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Die Welt · 1901-04-19 · 16 (19.4.1901) · p. 4

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Journal
Die Welt
Volume
5 (1901)
Issue
16 (19.4.1901)
Article
Die körperliche Minderwertigkeit der Juden
Date
1901-04-19
Page
4 (sequence 2)
Language
German
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Seite 4 „Die # Welt" Nri 16 Juden in körperlicher Hinsicht hinter den Ariern zurück stehen, und dass darum etwas geschehen müsse. Dieses „bekanntlich" hat mir niemals imponiert. Ich bin nämlich, wenn es sein muss, auch Journalist, und da weiss ich sehr gut, wie man damit, um die Leute zu verblüffen, famos die Parade aufziehen kann. Es kostet nicht viel und macht sich ausgezeichnet, aber ich wenigstens falle darauf nicht mehr herein. Und so will ich es denn auch hier meiner Ueberzeugung gemäss nur ruhig aussprechen : Der Satz ist falsch. Mit der Ueberzeugung allein ist es aber hier nichfc gethan — ebenso wird der Candidat, der dem Professor sein Ehrenwort gibt, dass der Mond bewohnt ist, kein Glück damit haben — sie muss auch begründet werden. Das wollen wir nun versuchen und zudem noch einige sachliche Bemerkungen vorbringen, die vielleicht dienlich sein werden zur Klärung der ganzen Angelegenheit. Dabei möchte ich mir die Freiheit nehmen, auf einen Artikel hinzuweisen, den ich vor einigen Wochen unter dem Titel „Die Feigheit der Juden" an dieser Stelle veröffentlicht habe. Wenn ich den als bekannt voraussetzen darf, wird in Nachstehendem manche Entwicklung erheblich kürzer ausfallen können, ohne deshalb unverständlich zu werden. Ich bin also so frei. Sehen wir uns diese Fable convenue von der körperlichen Minderwertigkeit der Juden etwas näher an. Worauf stützt sie sich, und was wird zu ihrer Begründung angeführt? Dieselbe Verlegenheit, die sich so oft einstellt, wenn gewisse allgemein anerkannte Sätze begründet werden sollen. ,Aber das weiss doch jeder!" Als ob Irrthümer jemals davor gefeit gewesen wären, Verbreitung zu gewinnen. Die Statistik, sonst das beliebteste Beweismittel in solchen Fällen, lässt uns hier im Stiche. Sie kann beweisen, dass die Norweger körperlich grösser sind als die Ungarn, die Deutschen grösser als die Italiener oder Franzosen; sie kann gewisse Unterschiede feststellen zwischen Orient und Occident, und zwischen der arischen und der semitischen Rasse, aber die Grösse ist bei weitem nicht ausschlaggebend, wo es sich um Wertung nach Kraft, Geschicklichkeit und Ausdauer handelt. Kommt es auf die Leistung an, so lässt uns die Statistik erst recht im Stiche.' Diese könnte es zwar ermöglichen, einen Durchschnitt zu ermitteln, aber man weiss, dass der Durchschnitt ein unzuverlässiges Mittel ist, zu einem sicheren Urtheile zu gelangen. Wenn die Statistik beweist, dass die Menschen durchschnittlich dreissig Jahre alt werden, so wird sie vielleicht ebenso leicht beweisen können, dass gerade die Dreissigjährigen das Wenigste dazu beitragen, der Statistik zu ihrem Durchschnitte zu verhelfen. Es wäre aber immerhin etwas, nur haben wir leider kein Mittel, auch hier den Durchschnitt zu erforschen. Wir müssen uns also an die Höchstleistungen halten, die, zumal sie durchaus nicht nur in sporadisch vereinzelten; Fällen in die Erscheinung treten*, keine schlechtere Unterlage für ein Urtheil bieten, als der Durchschnitt, auf den wir übrigens später noch zu sprechen kommen werden. Es ist nur gerecht, einen Menschen nach seiner Höchstleistung zu beurtheilen, sei sie welcher Art sie sei, und dasselbe gilt dann von Stämmen und von Rassen. Wenn wir nun die körperliche Leistungsfähigkeit der Juden in Betracht ziehen, so wollen wir von allem historischen Materiale absehen und nur die Gegenwart ins Auge fassen. Fürs Gewesene geben nämlich auch die anderen nichts, und es handelt sich darum, einer gegenwärtigen Noth zu begegnen, der verächtlich spöttischen Geringschätzung, die nicht begründet ist, und der Verzagtheit auf der anderen Seite, die ebensowenig ihre Begründung hat Die Wahrheit ist, dass die Juden auf allen Gebiete» der Bethätigung der körperlichen Kraft/ Geschicklichkeit und Ausdauer ihren Mann stellen, dass sie auch da ganz Hervorragendes leisten und von keinem anderen Volke und keiner anderen Rasse übertroffen werden. Begründung: Wer Gelegenheit gehabt hat, sich ein wenig in den Kreisen des internationalen Artistenthums umzuthun, der weiss, dass der Percentsatz der Juden unter den Athleten und den Akrobaten, die im Vertrauen auf ihre Kraft und Geschicklichkeit allabendlich ihr Leben aufs Spiel setzen, ein ausserordentlich hoher ist. Das spricht doch mehr für die körperliche Tauglichkeit als für die Minderwertigkeit. Weiter: Der Gentleman-Champion von England in der Arbeit mit dem Schwergewichte heisst Sir Edward Lawrence L e v y. So ein Championtitel ist nicht käuflich, er kann auch nicht huldvollst verliehen, er muss in hartem Kampfe errungen werden. Mr. Levy, übrigens ein reicher Mann und der wohlwollende Protector aller Professional-Athleten in London, pflegt insbesondere die Dauerarbeit mit dem Schwergewichte. Mit dieser hat er sich den Meistertitel in öffentlicher Concurrenz erkämpft, und in ihr hat er Records aufgestellt, die deshalb Records sind, weil sie noch niemals von irgendeinem Amateur-Athleten erreicht worden sind. Man kann also Levy heissen und doch kolossal stark sein. In Wien lebt der Träger der Weltmeisterschaft Wilhelm Türk, ein Riese an Kraft und Ausdauer. Er hat es hundertmal bewiesen und kann es täglich beweisen, dass unter all den sogenannten stärksten Männern der Welt keiner auf den Beinen ist, der es ihm in seinen Arbeiten gleichthun könnte. Er ist eben Inhaber einer Reihe von Weltrecords, und das sagt alles. Türk ist kein Jude, aber es verdient, an dieser Stelle vermerkt zu werden, dass sich unter den ausserordentlich wenigen Menschen, die sich an ihn heranwagten, um ihm seine Weltmeisterschaft streitig zu machen, auch ein junger jüdischer Schlossergeselle, Michael Mayer, befand. Michael Mayer hat den Altmeister nicht geschlagen. Er war nicht in Form, als er zum Termin antrat, und hatte zudem unter einer schmerzhaften offenen Wunde zu leiden — eine Verschiebung des Kampfes nach seinem Willen war unzulässig, da der Termin officiell wochenlang vorher bestimmt war. Er hätte wohl auch in voller Form Türk nicht geschlagen, wie ich denn überhaupt zweifle, ob er oder wir es noch erleben werden, dass seine verschiedenen Weltrecords, 13C Kg. rein gestemmt u. s. w., fallen, aber es will doch schon etwas heissen, dass der Judenjunge Michael Mayer nicht ausgelacht worden ist. Trotz der ungünstigen Umstände behauptete er sich mit Ehren, und man wusste in Fachkreisen, dass seine in guter Condition gezeigten Leistungen ihm die Berechtigung verschafft hatten, eine Herausforderung an den Weltmeister ergehen zu lassen. Wenden wir uns anderen athletischen Gebieten zu. Der gewesene Inhaber der Meisterschaft von Europa im Radfahren, der Meisterfahrer des deutschen Sprachgebietes, Meisterfahrer von Böhmen, Ungarn u. s. w. Maxime L u r i o n ist Jude. Die beiden Olympia-Sieger bei den Wettkämpfen in Athen im Schwimmen, Paul Neumann und Otto Herschmann, sind Juden. Der Meisterschwimmer von Oesterreich über lange Distanzen, Otto Wahle, der über kurze, Ruberl, sie sind Juden. Der ausgezeichnete Schwimmer Simon Orlik ist nach seiner Abstellung zum Militär als Schwimmmeister an der Wiener Militär- Schwimmschule commandiert worden. Er ist Jude, und Juden sind die Recordträger im Tauchen und im Plunging in Wien. Man forsche in den Turnvereinen in Wien nach, soweit sie nicht judenrein sind, die tüchtigsten Leute, die auch von auswärts die meisten Preise heimgebracht haben, sind Rosenfeld, Popper, Prager u. s. w., durchwegs Juden, Man forsche weiter in den Athletik-Clubs unter den Läufern, Fussball- und Tennisspielern, unter der Fechtern,

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