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Die Welt · 1901-03-29 · 13 (29.3.1901) · p. 8

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Journal
Die Welt
Volume
5 (1901)
Issue
13 (29.3.1901)
Article
Die Verhandlungen des ersten österreichischen Zionistentages
Date
1901-03-29
Page
8 (sequence 7)
Language
German
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Seite 8 „Die $ Weit00 Nr. 13 Resolutionen zu Punkt: Presse. Resolution! (D i s t r i c t s - C o m 11 e Böhmfen) Der I. österreichische Zionistentag in Oimütz hält es für wünschenswert, dass „Die Welt" Organ des Congrosses werde. Falls die derzeitigen Besitzer die „Weit" nicht freigeben, soll ein eigenes zionistisches Parteiorgan geschaffen werden, welches einem vorn Congresse zu wählenden Press-Ausschusse untersteht. Resolution II (Rosenfeld): Der Parteitag erklärt, dass es Pflicht eines jeden Zionisten ist, in seinem Kreise mit allem Nachdrucke dahin zu wirken, dass in den jüdischen Familien die Kinder iu jüdischem Geiste erzogen und ihnen von allem Anfange die Kenntnis der hebräischen Sprache beigebracht werde» Resolution Hl (Br a f f, R e ic h): Das Landes-Comite wird aufgefordert, Verhandlungen mit den Herausgebern der „Jüdischen Volksstimme" anzuknüpfen, dahingehend, dass entweder die „Jüdische Volksstimme* als Ceritralorgan der österreichischen Landes- Organisation dient, oder Mittheilungen des Landes-Comites als Beilage der „Jüdischen Volksstimme" angefügt werden. Resolution IV (Dr. Zweig): Die Zionisten vei breiten bewährte zionistische Bücher und Schriften durch Lotterien im Sinne Dr. Z 1 o c i s t i s. Resolution V (Dr. Zweig): Das Land es-Co mite sorgt für Anschaffung und Verbreitung einer billigen colorierten Palästina-Karte, auf der die jüdischen Siedelungen und Aekerbau-Colonien deutlich hervortreten. Resolution VI (L ö w): Der L österreichische Zionistentag fordert das Landes- Comite auf, einer cius Fachmännern bestehenden Commission den Auftrag zu ertheilen, möglichst bald einen Plan auszuarbeiten, nach dem Jugendschriften für Schüler- Bibliotheken und ein Lehrbuch für Volksschulen: „Bilder aus der jüdischen Geschichte" auszuarbeiten, und Schriftsteller zu nominieren sind, die diese Aufgabe in nationalem Sinne zu lösen in der Lage sind. Resolution VII (Rezek, Löbl und Genossen): (Dem Landescomite zur Behandlung übergeben.) In Erwägung, dass die deutschen, polnischen, czechischen Tagblätter zionistische und jüdische Angelegenheiten principiell verschweigen oder entstellen, in weiterer Erwägung, dass die assimilatorischen Juden durch eine derartige Behandlung in dem Assimilantengeiste erhalten werden, wird beschlossen, dass ein jüdisches Tagblatt in Wien geschaffen werde, das nicht nur den jüdischen Angelegenheiten einen entsprechenden Raum widmet, sondern auch die allgemeinen Tagesfragen ebenso ausführlich behandelt, wie die heutigen Tagesbiätter. Behufs Finanzierung dieses Blattes mögen 250.000 Anteilscheine ä 2 Kronen ausgegeben werden^ Der nächste Parteitag in Bielitz hat über die Finanzierung und Gründung dieses Blattes Bericht zu erhalten. Resolution VIII (Bloch): Das Landes-Comite hat so bald als möglich alle am L Parteitag gefassten Beschlüsse und Resolutionen an alle zionistischen Vereine, welche dem Landes-Organisatiohsverbande angehören, schriftlich einzusenden. Resolution IX (Gross, H i c k 1): Es wird beschlossen, die Programm rede des Deleg. Feiwel als Flugschrift in Druck legen zu lassen, eventuell auch in anderen Sprachen. # Um 8 Uhr abends wurde, da die Tagesordnung erschöpft war, der Erste österreichische Zionistentag geschlossen. Der Präsident dankte den Olmützer Gesinnungsgenossen für ihre Gastfreundschaft und die opferwillige Vorbereitung des Zionistentages. (Langanhaltender, stürmischer Beifall.) Ebenso herzlich dankte er dem Stenographen- Bureau, das sich freiwillig und unentgeltlich zur Verfügung gestellt hatte, und allen Delegierten für ihren Fleiss und ihre Sachlichkeit und die würdige Art der Debattenführung. (Stürmischer Beifall.) Unterjubelnder Zustimmung dankten die Delegierten Rezek und Hickl dem Präsidenten für seine unermüdliche Arbeit und die über alles Lob erhabene, objective und conciliante Fühlung des Präsidiums. Delegieiter Hickl foiderte in einer feurigen Rede die. Delegierten auf^ den grossen' Erfolg des Zionistentages durch sofortige Ausführung seiher .Beschlüsse vollständig zu machen. (Stürmischer Beifall. Die Delegierten schwenken die Hüte; die Studenten stimmen die Nationalhymne an, in die die übrigen Delegierten einstimmen.) Commers. AnJässlich des Zionistentages fand Sonntag ein grosser Commers statt, bei drin. Vertreter der Cultusgemeinde erschienen waren. Dem Commers präsidierte Herr Dr. Egon Zweig. Dr. Kren b e r g e r toastierte auf die Olmützer Zionisten. (Jubelnde Zustimmung.) Sodann hielt Herring. Glass eine beifälligst aufgenommene Rede, welche die Schicksale des jüdischen Volkes in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft behandelte. Den Glanzpunkt des Abends bildete eine Rede des Fräulein Koilmann, die in ihrer herzinnigen Weise in einer prächtigen Rede den jüdischen Frauen und Mädchen der gastlichen Stadt zu Herzen sprach und zur Gründung eines Frauen- und Mädchenvereines aufforderte. Die Begeisterung der Festgäste wollte sich nicht legen. Minutenlanger Beifall dankte der sympathischen Re inerin. Unter dem Eindrucke dieser Rede beschlossen die Olmützer Zionisten, sofort an die Gründung eines Frauenvereines zu schreiten. Cultusvorsteher Kammerrath Zweig versicherte die Zionisten, wenn er auch nicht mit ihnen gehen^ könne, seiner Sympathie. Sodann sprachen noch Dr. Menczel, der in launiger Rede auf die Frauen toastete, Herr T a u b e r auf die Jugend, dann Herr Taubes auf die Zions-Idee und Herr Döctor Kadisch als Gast auf das Nationaljuden thum. In ungemein animierter Stimmung blieben die Festgäste und die Delegierten bis spät nach Mitternacht beisammen. Die Fragen der körperlichen, geistigen und wirtschaftlichen Hebung der Juden. Organisation. *) Von Paul Läufer. (Schluss.) Die zionistischen Ideen lassen ihre werbende Kraft wirken, um sich alle verfügbaren Kräfte bei einer Action in der geeignetsten Form dienstbar zu machen. Das zionistische Ideal, das zionistische Ziel, ihre Notwendigkeit muss in den weitesten Kreisen Anerkennung erhalten. Dies bezweckt die Propaganda der Zionisten. Die Bewegung muss in ihrem Entwicklungsprocess, in ihren Fortschritten der entsprechenden Unterstützung gewiss, sie muss consolidiert sein. Man hört auf allen Linien den Ruf: „Die Zionisten müssen sich organisieren/ Es sei vorerst bemerkt, dass die Organisierung doch in der richtigen Verwendung der vorhandenen Kräfte besteht, also die richtige Methodik in der Führung der Bewegung voraussetzt. Der Ruf der Führung muss aber seitens der Judenschaft die entsprechende Beantwortung und Durchführung erhalten. Es wird wiederum von der Agitation abhängen, welche Aufnahme er in den verschiedenen Volksschichten findet. Die dem Zionismus gewonnenen Anhänger müssen für die Bewegung festgehalten werden, und das kann nur erreicht werden durch Institutionen, die auch dem Widerstrebenden klarmachen, dass durch ökonomische Organisation, durch gegenseitige Hilfe, die Situation der Juden gebessert wird; dass aber trotz aller Bemühungen unter den derzeitigen Verhältnissen eine radicale Besserung nicht erreichbar ist, sondern nur am Ziele der zionistischen Bewegung. Dass die Leistungen seitens der Juden in entsprechendem Masse und in entsprechender Menge erfolgen, ist ihrem Willen zum Zionsmus zuzuschreiben. *) Siehe Nr. 12 der „Welt".

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