Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 5 (1901)
- Issue
- 18 (3.5.1901)
- Article
- Was bezweckt die Delegation der russischen "Chowewe Zion"?
- Date
- 1901-05-03
- Page
- 1 (sequence 1)
- Language
- German
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Redaction und Administration: WIEN IX., Türkenstrasse Nr. 9. Telephon 14199, Erscheint jeden Freitag. Zuschritten sind nicht an einzelne Personen, sondern an die Redaction oder Administration: Wien, IX., Türkenstrasse Nr. 9, zu richten. Unfrankierte Briefe werden nicht angenommen und Manuscripte nicht zurückgesendet. Sprechstunden der Redaction: Montag, Mittwoch und Freitag von 3—4 Uhr. Preise der Anzeigen: Die viermal gespaltene Petitzeile 20 Heller. Der Inseratentheü wird Dienstag abends geschlossen. Einzelne Nummern 30 Heller. 4> Oesterreich-Ungarn: ganzjährig 12 Kronen, halbjährig 6 Kronen. Für das Ausland: Deutschland ganzjährig 13 Mk. 70 Pf., halbjährig 6 Mk. 85 Pf., England ganzjährig 14 Shg., halbjährig 7 Shg., Russiand ganzjährig 7 R., halbjährig 3 R. 50 Kop., Schweiz, Frankreich, Italien, Türkei, Rumänien, Bulgarien, Serbien, Griechenland, Aegypten ganzjährig 17 Frcs., halbjährig 8 Frcs. 50 Cts., Amerika ganzjährig 3 Doli. 40 Ct. Nr. 18. Wien, 3. Mai 1901. 5. Jahrgang Zur Agitation werden ältere Nummern der Jahrgänge 1899 und 1900 gegen Einsendung des Portos (für Oesterreich und Deutschland per 5 Kilo-Paket, circa 100 Nummern, 72 Heller) abgegeben. Die Pessach-Doppefnummer, vorzüglich zur Agitation geeignet, ist, soweit der Vorrath reicht, von der Administration zu beziehen. ^WW^M^W^WW^AM^^^ Was bezweckt die Delegation der russischen „Chowewe Zion"? Von B. Goldberg (Wilna). I. Wie bekannt, hat die Odessaer Generalversammlung der russischen „Chowewe Zion* beschlossen, eine Delegation der besten Zionsfreunde nach Paris zu entsenden. Leider ist nahezu in der gesammten jüdischen Presse die Aufgabe dieser Delegation so unklar, theilweise so widerspruchsvoll, theilweise sogar direct unrichtig dargestellt, dass eine Klarstellung dieses wichtigen, vielleicht sogar historisch bedeutsamen Schrittes ein Gebot der Notwendigkeit geworden ist. Mögen diese Zeilen einen kleinen Beitrag dazu liefern. Wenn behauptet worden ist, dass diese Delegation der besten Kräfte der russischen Zionsfreunde sich nach Paris begebe, um bei der Ica eine bestimmte Summe — man sprach von 1—4 Millionen Francs — für die Colonien zu erbetteln, so ist das entschieden unrichtig. Die Haltlosigkeit dieser Annahme ergibt sich nicht allein daraus, dass die Persönlichkeiten, denen die ehrenvolle Mission anvertraut worden ist, sich zu einer solchen Bettelei nicht hergeben würden, sondern ganz besonders daraus, dass in der Odessaer Versammlung wiederholt betont worden ist, die unhaltbare Lage in Palästina sei durchaus nicht einem Mangel an materiellenMitt ein zuzuschreiben. Viel eher ist das Gegentheil, die allzu verschwenderische Fülle von Millionen, eine der Hauptursachen der jetzigen Krisis. Trotz der idealsten Beweggründe des Barons Rothschild, trotz seiner Liebe zum Heiligen Lande hat dieser Ueberfluss an Zuwendungen seitens des Barons und theilweise auch seitens der „Ghowewe Zion" viel Unheil angerichtet. Es ist leider Thatsache, dass von den 30—40 Millionen Francs, die dank der Hochherzigkeit des Barons auf die Colonien verwendet wurden, nur ein Drittel, vielleicht sogar nur ein Viertel productiv angelegt ist; der Rest, oder besser gesagt der weitaus grössere Theil, ist entweder vollständig nutzlos zu Luxusbauten, zu den unsinnigsten Projecten etc. verschwendet worden oder wurde von grossem Nutzen für einzelne Personen, die bei der originellen Wirtschaft ihre Privatinteressen vorzüglich zu wahren verstanden hatten. Es ist auch nicht richtig, dass die Delegation nur eine Art Protestkundgebung gegen das allzu schroffe 'Vorgehen der Ica bezweckt. Nein; dazu allein hätte man sich gar nicht soviel Mühe geben müssen, man könnte das Dutzend zufälliger Machthaber der Ica so leicht blosssteilen, ihre Persenen so gut in die richtige Beleuchtung rücken, dass es in der That des schwerwiegenden Schrittes der Odessaer Versammlung gar nicht bedurft hätte. Zu einer solchen Blossstellung ist das Material nicht nur in Palästina, sondern überall in der ganzen jüdischen Welt so mächtig angewachsen, die Thatsachen sind so zahlreich, so beredt und so schlagend, dass, wenn auch nur die Absicht bestanden hätte, eine oder zwei Personen das mit dem besten Erfolge hätten bewerkstelligen können. Es ist aber auch nicht zutreffend, dass die Delegation es sich zur Aufgabe gemacht habe, dieser oder jener Colonie zuhilfe zu kommen, dieser oder jener Gruppe von Colonisten oder Arbeitern eine Unterstützung bei der Ica zu erwirken. Nein, es handelt sich um viel Wichtigeres: Es soll ein-fürall e m al durchgesetzt werden, dass sämmtliche C o lo nis a t ion-s -G e s e 11schaften mit dem bisherigen System der Leitung des palästin ensichen Co Ion isations Werkes von Paris, London, Odessa oder irgendeinem andere nPunkteausserhalb Palästinas endlich aufräumen. Das beste und schönste Project, das einem Pariser Fachrnanne die grösste Ehre machen dürfte, stellt sich bei seiner praktischen Anwendung an Ort und Stelle, unter anderen klimatischen und geologischen Verhältnissen und in einem ganz eigenartigen Cultur-und Wirtschaftsmilieu meistenteils als Hirngespinst dar, und führt, wenn auf seine Durchführung mit Hilfe der materiellen Uebermacht gedrungen wird, zu den schädlichsten Folgen.