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Die Welt · 1901-04-26 · 17 (26.4.1901) · p. 9

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Journal
Die Welt
Volume
5 (1901)
Issue
17 (26.4.1901)
Article
Zur wirtschaftlichen Erschliessung Palästinas
Date
1901-04-26
Page
9 (sequence 2)
Language
German
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Nr. 17?TI>ie O Welt" Seile 9 demselben Klima und der gleichen Naiurreichthümern wie in Palästina zu thim haben. Während der Zusammenstellung der Palästina-Bibliographie beginnen wir ein Onomastikon von sämmtlichen Ortschaften Palästinas anzulegen, indem wir den Namen einer jeden einzelnen Ortschaft auf einem besonderen Cartönzettel verzeichnen. Dieser Zettelkatalog hat den Zweck, die für jede Ortschaft in der Literatur angetroffenen wirtschaftlichen Daten aufzunehmen (das Verfahren siehe unten), um dann bei der Ausrüstung einer Expedition schon vor deren Abreise die Aufgabe für jedes Mitglied in jeder einzelnen Ortschaft im voraus allgemein bestimmen zu könnten. Ich verweise auf das onomastische Werk „Survey of western Palestine, Name Lists" (Ausgabe des „Palestine Exploration Fund"). Die Mitglieder des wirtschaftlichen ßeirathes (vorläufig des Wiener „Vereines für technische Studien in Palästina") und die von demselben eingeladenen geeigneten Personen (Naturforscher, Techniker, Nationalökonomen) vertheilen untereinander die Werke über Palästina zur Recension und Ausbeutung des Rohmaterials für die Vorbereitungs-Commission der Expedition. Jeder Recensent verzeichnet auf einheitlichem Papierformat die im Buche über Palästina angetroffenen Ortschaften (für jede Ortschaft und für jedes Object eine besondere Zeile der Uebersichtlichkeit wegen) und die über dieselben im Buche gesammelten wirtschaftlichen Daten (Naturerzeugnisse/Verkehrswesen etc.). Zum Zwecke leichterer Orientierung und Controle wird bei jeder Ortschaft die Seite des Buches verzeichnet. Das auf diese Weise von einzelnen Recensenten gewonnene Material wird an einer Centralstelle gesammelt und dort ausgebeutet, indem man auf jede einzelne onomastische Karte die von verschiedenen Recensenten über die betreffen ie Ortschafc gesammelten wirtschaftlichen Daten aufzeichnet, die Namen der Recensenten des Buches und der Seite in Abkürzung angibt. Unter den Schriften der Palästina-Literatur bilden diejenigen, die uns die Erkenntnis der Naturreichthümer des Landes vermitteln, den wichtigsten Theil, speciell die geologischen Werke, welche fachmännisch geschulte Recensenten für sich in Anspruch nehmen werden. Die bequeme Uebersicht des auf diesem Gebiete Geleisteten bieten folgende Werken Dr. Otto An kell: „Grundzüge der Landesnatur des West-Jordan-Landes", Frankfurt 1887, und Dr. Karl Diener: „Libanon", Wien. Wegen der Dringlichkeit der Sache und der Wichtigkeit des Materiales empfiehlt es sich, rechtzeitig ans Werk zu gehen. Nach erfolgter Registrierung der Daten gilt es, die Resultate der Recension systematisch vom volkswirtschaftlichen Standpunkte zu classificieren. Die beste Classification ist meiner Ansicht nach die vom „Buch der Erfindungen, Gewerbe und Industrien" (Leipzig, Verlag von Spanier). Uebrigens wird die Praxis uns lehren, ob vielleicht eine andere Classification nicht vorzuziehen wäre. Das Schema, nach welchem die volkswirtschaftlichen Objecte zu verzeichnen sind, findet sich im Anhange zu diesem Artikel. Selbstverständlich, dass auch hier die Praxis über die Brauchbarkeit des von mir vorgeschlagenen Schemas entscheiden wird. >, Es wird mir vielleicht entgegengehalten werden, dass die von mir vorgeschlagene Arbeit sehr viele Unkosten verursachen wird. In Wahrheit wird sie aber mit sehr geringen Kosten verbunden sein. Die Bibliographie zusammenstellen, die Bücher über Palästina entleihen kann man vohneweiters aus verschiedenen öffentlichen Instituten Wiens : Aus der k. k. Consular-Akademie, aus der k. k. geographischen Gesellschaft, aus dem k. k. Handelsmuseum, aus der Redaction der Wiener „Zeitschrift für die Kunde des Morgenlandes", aus der Redaction der „Öesterreichischen Zeitschrift für den Orient", aus dem orientalischen und geographischen Seminar der Universität u. s. w. Nachdem wir mit. den Aufzeichnungen auf sämmtlichen onomastischen Palästina-Zetteln der für jede einzelne Ortschaft giltigen Daten und mit dem Aufstellen der auf jedes einzelne Palästina-Object sich beziehenden Fragen fertig geworden sind, können wir an eine synoptische Karte des zukünftigen Palästina denken. Aus dieser Karte solleu sämmtliche Zweige der nationalen Wirtschaft (Eisenbahnen,, Häfen, industrielle und Bergwerks-Anlagen, Plantagen, Forste etc.) ersichtlich sein. Eine solche Karte würde dem aufmerksamen Betrachter in einer Viertelstunde mehr sagen, als ein mehrmonatliches Studium von vielen dickleibigen Bänden. Als mustergiltig für derartige .Karten sehe ich die „Carte Synoptique de Suisse", Geneve 1898, Krzyzanowski editeur, ferner „Mapa Pogladowa Kröiestwa Polskiego przez Jadwige z Zakrzewskich Wöjcicka", Warszawa, 1885^. (Anschauungskarte des Königreiches Po.len von Jadwiga, Wöjcicka, geb. Zakrzewska Warschau.) Es ist wichtig, die von mir vorgeschlagene synoptische Karte von Palästina schon dem nächsten Congressezu unterbreiten. Die Darstellung des auf der Karte ins Auge fallenden Naturreichthums des Landes wird auch dem Gedächtnisse der Congresstheilnehmer sich einprägen und sicherlich durch ihren Inhalt für recht viele Congressgäste eine grosse Ueberraschung sein. Ich empfehle dem „Vereine für technische Studien in Palästina", sämmtliche namhaften jüdischen, obgleich nicht ausgesprochen zionistischen Fachleute unmittelbar zur Theilnahme an unserer Arbeit einzuladen. Ein Zeitungsaufruf, sogar in der „Welt", ist meines Erachtens für diesen Zweck nicht ausreichend, und erst die persönlichen Bemühungen oder persönliche Correspondenz einzelner Mitglieder unserer Gesellschaft mit ihren jüdischen Fachgenossen kann uns wirklich autoritative Kräfte, deren es auf dem Gebiete der industriellen Technik genug gibt, zuführen. Leider besitzen wir fast gar keine Techniker der freien Natur. Dies hat seinen Grund darin, dass uns bisher nur gewerbliche Berufe zugänglich waren. Jetzt aber, wo wir an die Colonisationsarbeit treten, müssen wir uns neue, bisher bei uns fast gar nicht vertretene technische Berufs- * arten scharfen. Ich denke an die „Colonial engineers", Culturtechniker, Topographen, Forstleute, Geologen, Vermessungs-Ingenieure, Hydrotechniker etc. Es sollte daher der von mir vorgeschlagene wirtschaftliche Beirath, falls meine Beobachtung als richtig sich erweist, diesen Berufen in geeigneter Weise die jüdische Jugend zuführen und zum Studium der einschlägigen Fächer anspornen. Nachdem wir schon über jede Ortschafc Palästinas in wirtschaftlicher Beziehung orientiert sind und eine vollständige Uebersicht über die Naturproducte Palästinas besitzen, können wir an die praktische Frage der Expedition treten. Wie eine solche auszurüsten ist, lässt sich erst nach Vollendung der vorbereitenden Arbeiten bestimmen. Wie aber überhaupt solche Expeditionen ausgerüstet werden, darüber findet man.in der „Bibliotheca Geographica" von Baschin. A. IX. „Anleitung zum Reisen und Beobachten", sowie in den Zeitschriften „Bulletin de la Societe de Geographie Commercielle deParis", wie auch „L'Esplorazione Coninierciale", Milano, zeitgemässe Winke, ' In Bezug auf die Zusammensetzung der Expedition wäre meiner Ansicht nach wünschenswert-, dass dieselbe nicht aus „Fachleuten" im üblichen Sinne dieses Wortes gebildet werde. Die gewerblichen Fachleute sind zu leicht zu der Fachsimpelei geneigt und durch die wirtschaftlche Verfassung unserer Zeit, (Heins Unendliche gehende Arbeitsteilung, fast dazu gezwungen; sie besitzen also sehr wenig Uebersicht über andere Wissenszweige. Ausserdem sind

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