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Die Welt · 1901-03-15 · 11 (15.3.1901) · p. 10

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Journal
Die Welt
Volume
5 (1901)
Issue
11 (15.3.1901)
Article
Die Berliner Zionisten
Date
1901-03-15
Page
10 (sequence 4)
Language
German
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Seite 10 „Die x> Welt" Nr. 11 national-jüdischer Vereine eine Nothwendigkeit sei, in weite Kreise. IV. J ü d i s c h - na t i o n al e Fraue n v ereinigung (cav 120«Mitglieder). Wie der Turnverein, besteht auch dieser nur zum Theile aus ausgesprochen zionistischen, zum Theile aus jüdisch-nationalen Elementen. Dieser Verein sucht das Nationalgefühl unter den jüdischen Frauen nicht nur durch directe Propaganda, sondern auch durch Verbreitung jüdischen Wissens zu heben. So betheiligen sich manche Mitglieder an den hebräischen Spracheursen, ferner hat der Verein einen fortlaufenden Gursus der jüdischen Geschichte (wöchentlich je einmal) eingerichtet, der von Dr. H. L o e vv e geleitet wird (15 bis 20 Theilnehmerinnen). Um nach Möglichkeit zur Linderung der Judennoth beizutragen, hat der Verein eine Sammelstelle von Kleidungsstücken etc. für die auswandernden rumänischen Juden eingerichtet und bereits zahlreiche Kisten mit Kleidern nach Rotterdam entsandt. Vorsitzende Frl. Lina Tauber, Frl. Lina Bergmann. Versammlungen (von 100—200 Personen besucht): t. Vorlesung aus jüdischer Dichtung. 2. Jüdisch-nationale Psalmen (M. F rie dlän der). 3. Der „Rabbi von Bacharach" (Frl. S t e i n i t z). 4. Grosses Makkabäer-Fest (ca. 500 Personen; Hauptredner : M. Bub er). 5. Zeitgemässe Fragen (Red. Wohl b e r g). (i. Stiftungsfest. V. Russisch-jüdischer wissenschaftlicher Verein „Kadiraah". Dieser zionistische Verein russischer Studenten dient hauptsächlich als Vorbereitung zu späterer Arbeit'.in der russischen Organisation und zur Propagierung des Zionismus in der russischjüdischen Studentenschaft. Die Versammlungen dieses Vereines rufen fast immer sehr lebhafte Discussionen und eine active Betheiligung sehr vieler Mitglieder hervor. Die Sprache ist meist russisch. Der Verein ist in stetigem Steigen. Zu Beginn des Winters zählte der Verein 24 Mitglieder, Mitte, Februar 55. Versammlungen (meist von 75—100 Studenten besucht): 1. Ein Programm für unsere Thätigkeit (L. Mozkin). 2. Fortsetzung der Discussion über„Ein Programm etc." 3. Politischer und cultureller Zionismus im Zusammenhang mit dem 4. Congress (stud. Pewsne r). 4. Makkabäer-Feier (Hauptredner: L. M o z k i n). 5. a) Lieber die jüdischen Arbeiter in Palästina und die Ica. (stud. Berraan). b) Ueber den Aufsatz „Jüdisch-proletarische Fragen" in der „Neuen Zeit* von Zetterbaum (L. Moz k i n). c) Fortsetzung der Discussion über den Vortrag von Pewsn er politischer etc.". 6. Der Zionismus und das nationale Programm des jüdischen Arbeiterbundes (stud. A. GurJiand). 7. a) Chronik des jüdischen Lebens während der letzten Monate (L. M o z k i n). b) Fortsetzung der Discussion über den Vortrag Gurliand „Der Zionismus etc.\ 8. a) Chronik des jüdischen Lebens (stud. N. M irkin). b) Allhebräische Diätetik im Lichte der neuesten Medicin (Dr. Wirschu bski). c) Discussion über eine Resolution gegen das Verhalten der Vertreter des jüdischen Arbeifeerbundes auf dem intern. Pariser Socialisten-Congresse. 9. a) Discussion über die erwähnte Resolution. b) Ueber Gründung einer jüdischen Studentencasse (stud. Kaplan). Zu erwähnen ist bei dieser Gelegenheit eine durch die Erörterungen der „Kadimah" indirect hervorgerufene Versammlung von etwa 150 russischen Studenten, in der ein Herr einen Vortrag gegen den Zionismus hielt. Ein Mitglied der „Kadimah" (Ch. D. H u r w i t z) hielt ein Correterat, und andere Mitglieder betheiligten sich lebhaft an der Debatte. Auch diese Versammlung brachte, wie mehrere frühere, dem Zionismus einen moralischen Sieg. VI. Sapha Berurah (ca. 50 Mitglieder). Die Richtung dieses hebräischen Conversationszirkels ist eine culturell zionistische. Er beschäftigt sich vornehmlich mit den actuellen Erscheinungen der neuhebräischen -Literatur. Alle Vorträge und Discussionen finden in hebräischer Sprache statt. So erwirbt sich der Verein ein Verdienst durch die Förderung hebräischer Conversation in den der Sprache kundigen Kreisen. Versammlungen (von 30—50 Personen besucht): 1. An der Schwelle des zwanzigsten Jahrhunderts (R. B rainin). -! 2. Die hebräische Literatur in dv»r G 'genwart fDoctor S. ß v n fei d). 3. Die zionistischen Schulen (stud. A1 p e r i n). 4. Makkabäer-Feier (Hauptredner Dr. S. Birnfeld). 5. Literarische Eindrücke (RBrainin).' 6. a) Uebersieht der hebräischen Tagespresse (stud. Bernstein), b) M. J. Berdyczewski (stud. Pewsner). 7. P. Smolensky (E. W i n z). Einen Verein will ich noch nennen, der statutenmässigzwar weder auf dearStandpunkte des Zionismus, noch auf dem des Nationaljudenthums steht, aber indirect zur Förderung dieser Ideen beiträgt: die „Vereinigung jüdischer Studierender" (50 active Mitglieder, mit alten Herren 80). Durch Vorträge, Discussionen, Makkabäerfeier (auch heuer), durch Betheiligung an studentischen Angelegenheiten und allgemein jüdischen Fragen weckt dieser Verein in vielen Jünglingen das jüdische Selbstbewusstsein und veranlasst sie, sich über ihr eigenes Wesen Rechenschaft zu geben. Da Zionisten diesen Verein gegründet haben und einen lebhaften Antheil an den Verhandlungen desselben nehmen, so bilden der zionistische Gedanke und der Nationalismus einen Hauptgegenstand der Erörterungen. Viele Studenten, die dem Judenthum fernestanden, haben erst dank diesem Vereine Liebe zu ihrem Volksthum und Verständnis für ihre jüdische Individualität gewonnen. M. Die Fragen der körperlichen, geistigen und wirtschaftlichen Hebung der Juden. i. Turnen! Gerade in den Zeiten des Niederganges keimen im Volke Ideen voller Lebenskraft, die auch, von einer Minderheit nach heftigen Kämpfen zum Siege gebracht, das Volk zu erneuter Blüte führen. Das zeigt uns z. B. die Geschichte des deutschen Volkes im vergangenen Jahrhundert und so wird es auch hoffentlich dem jüdischen Volke im angebrochenen Jahrhundert ergehen. Die L'ee lebt. Der Kampf ist entbrannt. Und wie im deutschen Volke zu Beginn des letzten Jahrhunderts unter dem Einflüsse der Befreiungskämpfe der Gedanke Wurzel fasste, durch systematische Uebuog des Leibes die Widerstandskraft im Kampfe zu erhöhen, den Muth zu beleben und den Einzelnen Vertrauen in die eigene Kraft einzuflössen, so ist dieser Gedanke auch im jüdischen Volke lebendig geworden. Das Selbstvertrauen des einzelnen aber bedeutet auch das Vertrauen des ganzen Volkes in seine eigene Kraft, bedeutet Irischen Lebensmut b, bedeutet Zähigkeit und Ausdauer bis zum Ziele! Und wer bedarf dessen mehr als unser Volk? Wir werden von sillen Seiten bekam p t, aber wir selbst kämpfen nicht. Wir verkiochen uns bish r in den Schutz unserer Häuser und — verfassten Proteste. Die jurge — ach so alte — Idee der Wiederbelebung des jülischen Volke-, sie braucht Männer, kampfestrohe und kampfeslustige Männer! Und dazu hi ft uns das Turnen. Wir wo len an die.-er Stelle von der ästhetischen Seite g.mz absehen, von dem im Turnen liegenden Streb?n nach harmonischer Durchbildung des mei:s blichen Körpeis, von der damit bezweckten Annäherung an das Ideal der Schönheit des menschlichen Leibes. An Leib und Se I«j verkrüppelte Goluserössen würden uns sonst den „Vorwurf" des Ideal smus machen. Nein, seien wir praktisch! Gibt es denn für uns etwas Praktischeres, als die Muskeln stählen, die Sinne schärfen und unseren Lebensmuth erhöhen? „Antreten!" ertönt das Commando im Turnsaale, das heisst: Den Kopf hoch, den Nacken ungebeugt, stramm, jeder Athemzug weitet die gewölbte Brust. „Richtung" — und alles richtet sich nach dem An manne, dem ersten Manne. Es darf nur eine Richtung geben. „Ans Geräth!" Im Nu ist das Geräth an Ort und Stelle. Man lernt dabei, durc » geschicktes Anfassen spielend Lasten bewältigen, an die man sich früher nie herangewagt hätte. Und nun Achtung auf die Vorturner. Was er zeigt, das vollbringt Mann für Mann, und gelingt es nicht beim erstenmale, so gelingt es beim zweiten-, beim drittenmale. Aber es gelingt. Kühn gemacht durch das Beispiel der anderen, fasst auch der Zaghafte Muth und ist erstaunt darüber, dass er die 1 Uebung zustande gebracht, die ihm so schwer geschienen. Die nächste schwerere Uebung vollbringt er schon ohne Za-^en. Das war eine Lehre fürs Leb.n. Und wir Juden brauchen solcher Lehren viele.

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