Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 5 (1901)
- Issue
- 13 (29.3.1901)
- Article
- Die Verhandlungen des ersten österreichischen Zionistentages
- Date
- 1901-03-29
- Page
- 6 (sequence 5)
- Language
- German
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Seite 6 „Die $ Welt«0 Nr. .13 Parteisteuer. Die Parteisteuer wurde für 1901 mit I Krone ^pro Kopf festgesetzt. Die Lage der jüdischen Colonisten und Arbeiter in Palästina. Nach der Debatte über „Organisation" erhielt Herr Bernard Tag das Wort zu einem Referate über die Lage der jüdischen Colonisten und Arbeiter in Palästina. Unter begeisterter Zustimmung führte er aus, dass die Zionisten verpflichtet seien, den Helden des Zionismus ihre Dankbarkeit abzustatten und sie in ihrer gegenwärtigen Nothlage zu unterstützen. Dr. Wassermann, Menczel, Hausmann und F e i w e! schlössen sich den Ausführungen des Referenten mit den in nachstehenden Resolutionen formulierten concreten Vorschlägen an, die sämmtlich unter lebhaften Beifallskundgebungen zur Annahme gelangten.*) Resolution I (Dringlichkeits an tr a g BernardTag): Angesichts der äusserst trostlosen Lage der jüdischen Arbeiter in Palästina erachtet es der Erste österreichische Zionistentag in 01mütz\,als eine Ehrenpflicht, ihnen schleunige Hilfe zu bringen,. Zu diesem Zwecke sollen in einem näher zu bestimmenden Termin überäll dort, wo Zionisten sind — gleichzeitig — Versammlungen abgehalten werden mit dem einen Thema: „Die Lage der, palästinensischen Arbeiter", und im Anschlüsse daran sollen wir den nothleidenden Brüdern, die auf dem Boden unserer Väter als friedfertige Vorkämpfer die heimatliche Schofle wieder urbar zu machen mit Opfermuth bestrebt sind — ihnen sollen wir mit einer selbstverständlichen Bereitwilligkeit einen Opferpfennig, nicht als Almosen, sondern als Brödergabe darreichen. Resolution Ii (B r a f f — D r. W^a h r h a f t i g): Der Erste österreichische Zionistentag verfolgt mit grosstem Interesse die Doppelaction der „Chowewe Zion" und der politischen Zionisten bei der Ica und erklärt seinerseits alle die ihm zugebote stehenden Mittel in Bewegung zu setzen, um sämmtliche seiner Organisationen zu veranlassen, daran mitzuarbeiten, dass die Pionniere der zionistischen Bewe g u n g in Palästina bodenfest und sesshaft gemacht werden. Resolution III (Antrag Feiwel, Wassermann, Tag, M e n c z e 1): Alle zionistischen Vereine Oesterreichs^ werden aufgefordert, in kürzester Zeit Versammlungen und gesellige Abende, welcher Art immer, >nicht nur in den Sitzen der Vereine selbst, sondern auch ausserhalb derselben, zu veranstalten, deren ReinerträV^gnis den nothleidenden Arbeiterfamilien in Palästina zuzuwenden ist. Das Actions-CQtnite wird angegangen, an alle zionistischen Vereine der Welt einen Aufruf im gleichen Sinnev;.zu erlassen. Das Reinerträgnis aller dieser Veranstaltungen wird an das Actions-Comite abgeführt, welches im Vereine mit dem Odessaer Comite das so erzielte Capital derart zu verwenden hat, dass es den Colonisten ermöglicht wirft, auf heimatlichem Boden ihre Existenz zu sichern. Resolution IV (Dr. Zweig): Der I. österreichische Zionistentag in Olmütz spricht den dringenden Wunsch ausj dass die „Jüdische Colonial- Bank in London" niit möglichster Beschleunigung ihre Thätigkeit in Palästina aufnimmt und daselbst vor allem die nothleidenden Colonisten und Arbeiter in Palästina, die tapferen Vorkämpfer des Zionismus, endgiltig ansiedelt. Wenn zur Aufnahme dieser Thätigkeit eine Statuten- Aenderung bezüglich Herabsetzung des Grundcapitals der *) Eine Sammlung, die bei dieser Gelegenheit unter den Delegierten eingeleitet wurde, ergab 125 K. „JüdischenColonial-Bank" nothwendig ist, soll diese Statuten- Aenderung ehebaldigst durchgeführt werden. * Agitation. Ueber „Agitation" referierten Herr Hugo Rechnitzer und Dr. Egon Zweig. Herr Rechnitzer hatte in seinem Referate fast alle Gebiete der Agitation herangezogen, und es blieb den Delegierten nur übrig, Ergänzüngsvorschläge zu machen. An dieser Debatte betheiligten sicii auch die Vertreterinnen der Flauen- und Mädchen vereine, Frl. K o 11 inan n, Frau Dr. Kadisch, Frau Friedmann und Frl. G e 1 b tu c h. Von allen wurde die Wichtigkeit der unausgesetzten Agitation in Frauen- und Mädchenkreisen betont. An den Ergänzungen der Vorschläge des Referenten arbeiteten die Delegierten Hickl, Rezek, Teller und Löwy mit. Wir lassen die gefassten Beschlüsse nachstehend folgen. 1. Die Taktik der Zionisten lässt sich durch opportunistische Rücksichtsnahme auf Augenblickserfolge und Misserfolge nicht beeinflussen, sondern schreckt in ihrem Streben, das Volk der Juden an Haupt und Gliedern zu reformieren, auch vor entsprechendem RadicaUsmus nicht zurück. 2. Jede zionistische Körperschaft, sowie jeder Zionist und jede Zionistin sind verpflichtet, wo immer sie sich befinden und bei weichet- Gelegenheit immer, auf die zionistische Idee aufmerksam zu machen und für dieselbe zu agitieren. 3. Jeder Verein hat in gewissen Intel vallen Versammlungen abzuhalten, in welchen ausser Erläuterung der Zionsidee als solcher noch alle anderen die Juden betreffenden Fragen besprochen werden sollen. 4. Jeder Verein hat häufig, möglichst an einem Wochentage, Vereinsabende zu veranstalten, an welchen ein Meinungsaustausch seiner Mitglieder erfolgen kann, und die geeignet sind, tüchtige Agitatoren zu erziehen. 5. Die Parteileitung ist verpflichtet, zur Hebung der Agitation im gegebenen Falle an sämmtliche der Organisation angehörigen Vereine die Weisung zu ertheüen, in Versammlungen über ein bestimmtes Thema zu sprechpn. 6. Die Vereine in den Städten haben innerhalb eines vom Districts - Vorstande abzugrenzenden Gebietes in die kleinen Orte und auf das flache Land Wanderredner zu entsenden. . . 7. Zur Erleichterung der Agitation sind zionistische Zeitungen, Flugschriften und Broschüren, palästinensische Landesproduete, sowie zionistische Verschleissartikel zu verbreiten, und sind mit dem Vertriebe in jedem Vereine besondere Functionäre zu betrauen. 8. Um die Jugend im zionistischen Geiste* zu erziehen, ist dieselbe mit hierzu geeigneten Jugend Schriften (z. B. „Jüdisches Gefühl11) zu versorgen. In Anbetracht dessen, dass Oesterreich ein mehrsprachiger Staat ist. sollen Lesebücher und Jugendschriften in den Landessprachen herausgegeben werden. Diese Jugend Schriften sollrn möglichst mit Illustrationen aus der jüdischen Geschichte versehen sein. 9. Die zionistischen Frauen- und Mädchen vereine, Studenten-, sowie Arbeiter- und Handelsangestellten-Vereine haben nicht bloss ihre Standesinteressen zu vertreten^ sondern auch für die allgemeinen zionistischen Zwecke in ihren Kreisen agitatorisch zu wirken. 10. Die Zionisten haben in jüdische Wohlthätigkeits-, Geselligkeits- und andere Vereine einzutreten, desgleichen sind deren Versammlungen durch Zionisten in genügender Zahl zu besuchen und ist daselbst entsprechend die zionistische Idee zu propagieren. 11. Die zionistischen Corporationen haben allerorts sich zu bestreben, die officielien jüdischen Vertretungen zu erobern. 12; Es sind Vereine mit wirtschaftlichen Zielen, sowie Institutionen, welche aligemeine und^ jüdische Bildung insbesondere verbreiten «ollen, ins; Leben zu rufend Der Eintritt