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Die Welt · 1901-04-03 · 14 (3.4.1901) · p. 30

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Journal
Die Welt
Volume
5 (1901)
Issue
14 (3.4.1901)
Article
Erste jüdische Toynbee-Halle in Wien
Date
1901-04-03
Page
30 (sequence 3)
Language
German
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30 Disciplinen, wie Mechanik, Physik, Astronomie, Jurisprudenz, Heiiwissenschaft und Seelenkunde wurden uns in formvollendeter Weise populär und gemeinfasslich vorgetragen. Die Geschichte des-Judenthums vom Uranfange bis in die Jetztzeit, die Sitten und Gebräuche des israelitischen Volkes zur Zeit desjerusalemitischen Tempels, die Ethik und Moral der mosaischen und späteren talmudischen Gesetzgebung wurden uns frisch zum ßewusstsein gebracht, mit den grossen Dichtern aus der Blütezeit der spanischen Juden wurden wir bekannt gemacht, der religiöse Sinn durch Exegese des jeweiligen Wochenabschnittes der Thora neu geweckt. Dann die Discussions-Abende, wo jeder von uns zum Selbstdenken und Debattieren angeeifert wurde. Autoritäten in allen diesen Fächern, Doctoren, Docenten^ Privatgelehrte, Akademiker stellten sich in den Dienst dieser Sache. Die schönsten musikalischen Genüsse wurden uns bereitet durch Künstler und Künstlerinnen, welche unseren Sinn bildeten und heranzogen für die höhere, edlere Musik. Diesen allen, die einzeln zu nennen nicht möglich ist, sei unser innigster Dank gewidmet. Sie haben uns nicht nur belehrt, sondern auch erhoben über die Alltäglichkeit des gewöhnlichen Lebens. Unseren grössten Dank, unsere höchste Verehrung zollen wir den Gründern und Leitern, die diese Organisation geschaffen, ihre Zeit und alle Mühe angewendet haben, um dieses Institut lebensfähig zu gestalten, welche die Kräfte der Mitwirkenden angeworben haben,, allabendlich abwechselnd mit ihrer Redhergabe, und mit inner freundlichen^ Conversation uns leiteten;ünd führten. : Vor . allem aber unseren/uneingeschränkten Drank dem hochverehrten, Herrn Professor K.e 11 n£ r, Mit Herz und Seele, mit seinem vollen Wesen..hat er eipen/Theilt seiner, kostbaren. Zeit den- Bestrebungen um. unsere geistige Erhebung, gewidmet, nur das eine Ziel vor Augen, -den Bestand dieser jüdischen Halte zu sichernd•"tilnd' .zu festigen. Jedem einzelnen von - uns kiam erliebeyptl;. ent^eg^n -Uhu* betrachtete uns wie ein e Fämiiie*L . ':••;{/'',• \ ^; Einen vollen Dank sagen wir auch den Damen der „Moria" und der „Hadassa", weiche uns mit aller Grazie und holder'Anmuth jeden Abend, den trefflich mundenden Labetrunk credenzten' und sich mühevoll im Gedränge in Schlangen Windungen den Weg bahnten, tfin keinem einzigen die Tasse zu entziehen. .; Nv/ch gedenken wir mit Alierkennung des Ordners in dieser Halle, Herrn E d e 1 s t e i n s, welcher selbstlos init allem Pflichteifer die äussere Anordnung aufrecht erhielt. Endlich, werte Collegen und Colleginnen, will ich auch uns ein Selbstlob spenden. Von der Wüste des Alltagslebens kamen ^ir-'abends her,;üm uns geistig zu erheben. Andächtig lauschten wir den .Vorträgen, kein Laut war zu vernehmen,und wir Hessen die Belehrungen undProductionen ganz auf uns einwirken, beobachteten die strengste Disciplm für alle Anordnungen der Vorsitzenden, fürwahr, wir dürfen sagen: Ein Musterpublicum sind wir gewesen. Wenn wir an schönen Sommerabenden uns im Freien, ergehen und an der Natur' uns ergötzen werden, so werden wir doch mit Vergnügen zurückdenken an die herrlichen Winterabende. Und so wünsche ich denn, dass wir alle, die diese Versammlungen mitrnachten, im kommenden Herbste uns wieder gesund und wohlbehalten zusammenfinden mögen/ * .... Von den Vorträgen der letzten Tage sind insbesondere hervorzuheben : Die glänzende : Bibelerklärung des Doctor Grill, ferner die hochinteressanten Vorträge DivKo rnfelds über Fragen der Psychologie. Ausgezeichnete musikalische Darbietungen dankte das Toynbee-HalJen-Publieumden hochtalentierten Schülern Meister Stock's, den Brüdern Spielmann, dem zehnjährigen Josef Rose n fei d, der sechsjährigen Clavierkünstierin Borowsky und den bereits früher mit grösstem Lobe genannten Fräulein Goldbaum und Fräulein Fürst und den Herren Fritz und Ernst Tedesko. Conferenz zionistischer Studenten. (Original-Telegramm der ■»Welt".) München. Seit gestern tagt hier die gut beschickte Vorconferenz zur Vorbereitung eines Zionisten- Congresses jüdischer Studenten aller Länder. Die Vorarbeiten wurden mit grossem Fleisse durchgeführt Die Baron Hirsch-Stiftung und Professor Dr. Leon Kellner. Wir sind in der Lage mitzutheilen, dass das Curatoritim der Baron Hirsch-Stiftung in sekier Plenarsitzung vom 1. April Herrn Prof. Dr. Leon Kellner einstimmig als Mitglied cooptiert hat Wir beglückwünschen das Curatorium * zu dem neuen Mitgliede. Herr Prof. Kellner wird durch seine ausgezeichneten, pädagogischen Kenntnisse der Stiftung sicherlich grossen Nutzen biegen können. ''. ■ * Erster österreichischer Z!onistentag in Olmütz. (Stud enten-Confer enz.) - In der Stuftenten-Conferenz wurden folgende -Resolutiö nen gefasst: „Die am % österreichischen ,-ZioniStentage in Olmütz anwesenden zionistischen Studenten a^us allen Theilen Oesterreichs fassen nachstehende Beschlüssa: -; 1. Es igt Pflicht jedes zionistischen^^ Stude^t'eriy sich in erster Linie als dienendes Glied des politischen Zionismus : zu beträchten und deshalb die Interessen4desseiben:uWbedingt über Jedes andere*'. Intere'öse auch das, der eigenen Verbindung—zu stellen. 2. Es ist darum Pflicht d«r ziouistiechen Studenten und ihrer Verbindungen, in Frieden und' Eintracht nebeneinander für den politischen Zionismus zu wirken und etwa auftauchende Zwistigkeiten durch - obligatorisch x bindende . Schiedssprüche; auszutragen. \v 3. Es ist ferner Pflicht jedes zionistischen Studenten, sich allseitig nicht bloss sin körperlicher, sondern vorzugsweise in ethischer; und vvissenschaftlicher Beziehung auszubilden, um so den politischen Zipnisrau^ aller Kraft fördern zu können. _ /'•• - 4. Es ist Pflicht der jüdischen Studenten, eine Gesammtorganisation derselben innerhalb der Landes-Organisation durchzuführen, und es wird die Vorbereitung einer solchen Gesammtorganisation dem „Vereine jüdischer Hochschüler ,Bar-Kochba' in Prag" als dem ersten.Wortführer für dieselbe übertragen/ Der Kranken-Unterstützungsverein „Liwias Chen". Der Kranken-Unterstützungsverein „Liwias Chen" sendet uns seinen XIII. Jahresbericht zu, in welchem in kurzen Zügen über die segensreiche Thätigkeit des Vereines berichtet wird. Wir entnehmen diesem interessanten Berichte Folgendes: Gegenwärtig zählt der Verein einen Mitgliederstand von 289 (gegen 260 im Vorjahre), und zwar: 14 Ehrenmitglieder, 26 unterstützende Mitglieder, 219 ordentliche Mitglieder. Das Vereins vermögen beziffert sich auf Kr. 10.697-98 und hat sich um Kr. 1209*18 vermehrt Dieses günstige

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