Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 5 (1901)
- Issue
- 17 (26.4.1901)
- Article
- Das Zion der jüdischen Frau
- Date
- 1901-04-26
- Page
- 5 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 17 „Die # Welt*6 Seite 5 \rt ihres Stammes hochhält., wenn sie das Jüdische in sich pflegt und entwickelt. (In dem weiteren Verlaufe des Vortrages werden die Aufgaben der jüdischen Frau, namentlich die Hebung des Selbstbewusstseins, das lebendige Studium jüdischer Geschichte und Litteratur und der hebräischen Sprache, die Pflege einer ech:t jüdischen Geselligkeit erörtert. Diese Forderungen werden dann, wie folgt, zusammengefasst) : So in heimatlicher Atmosphäre aufwachsend, wird die jüdische Frau auch das Haus und das Familienleben wieder dazu machen, was es einst war: Zu einem Mittelpnnkte des Lebens, zu einer Stätte der Gesundung, zu einer Quelle immer neuer Kraft. Stellen Sie sich dies neue Haus vor: jüdische Kunstwerke an den Wänden, jüdische Bücher auf dem Tische, jüdische Sitten in innig frohem Verständnisse geübt. Dann wird in der Familie wieder die stille Kraft sich sammeln, die alles Feindselige lachend überwindet. Dann wird die Frau wieder Königin Fein und es wird von ihr heissen, wie von der Frau der Sprüche Salomonis: „Kraft und Schönheit sind ihr Gewand, und sie freut sich des kommenden Tages." Sie wird wieder Anregerin sein und ihren Mann, wenn er verzweifelt, müde vom Kampf des Tages nach Hause kommt, den Weg der Selbsthilfe führen. Sie wird kämpfen und dulden wie die alten Heldinnen. Sie wird wieder Cultur schaffen und Cultur vermitteln. Vor allem anderen aber: sie wird wieder Mutter sein. Sie wird sich nicht schämen, wenn ihr Kind jüdisch aussieht, im Gegentheil: sie wird stolz darauf sein. Nicht bloss deshalb, weil es der Typus ihres Stammes ist. Sie wird auch wissen, dass grossen Meistern Hollands und Italiens der jüdische Typus als Schönheitsideal galt . . . Sie wird diesen Schönheitstypus zu entwickeln suchen, soweit dies im fremden Lande möglich ist. Sie wird in ihren Kindern durch sorgfältige Körperpflege, durch harmonische Entfaltung ihrer Kraft auch den persönlichen Muth erziehen, dessen der Jude so sehr bedarf. Sie wird das Grundleiden des modernen Juden, das Ueberwuchern des Nervenlebens, im Keime ersticken. Eine gleichmässige Entwicklung von Geist und Körper wird ihr Werk sein: lebensfroh und lebensmuthig der Geist, der krafterfüllte Körper willig und bereit, die grossen? Befehle de« Geistes auszuführen. So in modern jüdischem Milieu aufwachsend, im Judenthume erzogen und zugleich von der menschlich milden Weisheit seiner Mutter in die Welt eingeführt, wird der Jude der Zukunft zugleich ganz Jude und ganz Mensch sein . . . Wenn ich nun aber zum Schlüsse alles, was ich gesagt habe, und alles, was der jüdischen Frau noch zu sagen wäre (und es wäre noch viel zu sagen), in einem einzigen Worte zusammenfassen soll, so weiss ich kein anderes, als jenes, das in seiner ganzen tiefen Schönheit nur Frauen verstehen und erleben können: Lieb e. Treue lebendige Liebe zu dem grossen Schicksale Ihres Volkes, starke hilfreiche Liebe zu seiner Gegenwart, und zu jedem Armen und Unterdrücktes Ihres Volkes, der neben Ihnen in dumpfer gehetzter Sehnsucht dahinlebt, hoffende arbeitsfreudige Liebe zu Ihres Volkes selbstherrlicher Zukunft, die Ihnen in leuchtenden Träumen erscheint. Solche Liebe allein, in stiller Hingebung geübt, kann der jüdischen Frau ihre edle Art neu wiedergeben; aus solcher Liebe der jüdischen Frau allein kann das Zion der Seelen hervorgehen. Und wenn einst aus diesem inneren Zion und seiner Macht heraus das Zionsland zur Wahrheit wird, dann wird unsere Arbeit da drüben, unsere Sprache, unsere Feste, unser ganzes Leben da drüben wird im Zeichen der jüdischen Frau stehen. Denn Culturideen finden und theoretisch entwickeln mag der Mann, sie verwirklichen, lebendige fortwirkende Cultur schaffen kann nur die Frau. Was bedeutet das aber: Cultur, jüdische Cultur schatten? Das bedeutet nichts anderes als dies: Wie immer weitere Strecken des einst so saftreichen, nun verkümmerten Heimatsbodens dem Tode entrissen und dem Leben wiedergegeben werden sollen, so sollen immer neue Gebiete der einst so schaffensstarken, von den Jahrtausenden verwüsteten Volksseele dem Tode entrissen und dem Leben wiedergegeben, den Werken des Lebens wieder zugewandt werden. Solche Cultur des Lebens aber kann nur durch jene Liebe geschaffen werden, die stärker ist als der fod: die Volksliebe der neuen jüdischen Frau. Denn das Zion der jüdischen Frau heisst: Liebe. Einiges über die Frage der nationalen Jugend- Erziehung in Palästina. Von Achad Haam. Aus dem Hebräischen von Moriz Zobel. (Vorbemerkung des Uebersetzers: Das Referat, das der Autor dieses Artikels, der bekannte hebräische Schriftsteller, dem Odessaor „Comite" über die hebräischen Schulen in Jaffa erstattet hat — über Auftrag des Comites hatte er nämlich im Winter 1899/1900 die Colonien und sämmtliche von den russischen „Chowewe Zion" unterstützten Institute im Palästina inspiriert — enthält den Voi schlag, das Comite möge die bisher gewährte Jahressubvention der Knabenschule entziehen und die Erhaltung dieser Anstalt ganz der „Aliiance israeite" anheimgeben, die auch bisher einen grossen Theil der Kosten bestritt. Hingegen möge das Comite der Mädchenschule den ganzen Betrag zuwenden, mit dem es bisher die beiden Schwesteranstalten bedacht hat. Als Gegenwert dafür soll sich das Comite von der „Aliiance" einen grösseren Einfluss auf die Leitung der Mädchenschule ausbedingen, als ihm gegenwärtig zukommt. Der ausführlichen Begründung dieser Vorschläge ist nun eine Artikelserie Achad Haam's in der von ihm geleiteten Monatsschrift „Haschiloah'' gewidmet. Wir entnehmen die folgenden Ausführungen dem letzten Artikel der Reihe. Sie sind wohl für jeden, dem das Problem der nationalen Erziehung unserer Jugend in Palästina und das andere, innig damit verknüpfte Problem der Wiederbelebung unserer Natio* alsprache nahegeht, von hohem Interesse). * . .. Vielen Lesern dürfte es aus dem Berichte des Comites über die Ergebnisse der Inspection schon bekannt sein, dass ich wohl auch die Leitung der Mädchenschule der „Aliiance Israelite" zu überlassen und ihr die Sorge um die Erhaltung, sowie die volle Verantwortlichkeit auch für diese Anstalt aufzuerlegen vorgeschlagen habe, dass ich aber nicht dafür plaidierte, wir sollten dieses Institut ganz aus den Händen geben und der „Aliiance" ausliefern, wie ich bezüglich der Knabenschule in Vorschlag gebracht habe. Vielmehr habe ich den Antrag gestellt, wir sollten mit der „Aliiance" in Betreff der Mädchenschule ein Uebereinkommen auf folgender Grundlage schliessen : Wir verpflichten uns, dieser Anstalt eine grössere Jahressubvention zuzuwenden als bisher; dafür verspflichtet sie sich: 1. einen genau detaillierten Lehrplan festzusetzen, der von Fachleuten ihres und unseres Vertrauens entworfen werde und in dem die hebräischen Unterrichtsgegenstände hauptsächlich berücksichtigt werden sollen; % den Hauptlehrer für das Hebräische der Directrice als zweiten Leiter beizuordnen, so dass er sich in die Leitung mit ihr theile, und 3. die Directrice und die Lehrpersonen im Einvernehmen mit uns zu ernennen und sie ohne Einholung unserer Zustimmung nicht durch andere zu ersetzen. Ich glaube nun, dass nach allem, was ich bisher ausgeführt habe, dieser Vorschlag den Lesern nicht mehr sehr befremdlich erscheinen wird und sie nicht mehr fragen werden, weshalb ich denn diese Anstalt mehr