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Die Welt · 1901-04-19 · 16 (19.4.1901) · p. 7

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
5 (1901)
Issue
16 (19.4.1901)
Article
Entartung und Regeneration
Date
1901-04-19
Page
7 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 16 „Die & Welt" Seite 7 Es gibt ein Mitte], und das ist die völlige Reformation und Reorganisation der ökonomischen Lage der russischen Juden, welche dadurch bewirkt werden soll, dass aus diesen im Kaufmannsstande verunglückten Existenzen eine neue Classe von jüdischen Ackerbauern geschaffen werde, oder dass diesen Leuten die Möglichkeit gegeben werde, als tüchtige Industriearbeiter ihr Fortkommen zu finden. Nun ist aber in Russland selbst die Reformation und Reorganisation der ökonomischen Lage der Juden absolut unmöglich, weil diese nur mit der Erreichung des zionistischen Endzieles verwirklicht werden kann, und deshalb müssen und können sich die Realpolitiker des Zionismus, wenn sie die ökonomische Lage der Juden an ihren jetzigen Wohnsitzen verbessern wollen, bloss auf Palliätivmittel beschränken, von denen die wichtigsten ungefähr folgende wären : Vor allem ist die Eröffnung des Kleincredites für die oben geschilderten „Proletarier des Handels" eine unbedingte Nothwendigkeit. Den mehr oder minder vermögenden Kaufleuten könnte durch Schaffung von Selbsthilfsvereinen, einer Art materieller Verbrüderung der jüdischen Kaufmannschaft, geholfen werden. Man könnte noch durch ähnliche Mittel dieser Classe der russischen Juden eine vorläufige Linderung ihrer Lage verschaffen, doch ich wiederhole nochmals, eine radicale, völlige Ahhilfe für das Elend dieser jüdischen Handelsciasse ist nur mit der Verwirklichung unseres Endzieles erreichbar. (Schh'ss folgt.) Neue Palästmaforschungen. Der französische Geistliche Durand hat den gewaltigen, das Thal Hinna überbrückenden Bogen der alten Wasserleitung, welche Jerusalem von Bethlehem her mit Wasser versorgte, untersucht und konnte aus Inschriften feststellen, dass das Bauwerk nicht von Pontius Pilatus oder König Herodes oder gar von Salomo herrührt, wie es bisher hiess, sondern erst im Jahre 195 n. Chr. unter Septimus Severus von Bauleuten der in Jerusalem stehenden 10. Legion erbaut wurde. — Der Engländer J. T. B 1 i s s hat in dem hügeligen Schephelah- Gebiete zwischen der Ebene der Philister und dem Gebiete Juda im Teil Sandahannah (verderbt aus dem Namen einer Kirchenruine Santa Anna) die Ueberreste einer Stadt aus seleucidischer Zeit aufgedeckt, die bis auf das achte vorchristliche Jahrhundert zurückgehen. Ausser zahlreichen Kleinfunden, zumeist Töpferwaren, wurden etwa fünfzig hebräische und griechische Inschriften aufgefunden. Mit einer bekannten alten Stadt war die Ruinenstätte nicht zu identificieren. Clermont-Canneau glaubt in den Inschriften Hinweise auf Ptolemäus IV. zu finden, der Antiochus den Grossen bei Raphia (216 v. Chr.) südlich von Gaza besiegte und dann bei seinem Zuge nach Jerusalem nach Sandahannah gekommen sein könnte. — Dr. Alois Musil hat der Wiener Akademie der Wissenschaften einen Bericht eingesandt über ein bisher unbekanntes Schloss Kuseir Amra in der Wüste Moab, in dessen Nähe noch sieben andere Schlösser sich befinden. Dr. Musil hat von dem von ihm besuchten Schlosse Photographien aufgenommen. In dem ganzen Schlosse gebe es kein Plätzchen, das nicht mit einem Frescobilde geziert wäre. Viele Bilder seien zwar durch Wasser und Rauch stark beschädigt, aber man könne doch noch ziemlich deutlich erkennen, was sie vorstellen, und bei vielen müsse man die kunstvolle Ausführung bewundern. Es sei nicht wahrscheinlich, dass diese Schlösser von den Persern oder Römern stammen. Ziehe man die persisch-griechische Ornamentik und Architektur in Betracht, so müsse man annehmen, dass hier einst mächtige Fürsten geherrscht haben, die, im Besitze einer hohen Cultur. mit Griechenland und Persien in Verbindung standen. Conferenz zionistischer Studenten in München. Mün chen, 16. April 1901. Am 1. und 2. d. M. fand hier, wie telegraphisch bereits gemeldet wurde, eine Conferenz zionistischer Studenten statt, zu der aus Berlin, München, Leipzig, Karlsruhe, Göthen, Bern und Genf Delegierte erschienen waren. In den stundenlangen Verhandlungen kamen die verschiedenen Strömungen innerhalb des Zionismus zu Worte. Schliesslich einigte man sich in einer Resolution, die wörtlich wie folgt lautet: „Während die Probleme, welche die gegenwärtige Lage der zionistischen Bewegung gezeitigt hat, zu ihrer Lösung die Mitwirkung aller vorhandenen intelligenten Kreise des Judenthums fordern, verhält sich die jüdische studierende Jugend, infolge der historischen Entwicklung, leider meistens passiv gegenüber den vitalen Interessen unseres Volkes. Das darf und wird nicht so weiter gehen! Die jüdische Intelligenz soll und wird nun ihren neutralen Standpunkt verlassen und einen ihrer würdigen Platz in den Reihen der Freiheitskämpfer ihres Volkes einnehmen. Sie soll ihre Kraft, den geistigen Reichthum, den sie sich in der europäischen Cultur erworben hat, in den Dienst des jüdischen Volksorganismus stellen und an der Schaffung normaler geistiger und ökonomischer Bedingungen seiner Existenz kräftig mitwirken. Das Studium aller Seiten des jüdischen Lebens und die Rückkehr zu demselben werden alle noch gesunden und freien Elemente der Intelligenz unter dem nationalen Banner sammeln, den geistigen Zwiespalt und die inneren Widersprüche, die bisher jede schöpferische Kraft paralysierten, schlichten und zur productiven Arbeit im Interesse des Judenthums allen denjenigen behilflich sein, die infolge ihrer inneren Zwiespältigkeit bisher nur Träger des Weltschmerzes waren. Die Arbeit auf eigenem Boden wird heilend auf die erkrankte jüdische Seele wirken und die Intelligenz auf die Höhe jener Aufgaben bringen, zu deren Lösung sie berufen ist. Die Conferenz der Delegierten der zionistischen Studentenvereine vom % April 1901 hat nun erkannt, dass zum planmässigeren und fruchtbareren Vorgehen auf dem Wege zur Verwirklichung des zionistischen Ideals die jüdische studierende Jugend organisiert werden muss. Diese Organisation, auf dem Baseier Programme fussend, wird aus der Masse der zionistischen Arbeit sich nur jenen Theil wählen, welcher ihrer Befähigung und ihrem Intellect am besten entspricht. Die Verbreitung der zionistischen Idee unter allen Schichten des Volkes ist nur möglich bei streng wissenschaftlicher Begründung des Zionismus, bei gründlicher Erforschung Palästinas und der Bedingungen seiner Colonisierung und bei theoretischer Untersuchung aller Seiten des Volkslebens und der mit ihm verbundenen zahlreichen socialen Probleme. Das Volk kann nur dann die Ideen der Freiheit, die der zionistischen Lehre zugrunde liegen, aufnehmen, wenn es von der inneren Sclaverei befreit ist; und dieser Befreiung muss seine geistige und ökonomische Hebung vorangehen. Die Aufgaben der zu gründenden Organisation können daher in den vier folgenden Cardinalpunkten zusammengefasst werden: 1. Theoretische Begründung des Zionismus in seinen Beziehungen zu den verschiedenen socialen Strömungen. 2. Cultur eile und ökonomische Hebung der Volksmassen. 3. Die Nationalisierung der jüdischen Intelligenz und ihre Heranziehung zum Zionismus. 4 Studium Palästinas und der Bedingungen seiner Colonisierung. Zur gründlichen und detaillierten Bearbeitung der angeführten Punkte, zum Ausfindigmachen der Mittel zur

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