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Die Welt · 1901-05-03 · 18 (3.5.1901) · p. 2

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Journal
Die Welt
Volume
5 (1901)
Issue
18 (3.5.1901)
Article
Was bezweckt die Delegation der russischen "Chowewe Zion"?
Date
1901-05-03
Page
2 (sequence 2)
Language
German
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Seite 'S „Die 2$ Wert" Kr. f8 Es handelt sich also darum, die Leitung der Colonisation von Paris, respective Odessa weg nach Jaffa zu verleihen, und zwar unter activer Theilnahme der Vertreter der Colonisten selbst. Essoll eine Self-Government werden; kein ernster Schritt soll in Palästina ohne diese neue örtliche Institution, die man bescheiden einfach Colonial-Gommission benannt hat, unternommen werden. Diese neu zu schaffende Gommission soll in Jaffa oder in einer der Golonien ihren Sitz haben und aus Vertretern sämmtlicher in Palästina activ wirkenden Körperschaften bestehen nämlich: 1. aus den Vertretern der materiellen Macht, der Ica; 2. aus den Vertretern der moralischen Macht, der Zionsfreunde und 3. aus den Vertretern der interessierten Elemente selbst, der Colonisten und Arbeiter. Diese Gorporalion hat über sämmtliche Fragen und Angelegenheiten der Colonisation zu berathen und Beschlüsse zu fassen. Es ist zu hoffen, dass diese Körperschaft erstens praktisch arbeiten wird, weil sie an Ort und Stelle sämmtliche localen Verhältnisse berücksichtigen kann, dass sie also der theoretischen Projectenmacherei vom grünen Tische aus ein Ende machen wird; zweitens wird diese Körperschaft unparteiisch arbeiten können, weil sie das Interesse der Gesammtcoionisation zu wahren Laben wird, wodurch persönliche Begünstigungen für dieses oder jenes Unternehmen, für diese oder jene Gruppe von Colonisten vermieden werden dürften. Denn das wird doch jeder zugeben müssen, dass es unmöglich ist, das Schicksal einer so überaus wichtigen, folgenschweren Volkssache noch weiter von zufälligen persönlichen Eindrücken oder Ansichten einzelner Dilettanten, wie der Herren Sc h eid,Parienti, M eyersohn etc., abhängig zu machen. i> ei einem solchen nationalen Unternehmen müssen persönliche Launen einfür allemal wegfallen. Weshalb geht die Delegation nach Paris? Aus dem einfachen Grunde, weil die Ica momentan zufällig der grösste ausschlaggebende Factor der Colonealion ist; deshalb haben sich die Zionsfreunde für verpflichtet gehalten, vor allem mit der Ica darüber zu verhandeln. Man geht nach Paris nicht in der Absicht, zu protestieren oder Vorwürfe zu machen, sondern um den Herren von der Ica die Sache — die wichtige Volkssache — klar ad oculos vorzuführen und ihnen den Weg zur Sanierung der Verhältnisse zu zeigen. Es handelt sich also um die Schaffung einer prac tischen, unparteiischen, unabhängigen, gewissenhaften und der nationalen Sache treu ergebenen Leitung für die palästinensische Colonisation. Die Durchführung dieser Hauptaufgabe ist für die Entwicklung der gesammten Colonisation von ausschlaggebender Bedeutung. Aber ausser dieser Hauptaufgabe — der Verlegung der Beschlussfassung über sämmtliche paläst inensischeAnge lege nheiten nachPalästina s el b s t und Schaffung einer entsprechenden Collegiums-Instit u t i o n — hat die Delegation noch manche andere principielle Forderungen bei der Ica zu stellen, die die momentan acut gewordenen palästinensischen Fragen lösen und dabei eine sichere Basis für eine gesunde Weiterentwicklung der Colonisation schaffen helfen sollen. Der erste Punkt der Instruction für die Delegierten der „Chowewe Zion" lautet: „Die Delegation hat dahin zu wirken, dasssänimtlichcn Colonisten und Arbeitern, die in Palästina sind, die Möglichkeit gegeben werde, in Palästina zu verbleiben/ Der Sinn dieser Resolution ist der, dass die originelle Art der Lösung der Arbeiterfrage in Palästina durch Vertheiiung von Reisebillets und Gewährung von ziemlich anselmlichen Beträgen (von 500—1500 Frcs. pro Familie) zur Auswanderung — dass diese Art der „Vereinfachung" der Arbeiterfrage sich nicht mehr wiederholen soll. Es protestieren dagegen nicht nur die Arbeiter selbst (viele von den 145 Arbeitern, die bereits das Land verlassen mussten, haben flehentlich, mit Thräneh in den Augen, die Vertreter der Ica vergeblich gebeten, den Betrag der Reisekosten ihnen auf die Hand zu geben, damit sie sich im Lande selbst eine Existenz schaffen könnten), sondern dagegen lehnt sich auch das nationale Gefühl auf, das gebieterisch fordert, din Pionniere der Colonisation, die Leute, die sich bereils in Palästina aeclimatisiert haben, die die Umwandlung vom Städter zum Landmanne bereits an sich vollzogen haben, die bereits für das Land gekämpft und gelitten haben, auf dem heimatlichen Boden zu erhalten. Das jüdische Volksgewissen protestiert gegen diese leichtfertige, verständnislose Vergeudung wertvoller Kräfte. Das Volksinteresse verlangt positive, schöpferische Arbeit, aber durchaus keine negativen, kopflosen Actionen, die das bereits Vorhandene untergraben und unseren nationalen Besitzstand in Palästina vermindern. Ein Palästina-Archiv. Von Oberingenieur Josef Lau (Olmütz). Gelegentlich der Berathung des Punktes „Organisation" auf dem Olmützer Zionistentage habe ich in Uebereinstimmung mit anderen Gesinnungsgenossen davor gewarnt, eine Menge neuer Vereinsgründungen zu empfehlen, da man vor lauter Statuten entwürfen zu keiner Arbeit kommt und der einzelne wider Willen zum Vereinsmeier gemacht wird. Insbesondere schien mir der „Verein für technische Studien in Palästina" nicht in den Rahmen der österreichischen Organisation zu gehören, da diese gewiss wichtige Aufgabe alle Zionisten der Welt angeht und . aus diesem Grunde nicht einem österreichischen Vereine allein zur Lösung übertragen werden kann. Ich machte schon damals aufmerksam, dass ein reiches Material hierfür in Büchern und Zeitschriften, Kaiten und Plänen zerstreut ist und nur der Sammlung und Sichtung harrt, da-s sonach die Anlage eines Palästina* Archivs jeder weiteren Arbeit vorangehen müsse. Bei dieser Gelegenheit wurde von Wiener Delegierten mitgetheilt, dass der technische Verein thatsächlich schon bestehe, die Frage seiner Nothwendigkeit daher gegenstandslos sei. Ich wollte diese Angelegenheit schon längst in der „Welt" zur Sprache bringen, doch ist mir Herr A. N e u f e 1 d zuvorgekommen, und es erübrigt mir nur, seine äusserst lehrreichen Daten vom Standpunkte des Technikers zu ergänzen und eine weitere Anregung bezüglich der Vertheiiung der Aroeit vorzubringen. Zunächst möchte ich bemerken, dass eine Trennung der technischen von der wirtschaftlichen Erschliessung, die Herr Neufeld hervorhebt, keineswegs nothwendig ist, da ja die Technik ein Bestandtheil der Volkswirtschaft ist. Es genügt ja die Aufklärung, dass der „Verein für technische Studien in Palästina" alle volkswirtschaftlichen Momente in den Kreis seiner Thätigkeit einbeziehen wird; der Arbeitsplan wird über die Einzelheiten Aufschluss geben. Auf einen Punkt möchte ich jedoch hinweisen, den Herr Neufeld nicht berührt hat, nämlich die. Heranziehung unserer jugendlichen Gesinnungsgenossen, namentlich der Hochschüler, zu dieser echt nationalen Arbeit. Wir Alten sind durch Beruf und Familie so sehr in Anspruch genommen, dass wir beim besten Willen keine Massenarbeit leisten können, und eine solche ist erforderlich, wenn wir das überreiche Material ohne unerschwingliche Kosten sammeln und sichten wollen. Diese Aufgabe bietet uns die beste Gelegenheit, die Blüte unseres Volkes, die akademische Jugend, für ernste Arbeit heranzubilden und eine Art Heerschau über dieselbe zuhalten, um diejenigen Elemente, die unsere so ernste Bewegung zu äasserlichen Demonstrationen, zwecklosen Redeübüngen, Nachahmung volksfremder

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