Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 5 (1901)
- Issue
- 17 (26.4.1901)
- Article
- Einiges über die Frage der nationalen Jugend-Erziehung in Palästina
- Date
- 1901-04-26
- Page
- 8 (sequence 4)
- Language
- German
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Seite 8 Die 3$ Welt00 Nr. 17 getäuschten Hoffnungen willen -— : dass diese Worte ihnen seien zum dauernden Denkmal, und dass auch künftige Geschlechter wissen mögen, was wir geträumt, was wir gehofft haben. Zur wirtschaftlichen Erschliessung Palästinas. Von A. Neufeld (Berlin-Halensee). Die erste^Frage, die sich mir dem „Verein für technische Studien in Palästina" gegenüber aufdrängt, ist, warum wir uns jetzt nur auf die Vorarbeiten zur technischen Erschliessung Palästinas beschränken sollen? Soviel ich den Reiseberichten über Palästina entnehmen kann, wäre dort ein ausgezeichnetes Gebiet für Plantation oder Acclimatisation von allerlei im Lande unbekannten subtropischen und tropischen (Jordan-Thal) Pflanzen, theils für den Nutzgebrauch, theils für industrielle, speciell textile Verarbeitung, also Kaffee, Tabak, Ramie, Baumwolle, Jute etc. — ungefähr die culturelle Pflanzenwelt von Aegypten, Algier und Tunis. Auch die im Alten Testament gerühmte Viehzucht (Ost-Jordan-Land), die im Neuen Testament geschilderte Fischerei (Genezerath-See) könnten nach den besten, neuesten Metholen zu ihrer früheren Blüte gebracht werden. Auch wäre dem jetzt verwüsteten Lande sein früherer Walderreichthum (Gedern vom Libanon, Eichen von Basan) zurückzugeben. Es sind also nicht bloss rein technische Aufgaben, sondern auch allgemein wirtschaftliche, die wir in Betracht ziehen müssen, wenn wir das Land unserer Väter mit »allen Segnungen des volkswirtschaftlichen und technischen Fortschrittes versehen und unter die civilisierten Länder einreihen wollen. Wenn wir die wirtschaftlichen Aussichten des Landes in Betracht ziehen, so ist das nächste, was uns dabei auffällt, die überaus günstige handelsgeographische Lage von Palästina. Unser heiliges Land ist theils durch die in Ausführung begriffenen, theils durch die projectierten Schienenwege prädestiniert, in nicht allzuferner Zeit in den Mittelpunkt des gesammten Weltverkehrs e:nzu rücken. Schon das Project des benachbarten Suez-Canals gab dem Franzosen Ernst Laharanne im Jahre 1810 Anlass, die Zukunft unseres Volkes in Palästina in seiner Broschüre „La nouvelle (jiiestion Orientale" in glühenden i^Vorten zu prophezeihen. Der Suez-Canal ist schon seit 1809 da. die Erwartungen, die Laharanne daran geknüpft hat, beginnen erst jetzt mit der Entwicklung unserer Bewegung und deren praktischer B>'thätigung in Palästina verwirklicht zu werden. Aber unter welchen günstigen wirts/haftsgeographischen Bedingungen! Die Eisenbahn Cap—Cairo wird im Jahre 1906 fertig sein („American Review of Reviews" in einer ihrer Nummern vom letzten oder vorletzten Jahrgange). Hierzu kommt dann die projectierte Eisenbahn Suez — Shanghai („An All - British Reilway to China", „Nineteenth Century" September 1899), die südlich vom Tod teil Meere geht, und ein ganzes Netz von Eisenbahnen in Vorderasien (Anatolische Eisenbahn, Bagdad-Eisenbahn,Mekka - DamascuF-Eisenbahn, mit ihren Abzweigungen), die theils bereits ausgeführt, theils projectiert werden. Und so finden wir uns, wenn wir in die Zukunft blicken, mit dem ganzen alten Continent durch Schienenwege verbunden, in der Nachbarschaft der See- Weltstrasse des Suez-Canals, kurz im Mittelpunkte des ganzen Weltverkehrs. In den kommenden Verkehrsverhältnissen scheint uns die Rolle des alten Phönizien zur Zeit seiner Blüte beschieden zu sein. Denn die Rohproducte aus der ganzen Welt bekommen durch die genannten See- und Schienenwege eine viel schnellere, billigere un ' bequemere Verbindung mit unserem Lande, als mit den europäischen Welthafen. Die jetzt schon in unserem Lande befindlichen (siehe „Chemiker-Zeitung" Nr. 28 vom L2C>. September 1900 : „Die industrielle Erschliessung Palästinas"), sowie die noch zu acclimatisierenden und zu entdeckenden Rohproducte werden für die Verarbeitung in den künftigen Palästina- Manufacturen einen grossen Wert besitzen. Durch die unserem. Stamme angeborenen ökonomischen Fähigkeiten werden wir für das „Made in Palestine" einen Weltmarkt gewinnen und einen Weltruf schaffen, den mohammedanischen Orient als unsere ausschliessliche Domäne in wirtschaftlicher und cultureller Hinsicht erobern, durch den entstandenen Wohlstand die Künste und Wissenschaften, die Technik und das Wirtschaftsleben auf die höchste Stufe der Entwicklung bringen und so zum Vorbilde für andere Völker worden. Das sind Zukunftsbilder. Aber auf dem Wege zu dieser Zukunft haben wir uns Ziele für die Gegenwart zu stecken, und deshalb möchte ich nach diesem vielleicht allzu phantasievollen Excurse versuchen, in sachlicher Weise unsere gegenwärtigen Aufgaben zu erörtern. Die erste Anforderung ist, das Land, in dem man wirken will, kennen zu lernen, selbstverständlich auf Grund vorheriger literarischer Studien. Zu diesem Zwecke müssen wir uns eine vollständige Bibliographie von Palästinensia, besonders vom geographischen Standpunkte, anlegen. Ich verweise auf das Werk R ö h r i c h t s : „Bibiiotheca Geographica P alaestinae", Berlin 1890, enthaltend das Material bis zu 1878. Für die Zeit 1891-1897 enthält sämmtliche zugänglichen Bücher, Zeitschriften und kartographischen Aibeiten die „Bibliotheca Geographica" von Bäsch in, Berlin (letzte Ausgabe 1900). Die „Annales de Geographie'' — Bibliographie geographique annuelle — von 1891 — 1899 erschienen, enthalten die wichtigsten geographischen Schriften über Palästina mit Recensionen. Die Zeitschriften der verschiedenen Palästina-Vereine, des „Palestine Exploration Fund" seit 1865, des „Deutschen Vereins zur Erforschung Palästinas" seit 1878, des „Russischen orthodoxen Palästina-Vereins" etc. enthalten eine Menge interessanter Materialien. Auch wei den speciell in der deutschen Zeitschrift die Neuerscheinungen auf dem Gebiete der Palästina-Forsclrmg besprochen. In der „Orientalischen Bibliographie" (1887- -1900), in den laufenden Nummern von „Luzacs Oriental List" (London) findet sich gleichfalls viel Material aus den Berichten der orientalischen theologischen Missionen, aus colonialen und anleren Zeitschriften zusammengetragen. Die Durchsicht der laufenden Nummern dieser Zeitschriften wird uns dazu verhelfen, die Bibliographie Palästinas zu unserem Zwecke zu vervollständigen. Aber wir müssen nicht bloss wissen, was wirtschaftlich erschlossen wird, sondern auch wie wirtschaftlich erschlossen wird. Wir sind in der glücklichen Lag°, die Fortschritte anderer Völker auf diesem Gebiete studieren zu können, um das Beste auf diesem Gebiete zu wählen, oder auf Grund fremder Erfahrungen Neues zu schaffen. Die Beschreibungen der Colonisations^Methoden finden wir in den colonialen und geographischen Zeitschriften, die Bibliographie dieses Stoffes bis 1897 in der „Bibliotheca Geographica" von Base hin und im allgemeinen im „Geographischen Jahrbuche"; Ausserdem haben wir die Arbeiten der Colonial-Congresse (der letzte fand in Paris 1900 statt), der entsprechenden Ministerien verschiedener Colonial- Staaten, Berichte der Colonial-Ausstellungen etc. Uebrigens hat sich das Actions-Comite sicherlich mit der Frage der Colonisations-Methoden eingehend beschäftigt, und wird wohl dem „Vereine für technische Studien in Palästina", der meiner Ansicht nach den Keim für den von mir vorgeschlagenen wirtschaftlichen Beirath der „Jüdischen Colonialbank" darstellt, die Früchte seiner Erfahrungen auf dem Gebiete des Colonial-Studiums zur Verfügung stellen. So wie ich mir die Sache vorstelle, sind die Arbeiten über die Colonisation von Algier, Tunis und Aegypten besonders in Betracht zu ziehen, da wir es dort mit ungefähr