Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 5 (1901)
- Issue
- 12 (22.3.1901)
- Article
- Die Uhr
- Date
- 1901-03-22
- Page
- 12 (sequence 3)
- Language
- German
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Seite 12 „Die & Welt44 Nr. 12 Der Graf nahm eine alterthümliche Uhr aus der Tasche und legte sie auf den Tisch. Mit sichtlichem Vergnügen nahm sie der Jude in die Hand, betrachtete sie lächelnd und fragte: „Welche Klage gibt es? Was hat die Uhr verbrochen? Sie geht zu spät? . . . Euer Gnaden versuchten es, sie zu richten, aber es hat nichts geholfen! . . . Hm, hm, ich seh' schon, dass es mit der Uhr nicht gut steht, sie ist sehr krank. Man muss sie auseinander nehmen und curieren , . Dem Grafen leuchteten die Augen hinter den Brillengläsern ... Er war unruhig und zugleich erfreut. „Kannst Du das gleich machen? . . „Warum nicht? Ich werd' sehr zufrieden sein, wenn Euer Gnaden bissei bei mir bleiben und selbst sehen werden, da*Ss ich diesem Kranken nichts Schlechtes machen werde. Ich muss mir nur eine grössere Lampe anzünden, denn zu so einer Arbeit, bei einer so kleinen Lampe, sind meine Augen zu schwach . . Nach einigen Minuten sassen sie neben einander, über den Tisch gebückt, ganz versunken in die Arbeit; sie zerlegten die Uhr irad betrachteten ihre Bestandtheile. Die Einfassung der Brillen ruhte wie eine dunkle Linie auf ihren gefalteten Stirnen, Schläfen und Wangen und verschwand dann in den weissen Haaren, deren Ausdruck immer gespannter wurde. Bei der Arbeit plauderten sie aber nur von dem Gegenstande ihrer jetzigen Beschäftigung; in diesem Augenblick war alles, was mit dieser Arbeit nicht zusammenhieng, aus ihrem Gedächtnis verschwunden. Manchmal schwiegen sie ganz, sie richteten, probierten und athmeten schwer vor Anstrengung. Hie und da wechselten sie einige Worte: „Siehst Du, siehst Du, da sitzt das Uebel!'*' „Wenn's hier sitzt, so werden wirs vet treiben; ich glaub, es sitzt wo anders!" Manchmal fiengen sie zu streiten an. „Was machst Du? Das ist nicht richtig!-' — sagte der Graf unruhig. Beruhigend erwiderte der Alte: „Fürchten sich Euer Gnaden nicht . . . Euer Gnaden werden gleich sehen, was daraus werden wird . . .'• „Aber daraus wird nichts werden! ... Da musst Du andrücken . . . Das hier herausnehmen". Da erhob der Jude die Stimme, er schrie beinahe: „Euer Gnaden irren sich . . . das ist so eine feine Schraube, was Euer Gnaden sie nicht sehen.4* Auch der Graf gerieth in Aufregung: „Na. das gefällt mir! Ich sollte etwas in dieser Uhr nicht-bemerken! . , :6 Als er sah, dass der Jude nach seiner Manier, aber gut arbeitete, brummte er still vor sich hin: „Ja, wirklich wahr! Du hattest recht! ..." Der andere, ganz beruhigt, murmelte leise : „Wenn's um meine Arbeit geht, hab' ich immer recht!...*' Wieder schwiegen sie und arbeiteten, ihre gefalteten Stirnen näherten sich; ihr lauter Athem vermischte sich mit dem Tiktak der Uhren, deren Geräusch endlos dahin klang. (Fortsetzung folgt.) Bekanntmachung der „Jüdischen Colonialbank." Yerschieiss von Inhaber-Actien des Jewish Colonial Trust (Jüdische Colonialbank) Limited in Russland. Das unterzeichnete Bureau beehrt sich hierdurch ergebenst bekannt zu machen, dass es in der Lage ist, am Platze, sowie vorläufig bei nachstehend genannten Bankfirmen Inhaber-Actien oben erwähnter Gesellschaft zu folgendem Tarife dem p. t. Publicum zu offerieren : In Russland Pro Certificat über: 1 2 3 4 5 10 A c i i e n (in Rubeln) Nominalbetrag 9.50 19.— 28.50 38.— 47.50 95.— Engl. Stempel 0.72 0.72 0,72 0.72 0.72 1.44 Russ. Stempel 0.15 0.15 0.15 0.15 0.15 0.80 Summe 10 37 19.87 29.37 38.87 48.37 97.24 überallhin in Russland franco. 1. Die Preise verstehen sich „netto Cassa" gegen vorherige Barzahlung oder Nachnahme, gegen Einsendung von 20 Percent Handgeld.. 2. 'Es können Inhaber-Actien auch in arideren beliebigen Certificat-Appoints — auf Bestellung, naoh Vorausbezahlung — in ca. 3—4 Wochen geliefert werden, aber dann zuzüglich Londoner Versicherung und Portospesen. 3. Das Bureau und die Depotstellen nehmen auch Bestellungen auf Namens-Actien an, in beliebigen Certificaten, nach Vorausbezahlung, in ca. 3—4 Wochen zu liefern. 4. Bei letzteren fällt die englische Stempelgebür weg, und ist der Preis für solche, wie oben, minus englischer Stempel. 5. Die mit * bezeichneten sind auch Zahl-, respective Contocorrent-Stellen des J. C. T. Depotstellen. * A. Horodischz, Bialystok. * A. Horodischz. Brest-Lit. M. Ussischkin, Ekaterinoslaw. * Gebr. G. & S. Lourie, Hornel. Isser B. Wolff, Kowno. Dr. Max Mandelstamm, Kiew. Dr. N. Katzenelsohn, Libau. Gebr. Urysohn, Moskau. * M. H. Rapapport, Minsk. * Samuel Barbaseh, Odessa. * Pinsker Gesellschaft gegenseitigen Credits, Pinsk. * L. Schalit, Riga. J. Benjacob, Wilna. J. L. Goldberg, Wilna * Gebr. Bachrach, Warschau. M. Feldstein, Warschau. Dr. J. W. Jassinowsky, Warschau. * Kownoer Gesellschaft gegenseit. Credits, Kowno. * M. M. Eliaschew, Grodno. * Perlis & Ginzburg, Bialystok, * Commerzbank in Minsk, Minsk. * Gesellschaft „Karmel", Warschau, Nalewki 21. Ausser obigen russischen Depotstellen sind Inhaber- Certificate vorläufig noch bei nachstehenden continentalen Firmen erhältlich: David Einhorn, Bukarest (Rumänien). Sam. Pineles, Galatz (Rumänien). * Moritz, Wachtel, Jassy. * B. Samsony, Piatra N. (Rumänien). Bureau der vereinigten Vertrauensmannschaft M. Feldstein, Warschau. 10, Granicza. ^eitsebrifret)* ut>d JJücbei9* Rundschau, Bücher-Einlauf. Tchinoth. Andachtsbuch für jüdische Frauen und Mädchen von Fanni G.....■. . . . r. Mainz, Jon. Wirth. Une Carriere Philologique en Roumanie (1885—1900). I. Les Peripeties d'une Naturalisation, Memoire Auto-Biographique par Lazare Sainean, Docteur esLettres, Allelen Professeur- Suppleant a l'Universite de Bucarest, Laureat de TUniversite et de rAcademie Roumaine. Paris, Chez Larousse 58, rue des Ecoles 58. 1001. Ferdinand D r e y f u s. Miseres Sociales et etudes historiques. Deuxieme edition. (L'enfance devant la Justice Repressive, La Traite des Blanches, La Reforme du Casier Judiciaire, Mendiants et Vagabonds, Les Juifs et la Revolution — La Dezentralisation Michelet.) Paris, Societe d'editions litteraires et artistiques Librairie Paul Ollendorff, Chaussee D'antin 50. 1901. * Das Febiuar-JHeft der hebräischen literarisch-wissenschaftlichen Monatsschrift „Hascbiloah" bringt an leitender Stelle eine Fortsetzung des Artikels Achad-Haams über