Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 5 (1901)
- Issue
- 17 (26.4.1901)
- Article
- Zur wirtschaftlichen Erschliessung Palästinas
- Date
- 1901-04-26
- Page
- 10 (sequence 3)
- Language
- German
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Seile 10 „Die & Weit" Nr. 17 Dicht die Vertreter aller gewerblichen Fächer in der Expedition nothwendig. Kurz nicht „Fachleute", sondern in ähnlichen Expeditionen erfahrene Männer der Wisse nschaffe, weiche die Natur und die volkswirtschaftlichen Bedingungen des Landes für sämmtliche in ihr Special- Gebiet einschlägigen Zweige des Gewerbefleisses beurtheilen können, müssen wir für die Expedition gewinnen. Ich will meinen Standpunkt durch Beispiele näher präcisieren: Der beste Seifensieder, Parfumeur etc. sind als Mitglieder der Expedition unbrauchbar,während ein mit den Culturpflanzen dieser Zonne vertrauter Botaniker über alle in Betracht kommenden, in Palästina befindlichen und dort zur Acclimatisation geeigneten Nutzpflanzen uns die beste Auskunftgeben kann. Die Reise eines Accumulatoren-EIektrikers als Mitglied der Expedition wird für unsere Zwecke nutzlos sein, während ein Turbinen- oder Elektro-Ingenieur, der die vorhandenen Wasserkräfte in ihrer Anwendung als Motoren für elektrische Anlagen zu beurtheilen vermag, unserer Sache wichtige Dienste leisten kann. Für unsere Expedition werden wir uns vielleicht auch manche Leute entsprechend durch den Aufenthalt im Lande vorbilden müssen. Der wirtschaftliche Beirath würde dann vielleicht zweckmässig handeln, wenn er einige Mitglieder der künftigen Expedition dem „Palestine Exploration Fund* und dem „Deutschen Vereine zur Erforschung Palästinas" zur vorläufigen Theilnahme an den laufenden Arbeiten dieser Vereine (speciell auch auf naturwissenschaftlichem Gebiete) in geeigneter Weise empfehlen wollte. Der von mir vorgeschlagene Beirath hat also recht viel zu schaffen, um seine Aufgabe auszufüllen. Die von demselben gesammelten Erfahrungen sollen aber nicht nur der Bank, da doch dieselbe das ganze wirtschaftliche Leben des Landes in absehbarer Zeit nicht an sich reissen kann, sondern der gesammten jüdischen Nation zugute kommen. Die Bank richtet also eine Centraisteile ein, welche einem jeden jüdischen Interessenten Informationen über die auf Palästina bezüglichen wirtschaftlichen Fragen ertheilen soll. Als Vorbilder für die Organisierung, sowie für die Art und den Umfang eines solchen Auskunftswesens kann uns das k. k. Handelsmuseum in Wien, „The intelligence Branch of the Commerciai Department of the Board of Trade", London, „Philadelphia Commerciai Museum* und andere in der Zeitschrift „Handels-Museum Wien" unter der Rubrik „Handels-Museum* verzeichneten Anstalten dienen. Durch eine entsprechende Propaganda haben wir auf die Existenz und die Einrichtungen dieser Central-Auskunftsstelle die Aufmerksamkeit des gesammten jüdischen Volkes zu lenken. Wir haben das Verständnis für die Arbeit des von mir vorgeschlagenen wirtschaftlichen Beirathes im breitesten zionistischen Publicum zu wecken. Das wäre zu erreichen durch die Ausgabe einer speciellen „Palästina-Nummer der /Welt.'" Die Herren Techniker, die sich für das alte technische Palästina und P h ö n i z i e n interessieren, verweise ich auf das ausgezeichnete WTerk von Ingenieur Kurt Mer kel: „Die Geschichte der Ingenieur-Technik im Alterthum", Berlin, 1900, bei Springer, wo auch die betreffende Literatur ausführlich angegeben ist. * Anhang. Schema für eine Registrierung der volkswirtschaftlichen Objecte. (Ein Palästina-Naturproducr, oder ein Zweig der Palästina- Volkswirtschaft in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft.) a) Die namhaften jüdischen Fachleute, als geeignete Mitglieder des Beirathes und Auskunftspersonen über das Object. b) Wirtschafts-Geographie des Objectes : 1. Vorkommen in Palästina (genaue Angabe der Ortschaften). 2. Vorkommen in anderen Ländern. 3. Wichtige Weltmärkte. 4. Char.cen für die künftige Ausbreitung in Palästina. e) Wirtschaftsstatistisches über die Erzeugung, Verwendung etc. nach den Gesichtsjjunkten 1, 2, 3, 4 des Absatzes b) geordnet. d) Technik der Gewinnung, Erzeugung und Verwendung. 1. Gewinnungs-, Erzeugungsprocess (auch Probleme derselben). % Verwendungsgebiete und Zwecke (auch Probleme). 3. Maschinen, Werkzeuge und Geräthe des Gewinnungs¬ und ev. Verwendungsprocesses (leitende Firmen). 4. Wissenschaftliches Prüfungswesen auf praktische Verwendbarkeit. Leitende Fach- und Interessenten-Vereine. 6. Fachliteratur (Zeitschriften und Bücher). 7. Fachausbildung der an der Gewinnung und Verwendung betheiligten Personen. 8. Hygiene des Gewinnungs- und Verwendungsprocesses. e) Referierende Mitglieder der Expedition und ihre Berichte. Bemerkung: Obiges Schema ist allgemein gehalten und auf Grund anderer Ergänzungen an der Hand praktischer Erfahrungen zu vervollkommnen und zu ergänzen. Die Fragen der körperlichen, geistigen und wirtschaftlichen Hebung der Juden. Entartung und Regeneration. IL Die ökonomische Lage der russischen Juden. Von S. C h a i k i s, (Schluss.) In weit grösserem Masse kann bereits jetzt den anderen zwei Classen des russisch-jüdischen Volkes, den Arbeitern und Handwerkern, geholfen werden, wenn die Intellectuellen unter den Zionisten der Ansiedlungskreise sich mehr mit zionistischer Realpolitik befassen wollten, als dies bisher der Fall war. Die wichtigst»» und nothwendigste Schöpfung auf diesem Gebiete wäre die Gründung eines Central- Coraites, das vor allem genaue statistische Daten über die Lebensverhältnisse der russisch-jüdischen Handwerker zu sammeln hätte. Dadurch würden wir über die ökonomische Lage der jüdischen Handwerker einerseits völlig im klaren sein, andererseits würde es uns auf diese Weise bedeutend erleichtert werden, die Reformation und Reorganisation der ökonomischen Lage dieser Classe durchzuführen. Das Comite müsste ein umfassendes und sorgfältig durchdachtes Programm ausarbeiten, zu dessen Durchführung wir in den einzelnen Orten der Ansiedlungskreise arbeitswillige, opfermuthige Männer brauchen, die etwa in derselben Weise wie die russischen Volksfreunde (Narodniki) der Sechziger- und Siebzigerjahre für das Wohl des russischen Volkes gewirkt haben, mit derselben Opferwilligkeit ihre Kräfte dem jüdischen Volke weihen müssten : Das wäre die schönste Erwiderung auf die Anschuldigung der gewissen „Allerweltshelfer", die uns immer zurufen, dass wir Zionisten den Juden in ihren jetzigen Wohnsitzen in keiner Weise helfen wollen und können, sondern sie bloss mit Phrasen abspeisen« Durch eine Sammlung statistischer Daten wären wir in der Lage, einen Ueberblick über die Vertheilung der jüdischen Handwerker in den einzelnen Städten und Ortschaften zu gewinnen, wodurch es uns ermöglicht wäre, „ökonomisch-operativ" einzugreifen, das heisst, von einem Orte, der von Handwerkern überfüllt ist (gewöhnlich be^- treiben beinahe alle dasselbe Handwerk), den Ueberschuss nach einem Orte abzuleiten, an dem fast gar keine Handwerker vorhanden sind, vor allem aber dahin zu wirken, dass die Handwerker nicht bloss, wie bisher, grösstentheils in den „ Ansiedlungskreisen", sondern auch in allen übrigen Städten und Ortschaften des russischen Reiches sich vertheilen (gesetzlich ist es ihnen ja erlaubt), was nur dadurch ermöglicht werden könnte, dass man die weiter oben