Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 5 (1901)
- Issue
- 16 (19.4.1901)
- Article
- Die jüdischen Ärzte und der Zionismus
- Date
- 1901-04-19
- Page
- 3 (sequence 3)
- Language
- German
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Nr. 16 „Die x£ Welt** Seite 3 Massen dienenden Factoren werden die Aerzte an dem Werke der Volksregeneration gedeihlieh arbeiten können; nur die nationale Organisation kann den Boden schaffen, auf welchem die vollständige Durchführung des Werkes denkbar ist. Aber damit ist nicht gesagt, dass die jüdischen Arzte, welche ihre Arbeitskraft freudig dem Werke der Volksverjüngung widmen wollen, etwa warten müssten, bis diese Organisation vollständig durchgeführt ist. Die Arbeit kann vielmehr sogleich und an jedem Orte begonnen werden. Innerhalb der schon bestehenden jüdischen Institutionen ist Raum genug, um einen Theil derselben durchzuführen. Ueberall dort, wo jüdische Massen vereinigt sind oder wo von einem Punkte aus auf jüdische Massen eingewirkt werden kann, dort kann auch mit der Verwirklichung unserer Bestrebungen begonnen werden. Alle bestehenden Anstalten zur Armenunterstützung, ja alle jüdischen Vereine könnten vorläufig den Ausgangspunkt bilden, insbesondere wären jüdische Schulen aller Art und die jüdischen Sportvereine, vorzüglich die Turnvereine, ein günstiger Boden, um die Sache praktisch ins Leben zu rufen. Die Institution der Schulärzte ist ja bereits in mehreren Ländern wirksam, und auch bei uns wird die Frage der Creierung von Schulärzten gegenwärtig viel discutiert. Nun brauchen wir ja nicht zu warten, bis auch bei uns Schulärzte von der Regierung bestellt werden, um dann nachzuhinken, sondern wir können schon jetzt überall dort, wo wir Zionisten auf jüdische Schulen — und seien es auch blosse Religionsschulen — einen Einfluss haben, einen schulärztlichen Dienst organisieren. Zionistische oder doch jüdisch-nationale Aerzte werden sich gewiss zur Verfügung stellen. Nach Massgabe der vorhandenen Kräfte kann der Umfang der Aufgaben erweitert oder beschränkt werden. Wo, wie in Grossstädten, Specialisten zur Verfügung stehen, werden die Kinder in regelmässigen Perioden von einem Orthopäden, einem Augen-, einem Ohren-, einem Nasen-, einem Nerven-, einem Zahnarzte u. s. w. untersucht. Im Vereine mit den Lehrern und den Eltern wird auf Beseitigung vorgefundener Schäden, sowie auf die Durchführung der in jedem Einzelfalle angezeigten hygienischen Massnahmen hingearbeitet, werden die Kinder zur gesundheitsgeinässen Lebensführung, zur Erwerbung von physischer Kraft und Tüchtigkeit, erzogen. Wie viel durch zielbevvusstes Wollen, .durch Sachkenntnis und Beharrlichkeit zu erreichen ist, das lehren uns die Resultate der militärischen Erziehung, des Trainings jeder Art, insbesondere aber die Ergebnisse der in neuerer Zeit bei Defectzuständen verschiedener Art geübten Uebungstherapie. Vor allen Dingen heisst es, einen praktischen Anfang machen und geschähe dies auch nur in sehr .bescheidenem Masse. Erst in der praktischen Bethätigung wird man allmählich die richtigen Wege finden, erst in derselben und durch dieselbe werden sich neue Aufgaben ergeben und wird die zur Erreichung des Zieles nothwendige Organisation der Arbeit allmählich ausgebaut werden. Ist ein. praktischer Anfang gemacht, dann erst können wir Schritt für Schritt vorwärtsschreiten, dann werden wir aber auch Selbstvertrauen und Muth zu neuen, schwierigeren Unternehmungen gewinnen. Wenn wir nur erst auf kleine Erfolge hinweisen können, dann wird es an Gelegenheit zur Erlangung grösserer nicht fehlen, Freilich ist auch der bescheidenste Anfang nicht möglich ohne den Idealismus derjenigen unter den jüdischen Aerzten, die von Liebe zu ihrem Volke erfüllt sind und die jede Mühe freudig auf sich nehmen, die dem Wohle ihres Volkes zugute kommt. Die körperliche Minderwertigkeit der Juden. Von Balduin Groller. Wieder etwas, was mir den Zionismus sympathisch macht: die lebendige Beflissenheit, Propaganda zu machen für die edle Turnerei und alle Zweige des Athletik-Sportes. Das ist mein Fall, und das ist eine Angelegenheit, für die ich fieit langer Zeit schon meine geringe Kraft einsetze, so gut ich kann, in Schrift und Wort. Um es kurz zu sagen: ich bin der Meinung, dass es keine wichtigere Culturarbeit zu verrichten gibt, als die Pädagogik, weiters, dass der beste Theil der Erziehung des Volkes besorgt wird durch die Erziehung der Jugend, und endlich der Meinung, dass die körperliche Erziehung nicht minder Beachtung und Sorgfalt verdient, als die geistige. Ich thue mir nichts zugute auf diese Meinungen und beanspruche kein Privilegium für sie, ich glaube vielmehr, dass sie unter den Gebildeten schon so verbreitet sind, dass es hiesse, offene Thüren einrennen, wollte man noch besonders eine Lanze für sie einlegen. Bei alledem scheint es mir nicht überflüssig, hier einmal auf die Sache näher einzugehen, und ich glaube, dass da noch ganz nützliche Arbeit gethan werden kann durch Aufhellung der Materie, Beseitigung von Miss Verständnissen, durch Hinweis auf falsche Voraussetzungen und demgemäss Warnung vor nicht ausreichend gerechtfertigten Erwartungen. Ich glaube nämlich nicht, dass der Zionismus mit seinen Bemühungen nach dieser Seite hin in absehbarer Zeit viel aufstecken wird. Das ist natürlich für alle jene — und ich rechne mich zu ihnen — die durchdrungen sind von dem Bewusstsein, dass es in guten und grossen Dingen genüge, gewollt zu haben, mehr noch, die, von einem kategorischen Imperativ angetrieben, wollen müssen und nicht anders können, auch wenn nur sehr geringe oder keine Hoffnung auf Erfolg winkt — für alle jene ist das also natürlich kein Grund, ihre Sympathien für diese Seite der Bestrebungen des Zionismus zu mindern, Sie werden vielmehr trotz alledem der tiefen Einsicht und Intelligenz der Leiter der Bewegung auch nach dieser Bichtung hin ihren Respect zollen. Ein Gedanke bildet den Ausgangspunkt der ganzen zionistisch-pädagogischen Bestrebung, ein Gedanke, der immer wieder ausgesprochen wird und der nun schon ein feststehendes Axiom bildet für die Juden selbst sowohl, wie für ihre zahllosen Feinde : die Juden sind körperlich schwächer, weniger widerstandsfähig, mit einem Worte körperlich minderwertig im Vergleiche mit anderen Völkern und Rassen. Will man zu einer richtigen Vorstellung gelangen, wie ein inhaltsloser oder falscher Satz lediglich durch die unablässige Wiederholung zum Range einer allgemein anerkannten Wahrheit erhoben werden kann, dann lese man nur in dem mit Unrecht verfolgten Lynkeus das Capitel nach, in dem die gekrönten Häupter sich selbst darüber zerbrechen — da doch die Häupter sich nicht wohl die Köpfe zerbrechen können — warum die Leute sich eigentlich so riesig freuen, wenn sie ihrer ansichtig werden, das heisst, man lese nach, wenn man kann, denn das Buch ist confisciert. Die suggestive Kraft der Wiederholung hat sich auch hier bewährt. Es ist eine ausgemachte Sache: Die Juden sind körperlich minderwertig. — Es wäre nichts dazu zu bemerken, wenn man dem Satze nur in antisemitischen Zeitungen und Büchern begegnete, da brauchte man sich nicht dabei aufzuhalten -—man legte es zu dem übrigen. So steht es aber nicht. Ich habe zionistische Schriftsteller gelesen und zionistische Redner gehört, die zur Begründung ihrer Propaganda für die körperlichen Uebungen davon ausgiengen, dass bekanntlich und anerkanntermassen die