarkung der Rasse arbeiten können. * Gegenwartsaufgaben des Zionismus. Von Alexander Hausmann. IL Wenn auch der Zionismus seine theoretische Begründung und Berechtigung aus der Thatsache schöpft, dass wir eine Nation sind und uns als solche ausleben müssen, so ist andererseits unsere traurige Lage die Trieb kraft der zionistischen Bewegung. Daraus hat sich in unklaren Köpfen eine Art zionistischer Verelendungstheorie gebildet: je trauriger die Lage der Juden, umso eher werden sie sich um den Zionismus scharen, umsomehr Kräfte werden sie für seine Realisierung aufwenden. Doch in der Verelendung liegen Gefahren, denen man begegnen muss. Durch den fortwährenden Wechsel der Lebensbedingungen während der langen Ghettozeit haben wir uns eine ausserordentliche Anpassungsfähigkeit an die äusseren Verhältnisse erworben. Wenn wir uns auch von der Verschlechterung der Lage ebenso getroffen fühlen, wie jeder andere, so dauert die innere Auflehnung gegen den neuen Zustand der Dinge und die daraus resultierende Abwehrbewegung nur kurze Zeit. Als der moderne Antisemitismus auftauchte, bäumte sich alles im Juden gegen ihn auf. Mit wahrer Begeisterung wurde das von einem Kaiser geprägte Wort, der Antisemitismus sei eine Schmach des Jahrhunderts, aufgenommen und mit tiefster Entrüstung die Bildung, die Religion, die Regierung und wer weiss, was alles noch, gegen ihn angerufen. Wenn wir heute in den öffentlichen Körperschaften beschimpft werden, sagen unsere Juden weitaus ruhiger : Kann man etwas anderes von Leuten ä laS chneider und G r e g o r i g erwarten? and morgen kommt vielleicht der Verzicht: Es hat noch schlechtere Zeiten gegeben, und wir haben existieren können, man wird also auch so leben. Die Volksseele soll gleich einer elastischen Masse sein, die dem Drucke von aussen eine gleich grosse innere Kraft entgegensetzt. Die jüdische Volksseele gleicht aber einer Masse von geringer Elasticität, die einem grösseren Drucke nachgibt, und es droht die Gefahr, dass, wenn wir zu Bürgern zweiter Classe herabgedrückt werden, wir uns diesem Zustande seelisch anpassen und das Bewusstsein des geschehenen Unrechtes verlieren. Abgesehen von dem ungeheuren moralischen Schaden, den wir dadurch erleiden würden, gienge das wichtigste innere Motiv, das zum Zionismus hindrängt, verloren. Von noch grösserer Wichtigkeit sind die entjudenden und zersetzenden Wirkungen des wirtschaftlichen Druckes. In den grossen Judencentren des Ostens biden die Juden noch eine ziemlich einheitliche Masse. Die traditionelle Beschäftigung mit bestimmten Berufen, so mit einzelnen Arten des Kleinhandels, des Kleingewerbes und mit dem Geld- und Vermittlungsgeschäfte ergeben eine gewisse lebendige Gemeinsamkeit der Interessen und Anschauungen. Die wirtschaftliche Entwicklung drängt aber zu zweierlei hin : Einerseits zwingt die christliche Concurrenz den Juden, aus seinem engen nationalen Kreise herauszutreten, die Landessprache zu erlernen und aus geschäftlichen Rücksichten gewisse religiöse Vorschriften, wie zum Beispiel die Sabbathruhe, wahre Bollwerke gegen jede Assimilation und Entjudung, preiszugeben, andererseits führt das Bestreben, dem gewaltigen wirtschaftlichen Drucke, der sich auf die specifisch jüdischen Berufe concentriert, wenigstens zum Theile auszuweichen, zu einer beruflichen Differenzierung und, wenn dies nicht möglich ist oder nicht ausreicht, zur Auswanderung. Wenn auch in diesen Thatsachen ein gewisser erfreulicher Fortschritt liegt, so sind ihre auflösenden Wirkungen gewaltig, weitaus grösser als jene centrifngalen Kräfte, die wir im ersten Autsatze geschildert haben. Es tritt noch eine Erwägung hinzu. Kein Mensch ist imstande, mit Bestimmtheit anzugeben, wann der Zionismus sein Enziel erreichen wird. Eines ist nur sicher, dass dies noch sehr lange dauern wird. Inzwischen aber kann die Judennoth in einzelnen Ländern, wie zum Beispiel in Galizien und Rumänien, zu Katastrophen führen, deren Dimensionen und Folgen unabsehbar sind. Aus diesen Gründen ergibt sich die Notwendigkeit der Abwehr. Atier was für Abwehr und in welcher Weise? Politische oder wirtschaftliche Abwehr, oder beide zusammen? Ein erfolgreicher politischer Kampf kann nur dann von einer Minorität geführt werden, wenn sie durch den Lauf der Entwicklung oder durch eine günstige Constellation schon morgen zur Majorität werden kann, aber ni« von