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Die Welt · 1901-04-03 · 14 (3.4.1901) · p. 3

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
5 (1901)
Issue
14 (3.4.1901)
Article
Elihu hanuvi
Date
1901-04-03
Page
3 (sequence 3)
Language
German
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3 farbene See vom meergetönten Horizont, Blumen und Bäume und der weisse Marmor, sie erhöhten nur die Farbe der Seligkeit, die alles umspielte; sie waren wie aufgesetzte Lichter im Bilde, vom Maler aufgesetzt, um die Kraft der Grundfarbe zu beleben. Das Gemälde umspielen aufregend duftende Wohlgerüche, die unwahrscheinliche Stimmungen hervorrufen. Unwahrscheinlich ist auch, was mir der Sänger des Jehuda Halevi in jener geheimnisvollen Stunde alles gesagt. Ich mag es auch nicht weiter erzählen, was dort oben vorgieng, als wir die Blnmenpfade emporschritten von Terrasse zu Terrasse, all jene Wege, die geweiht sind durch den Geist der kaiserlichen Märtyrerin, jener Elisabeth, deren Andenken allen guten Menschen heilig ist. Er sprach von seinem Leben als Jude. Auf all seine flammenden Anklagen, auf seine blutigen Satiren wusste ich nur eine Antwort: „Ich glaube an Elihu hanuvi." „„Sie werden Dich mit kleinlichem Formelkram vollfüttern, mit eklem Zeug, und wenn der Magen revoltiert, dann werden sie rufen: Seht, er ist kein echter Politiker, kein grosser Mann, er erbricht sich, wie andere Menschenkinder."" „Ich glaube an Elihu hanuvi." „„Aber die anderen glauben nicht an ihn, jene werden auch an Deinem Glauben zweifeln. Deine nächsten Freunde werden Dich lästern, weil sie Dir jede Ehre neiden."" „Ich werde keinerlei Ehre von ihnen begehren, noch annehmen." „„Glaube nicht an den Elihu hanuvi und hänge Deine Seele an kein Volk, nicht an das jüdische, nicht an das deutsche. Denn wenn Du es liebst aus vollem Herzen, aufrechten Sinnes, mit aufrichtigem Munde, dann werdejm sie Dir Koth nachwerfen. Glaube lieber an das Geld und an seine Allmacht, dann kannst Du ruhig leben und regelmässig Deine Cultussteuer bezahlen. Denn wenn Du auch Deinem Volke unsterbliche Werke schaffen würdest, so Du nicht imstande bist, diese Steuer zu tragen, wirst Du unfähig erklärt, an den Geschicken Deines Volkes mitzurathen. »Du hast es nicht verstanden, Deine Angelegenheit in Ordnung zu halten, und bist daher nicht würdig, für Dein Volk zu sorgen.«" Gerne hätte ich dem grossen Dichter erklärt, dass die Herren in den Cultusvorständen nichts mit den Geschicken des jüdischen Volkes zu thun haben, dass sie am liebsten Augen und Ohren schliessen, damit sie vom Volke nichts sehen und nichts hören, dass man 5000 fl. jährlich an Cultussteuer zahlen mag und doch ein Schandfleck seiner Nation sein kann. Aber ich glaube an Elihu hanuvi, der alle Juden erlösen wird, auch jene, die nicht an ihn glauben, auch die Herren Gultus vorstände. Ich glaube an Elihu hanuvi, und ich mag nicht mein Wort erheben gegen meine Brüder; ich will sie nicht beschimpfen bloss ihres Geldes /wegen. Aber sie sollen jene nicht gering schätzen, die kein Geld besitzen, bloss wegen dieses Mangels allein. Ein reicher Mann im Wiener Gultusvorstande hat es gethan. Ob er je davon gehört hat, dass reiche, sehr reiche Juden viel eher als andere Leute ihr Vermögen gänzlich einbüssen, dass gewisse Strömungen ihnen das Brot rauben, dass die Gesetzgebung selbst jener Länder, die — auf dem Papiere — eine Gleichberechtigung aller Bürger kennen, es stets so einrichtet, dass die von Juden betriebenen Berufe am schwersten belastet oder gänzlich vernichtet werden? Ich bin kein Socialist: Ich glaube nicht, dass die Dogmen von Marx und Lassalle alleinseligmachend sind, ich glaube auch nicht an die Vergesellschaftung aller Productionsmittel. Aber ich glauhe an Elihu hanuvi. Und jener reiche Mann, der sich hinsetzt, mit Ernst und Eifer über Synagoge und Rabbiner, über Chasonim und Schamossim zu berathen, und über das Wohl und Wehe von jüdischen Witwen und Waisen, er ist heimlich im tiefsten Winkel seines Herzens meines Glaubens. Ein wildes Lachen ertönte neben mir. „Wenn auch nicht," entgegnete ich dem Hohnlachen, „er wird an ihn glauben, an Elihu hanuvi, er wird's lernen." „Schweig'!" herrschte mich mein marmorner Begleiter an. „Sprich nicht von Elihu hanuvi, so Dir sein Leben lieb ist. Wenn sie erfahren, dass Du Deine Seele an ihn hängst, sie sind imstande, ihn zu tödten; sie haben schon manchen Propheten umgebracht." Da lachte ich laut auf. Meinen Elihu hanuvi kann man nicht erschlagen, es ist gar oft versucht worden, und nie ist es gelungen. — — Er trägt einen langen Kaftan, und von seinen Schläfen baumeln Ringellöckchen; seine Speise ist eine ganze Zwiebel und ein halbes Brot für jede Mahlzeit. Er spricht mit Gott dem Herrn dreimal des Tages, und täglich nach dem Essen singt er ihm ein Danklied für das Land, das er ihm gegeben, für Erez Jisroel, wo Milch und Honig fliessen und wo die Zwiebel sich in eine grosse, dicke Jaffa-Orange verwandeln wird. In seinen begeisterten Träumen, heimlich, ganz heimlich schleicht er hinüber ins Gelobte Land. Dort hebt e,r den Kaftan hoch, er streift die Schläfenlocken hinter die Ohren und er schiebt die Hemdärmel zurück. Dann hebt er mit kraftvollem Rucke den Spaten hoch, und wo er ihn in die Erde senkt, spriessen Reben in die Höhe. Er düngt die Pflanzen mit seinem Herzblute, damit aus der Presse rother Wein fliesse. Manchmal fasst ihn das Fieber, er wird krank und muss in die Erde, um auszuruhen. Am nächsten Tage steht er wieder im Rebengarten, verdoppelt, verzehnfacht. Er ist nicht umzubringen, mein Elihu hanuvi, und ich glaube an ihn, denn ich habe ihn an der Arbeit gesehen. * * Wieder sitze ich am Sedertische, der Wein glüht im Becher, er leuchtet empor aus dem Kelche und ein aufreizender Duft würzt die Räume meines bescheidenen Hauses — — Die Ägada hat ein neues Blatt angesetzt, mein Kind stellt die grosse Frage an mich — Ma nischtano halaijlo haze mikol halajlos. Und der Wein, der da in den Gläsern blinkt, das ist echter Elihu hanuvi-Wein, judisches Herzblut, gereift in der Sonne unseres Stammlandes auf den Hügeln von Judäa. Ich kenne ihn genau diesen feurig-süssen Tfopfen, ich kenne die Reben, denen . er entsprossen ist. Manche Enttäuschung hat mein Herz verbittert, seitdem ich mit dem Wanderstabe in der Hand jene Rebgelände durchstreifte. Ich habe den Menschen immer misstraut, aber sie sind noch kleiner und nichtsnutziger, als ich sie eingeschätzt habe. Und wo mein Wollen am reinsten war, habe ich sie am widerwärtigsten empfunden. Aber noch immer glaube ich an Elihu hanuvi, wie damals, wo ich als kleiner Knabe in seinem Hauche erschauerte. Nur, dass die Rollen vertauscht sind; ich trinke seinen Wein. Im Trinken denke ich Dein und Deiner Warnung, Du grosser Namensvetter, dessen Standbild im Gottesfrieden des Ächilleion glänzt. Ich habe zu laut von Elihu hanuv gesprochen, sie sind dabei, ihn zu erschlagen. „Oeffne

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