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Die Welt · 1901-03-15 · 11 (15.3.1901) · p. 1

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Journal
Die Welt
Volume
5 (1901)
Issue
11 (15.3.1901)
Article
Hilfe für die jüdischen Colonien in Palästina
Date
1901-03-15
Page
1 (sequence 1)
Language
German
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Jahrgang Hilfe für die jüdischen Colonien in Palästina. Wer ihnen das gesagt hätte, jenen glühenden Patrioten, den jüdischen Männern, die vor ^0 Jahren nach Palästina zogen, um die Heimaterde ihrem Volke zurückzugewinnen, dass es Juden sein würden, die sie von der unsagbar mühevoll eroberten Scholle wegtreiben würden! Sie, deren Liebe zu ihrem Volke grösser und heisser war, als man sagen kann, so gross, dass kein Hindernis, keine Gefahr, nichts Menschliches sie schrecken konnte, hätten den einen Narren oder den schimpflichsten Schänder des jüd sehen Namens genannt, der es gewagt halte, voiherzusagen : „Euer heilig-jüdisches Werk wird zerstört werden, und Juden werden es sein, die es zerstören ..." Und nun ist es wahr geworden: Das Unglück ist hereingebrochen, das noch viel schmerzlicher ist, weil es voll bitterer, blutiger Ironie ist. Und vor den Augen des gesammten jüdischen Volkes wird ein Freiheitsgedanke voll Kraft und Schönheit, der die besten jüdischen Herzen entflammte, von Juden zu Tode geschändet. Die Heiden jüdischer Arbeit, jüdischen Fleisses, jüdischer Volkstreue werden von einer jüdischen Geldmacht, die ihr Schicksal in Händen hat, der Noth preisgegeben und vor die Wahl gestellt, in der Heimat Hungers zu sterben oder — mit einer Reisezehrung in der Tasche in die Fremde zu ziehen. Nicht Noth, nicht Tod hat die palästinensischen Golonisten je wankend gemacht, der theure Boden war ihnen umso theurer geworden, mit je mehr Blut und Thränen braver Brüder er genetzt wurde. Aber dass es Juden selbst waren, die ihnen die Hilfe versagten, die sie mit kühlem Abschied in die Fremde schickten, die der patriotischen Schwärmer lachten, das hat viele der Unbeugsamen, der Wind- und Wetterstarken, der Todesfreudigen schwach gemacht. Nicht die Schlechtesten waren es, die in den letzten Zeiten nach Amerika gezogen sind. Sie verzweifelten an dem Erfolge ihres Werkes. Was war denn das Geheimnis der Stärke jener Golonisten gewesen, die durch %) Jahre im Sonnenbrande Palästina bestellt hatten? Die Liebe zu diesem Lande und die Liebe zu dem Volke, dem &ie es urbar machten, das Vertrauen in die Treue der -Volksgenossen, Als sie die Ica kennen lernten, da wussten sie, wie es mit der Treue der Volksgenossen bestellt sei. Und die eine grosse, schmerzliche Enttäuschung brach ihren Muth, von dem man hätte glauben mögen, er sei nicht zu brechen. Sie wurden schwach, wie der Riese schwach wurde, da man ihm das Haupthaar schnitt . . . * Aber noch hat bei weitem der grössere Theil der Golonisten der Wucht der Enttäuschung und den Verlockungen des blanken Mammon standgehalten. Sie wehren sicli um jeden Preis dagegen, die Weingärten zu verlassen, die sie aufgebaut, die Aecker zu zerstören, die sie fruchbar gemacht haben. Dabeiist ihre Noth aufs Höchste gestiegen. Hunderte Arbeiter sind arbeits- und brotlos, die Golonisten selbst in einer verzweifelten wirtschaftlichen Situation. Und nun verlangen sie von der Zweihundert: Millionen-Gesellschaft Ica, der Erbin des Baron von Rothschild, die die Leiterin der Colonien ist und für die Schicksale der Colonisten und Arbeiter die Verantwortung trägt, schleunige, gründliche Hilfe. Die Golonisten verlangen Selbständigkeit der Production und des Verkaufes der Producte, die Arbeiter verlangen Arbeit, verlangen, dass man sie zu Ackerbauern mache. Verlangen! Sie haben nicht einmal verlangt — obwohl sie ein Recht hälfen, zu fordern — sie haben Deputierte nach Paris gesandt, die bitten wollten. Die Deputation wurde nicht einmal empfangen. Statt Verbesserungen gab es Verschärfungen und Verschlechterungen in Palästina, nur wer übers Meer wollte, fand noch das Gehör der Ica . * Seit Monaten beschäftigen sich die Zionisten, insbesondere die russischen „Chowewe Zion", mit dem Geschicke der Palästinenser. Man hat hei der Ica interveniert, vergeblich interveniert, und selbständige Hilfsfonds begründet. Aber die Lage ist indessen zu kritisch geworden, als dass man sich noch länger mit kleinen Actionen begnügen könnte. Das Odessaer Gomite hat darum eine Versammlung aller russischen Zionisten einberufen, an d^r circa zweitausend Personen theilnihmen, darunter die hervorragendsten Persönlichkeiten. Und nachdem man lange und viel berathen hatte, kam man zu dem Hauptschlusse, es sei eine

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