Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 5 (1901)
- Issue
- 16 (19.4.1901)
- Article
- Die körperliche Minderwertigkeit der Juden
- Date
- 1901-04-19
- Page
- 5 (sequence 3)
- Language
- German
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Nr. 16 „Die # Welt" Seite 5 man klopfe an, wo man will, man wird sie scharenweise finden, die Vertreter des Judenthums, die sich rühmlich hervorthun, weit über den Percentsatz hinaus, der nach dem statistischen Mittel auf sie fiele. Und wenn dem so ist, wie will man dann noch das Axiom von der körperlichen Minderwertigkeit der Juden aufrecht erhalten?! Natürlich hat jede Wirkung ihre Ursache, und so hat es auch seinen Grund, dass jenes Axiom auf-und angenommen worden ist. Ich glaube, dass hier das Motiv aus einer Begriffsverwirrung hervorgegangen ist. Man sieht im allgemeinen mehr jüdische Verkümmerung und mehr jüdisches körperliches Elend, als die Statistik zu fordern ein Recht hätte, und daher die Meinung, die aber darum nicht richtiger wird. Was wir da sehen, ist nicht die körperliche Minderwertigkeit des Judenthums, sondern die Armut, die Angst, die Sorge, die Unterernährung. Geht ins Erzgebirge oder sonst in eine Hungergegend, und Ihr findet dort ebenso eine traurige körperliche Minderwertigkeit des Christenthums. Für das Judenthum ist die ganze Welt eine Hungergegend und jedenfalls eine unwirtliche Gegend. Natürlich! Es werden mir wieder die gemästeten jüdischen Banquiers und die prassenden Börseaner vorgehalten. Abgesehen davon, dass die Börseaner schon seit beträchtlicher Zeit nicht mehr prassen, sei zum Ueberflusse noch einmal daraufhingewiesen, dass es ein altes Unrecht ist, ein ganzes Volk zu beurtheilen nach gewissen Ausnahmserscheinungen, die immer nur auf der Oberfläche grossstädtischer Strömungen sichtbar werden. Nicht, was so auf der Oberfläche schwimmt, charakterisiert das Judenthum und die Judennoth, nicht die oberen Zehntausend, sondern die unteren Millionen, die in Galizien, in Russland, in Rumänien ihr gedrücktes Dasein hinschleppen. Dort herrscht neben allem anderen auch viel körperliches Elend, aber das ist, es sei wiederholt, nicht das typische Elend eines Volkes odet einer Rasse, sondern der jammervollen Armut. Wo immer in der Welt der Pauperismus auf den Massen lastet, machen sich genau dieselben Erscheinungen auch körperlicher Entartung geltend. Das kann gar nicht anders sein. Ueberblickt man all diese Verhältnisse genauer, dann wird man sogar zu einer dem landläufigen Axiom von der Minderwertigkeit entgegengesetzten Meinung gelangen. Man wird finden müssen, dass das keine schlechte Rasse sein kann, die eine solche Zähigkeit im Ertragen von Hunger und Noth bekundet hat, und die nach einem mehrtausendj&hrigen Tschandala - Dasein nicht noch ärger heruntergekommen ist. Es gibt kein Beispiel dafür, dass ein Volk eine grössere, auch physische Widerstandsfähigkeit an den Tag gelegt hätte. Die Einwendung, dass körperliche Minderwertigkeit auch bei vielen bemittelten Judenfamilien nachzuweisen ist, ist nicht geeignet, das schiefe Axiom in seiner Allgemeinheit zu stützen. Auch dabei ist nichts typisch Jüdisches. Häufiger als bei anderen Stämmen ergibt es sich beim jüdischen, dass einzelne Individuen durch natürliche Intelligenz und Begabung sich aus tiefster Armut rasch zu ansehnlichem Besitze emporarbeiten. Die Kinder können da nun wohl den Besitz erben, aber der Fluch der bitteren Armut der früheren Generationen bleibt auf ihnen haften. Dafür kann die Rasse als solche nichts; das ist bei allen so. Reich mögen ja auch die Ursprungselemente der besitzenden Classen anderer Völker nicht gewesen sein, aber es ist denn doch ein Unterschied zu machen zwischen den Lebensumständen eines selbst armen landläufigen Bauerngeschlechtes und jenem eines "überall gehetzten ungeheuren Proletariats in der weiten Diaspora. Und noch eins. Die Cultur, die Leben und Blüte schafft, sie zerrüttet auch. Sie fordert ihren Preis, der theuer ist; sie geht auf die Nerven, die sie verfeinert und damit verschlechtert. Die Cultur bringt die Völker in die Höhe und sie bringt sie wieder herunter. Auch sie hat ihre Lebensalter, und auch ihr bleibt der senile Marasmus nicht erspart. Die besseren, weil jüngeren germanischen Nerven haben über die romanische Cultur gesiegt. Wer weiss, ob nicht die Zukunft dem slavischen Elemente gehört, und ob dieses dann nicht wieder einer neuerlichen Invasion aus Asien zum Opfer fallen wird? Wenn einmal die Pforten der chinesischen Mauern sich aufthun und die grosse Ausschüttung erfolgt — es wäre müssig, sich das Zukunftsbild auszumalen. Man wird unwillkürlich zu den Abschweifungen verleitet, wenn man sich vor Augen hält, wie die uralte jüdische Cultur bei allen weltgeschichtlichen Umwälzungen sich gewissermassen so zwischendurch erhalten hat. Sie hat sich erhalten, aber es konnte nicht geschehen, dass sie ohne Einfluss blieb auf die Nerven ihrer Bekenner. Die alte Cultur und das alte Elend haben gerissen an den jüdischen Nervensträngen, und manches eigene Verschulden kam hinzu. Nirgend sonst ist die verhängnisvolle, beklagens- und verdammenswerte Heirat unter Verwandten so in Schwang, wie bei den Juden. Der Missstand mag seine psychologische und materielle Begründung haben, zu verurtheilen ist er dennoch. Er wüthet gegen das eigene Fleisch und Blut mehr, als alle andere tausendjährige Noth es vermocht hat. Und wenn nun trotz alledem und alledem die Rasse sich doch noch immer den anderen gegenüber als vollwertig erweist, so spricht das dafür, wie gut sie von Haus aus fundiert war. Wir haben gesehen, dass, nach den Höhepunkten beurtheilt, die physische Leistungsfähigkeit der Juden eine gute ist. Möglich, dass eine einschlägige Statistik einen schlechten Durchschnitt nachweisen würde. Ein Beweis gegen die Rasse wäre damit nicht erbracht. Die ungeheure Mehrheit der Juden lebt in bitterster Armut, und überall ist die Armut die Quelle der körperlichen Minderwertigkeit. Darum wird man sich auch keiner besonderen Erfolge von der Propaganda für die Pflege körperlicher Uebungen zu versehen haben. Denn für die bemittelten Schichten bedarf es einer solchen Propaganda nicht mehr. Die wohlhabenden jüdischen Kreise thun auch jetzt schon nach dieser Richtung mindestens ebenso viel, wenn nicht mehr als die anderen, und die unübersehbare Masse der Armen, die kann es einfach nicht. Die haben noch ganz andere Sorgen, als sich auch noch einen gesunden Appetit anzuturnen, den sie dann nicht stillen können. Erfüllt sich die ideale Bestrebung, welcher diese Blätter gewidmet sind, wird ihnen dereinst Land, Licht, Luft, Freiheit, Arbeit, Erwerb zutheil, dann erst wird es sich weisen, was von der Fabel von der körperlichen Minderwertigkeit zu halten war. Die Fragen der körperlichen, geistigen und wirtschaftlichen Hebung der Juden. Entartung und Regeneration. ii. Dieökonomische Lage der russischen Juden. Von S. Chaikis. In meinem letzten Artikel habe ich bloss die eine der Hauptursachen eingehend behandelt, welche die körperliche, geistige und moralische Entartung der „Ghettojuden* bewirken. Da die Cheder-Missstände in unserer hebräischen und russisch-jüdischen Publicisfcik bereits vielfach und in der ausgezeichnetsten Weise erörtert wurden (beispielsweise von P. Smolensky und L.Lew an da), glaubte ich mich damit begnügen zu können, vor dem geehrten Leser ein wahrheitsgetreues Bild des russischen Chederwesens in grossen Zügen zu entrollen, in der üeberzeugung, dass dieser kurze Hinweis hinreichen werde, die Freunde unseres Volkes zur Bekämpfung dieses Uebels anzueifern. Heute aber habe ich mir eine bedeutend schwierigere Aufgabe gestellt, indem ich eine andere Hauptursache der