Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 5 (1901)
- Issue
- 10 (8.3.1901)
- Article
- Die General-Versammlung der russischen "Chowewe Zion"
- Date
- 1901-03-08
- Page
- 5 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/3315709-3315905-3315916-3395281--24978-3395409- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Nr. 10 „Die 2$ Welt*6 Seite 5 conferenzen sollen als für das Comite verbindlich erklärt werden. Nachdem zu dieser Frage noch die Herren Kohan, Etting er, Scheinkin und Ben-Ami gesprochen haben, lässt der Präsident abstimmen. Es ergibt sich der nahezu einstimmige Beschluss, dass die Beschlüsse der Vorconferenzen, in so ferne sie mit denen der Plenar- ■ Versammlung nicht im Widerspruche stehen, für das Comite verbindlich sind. (Ein weiterer Bericht folgt.) Doctor Blochs „Wochenschrift". Doctor Blochs „Oesterreichische Wochenschrift" setzt die bchmuizcampagne gegen den Zionismus mit den niedrigsten Mitteln fort. Es hiesse sich an der Reinheit chs zionistischen Gedankens versündigen und an die Gepflogenheiten einer ehrlichen und anständigen Journalistik vergessen, wollten wir in diesen Sumpf hinabsteigen. Wenn uns der Ekel und Widerwille gegen derartige Niedrigkeiten die journalistischen Waffen entwindet, so könnten sich die hinter Bloch, die auf diese Wehrlosigkeit speculiert haben mochten, doch leicht verrechnet haben. Mögen sie immerhin durch Zuträgereien und Pauschalien an dem Inhalte und der Auflage des Blattes Antheil nehmen. Die Zionisten werden bald Gelegenheit haben, vor der weitesten Oeffentlichkeit die Sache des Zionismus vertreten zu können. Dieselben. Herren, die jetzt aus dem Hinterhalte so sicher zu schiessen verstehen, haben es auch anlässlich der Wahlen in den Cultusvorstand nicht gewagt, den Zionisten öffentlich gegenüberzutreten. Es wird sich zeigen, ob sie jeM mehr Muth haben, werden. In der letzten Nummer hat Doctor Bloch durch einen Herrn Doctor Marceil H o ff in a u n, dessen Name unseren Lesern vielleicht noch durch die Eigenart seiher Berichtigung (Nr. 8) in Erinnerung ist, einen würdigen Succurs bekommen. In einem „Zionistische Entartung und entarteter Zionismus" überschriebenen Artikel leisten sich die „Rodaction" und Doctor Hoffmann einige persönliche üeberfälle, deren Art durch die folgenden Erklärungen und den Artikel „Zionistisches Streberthunr von Prof. Dr. Leon.Kellner' genügend charakterisiert ist. Dass man den Versuch gewagt hat, die Person des Herrn Professor K e 11 n e r, der doch sicherlich mit dem entarteten Zionismus des Herrn Doctor Marcell H o ffm a n n nichts gemein hat, auf die unanständigste Art in diese Debatte zu zerren, dafür ist die Scrupellosigkeit unserer Gegner kein zulänglicher Erklärungsgrund. Herr Professor Leon Kellner soll auf den Ehrenposten eines Mitgliedes des Curatoriums der Baron Hirsch-Slittung berufen werden, unv.seine Erfahrungen im Schulwesen im Interesse der Stiftung, und nur in deren Interesse, zu verwerten. Gibt es irgendwen, der da irgendetwas zu besoigen hätte? Erklärungen. I. In der Bloch'schen Wochenschrift steht unter anderen Rerfidien auch die, dass Herr von Gut mann sich geäussert habe, „dem Dr. H e r z 1 ist schon miess vor seinen Leuten". Nach dieser Darstellung kann man nur glauben, dass Dr. Herzl jemals eine solche oder ähnliche Aeusserung zu Horm von Gutm an n gemacht hätte. Das ist eine einfache \j ü-g-K kvn^h'vC'hch'ftKöWfi?(tarautf Wsenlmt&M^Monisten zu verhetzend' II. Herr von Gut mann bezeichne^ es als eine Unwahrheit, 4ass er die von üQr ri(*)ßßte£pcieinsehen Wochenschrift," verbreitete Äusserung, Dr. Herzl sei seiner Leute überdrüssig, gemacht habe. Iii. Herr Professor Dr. Leon K e 1 1 n e r hat' der „Oesterreichischen Wochenschrift" nachstehende Berichtigung zugehen lassen : W i e n, \: März 11)01. An die Redaction von Dr. Blochs „Oesterreich i s c h er Wochensc h r i t' t" Wie n. In Bezug auf die meine Person betreffenden Angaben, welche in dein in Nr. 9 Ihres Blattes erschienen Artikel: „Zionistische Entartung und entarteter Zionismus" enthalten sind, werden Sie auf Grund des § V.) des Pressgesetzes aufgefordert, zu berichtigen: 1. Es ist unwahr, dass ich Redacteur des „zionistischen Amtsblattes" (will wohl heissen der „Welt") bin; wahr ist vielmehr, dass seit October 1900 der derzeitige verantwortliche Redacteur die Redaction leitet, auf die ich nicht den geringsten Einfluss nehme. .'2. Es ist daher unwahr, dass ich der jurnalistische Wortführer der Zionisten bin. weswegen auch alle an diese Behauptung geknüpften Folgerungen unwahr sind. 3. Es ist ferner unwahr, dass ich im Hochsommer des Jahres J90O im Bureau eines bekannten jüdischen Schriftstellers erschien und, um ihn als Mitarbeiter für das officielle Zionistenorgan „Die Welt* zu gewinnen,, bei dieser Gelegenheit wörtlich sagte : „Ich weiss ja, Sie sind mit uns nicht zufrieden, weii wir gegen die Grossen nachsichtig sind und den Oberrabbiner zu sehr schonen. Jetzt, wird es anders, ich selber übernehme die Redaction, und nun werden wir nach beiden Seiten scharf losgehen." — Wahr ist vielmehr, dass ich niemals irgendeinem Menschen gegenüber die citierten Worte gebraucht habe. 4. Es ist unwahr, dass ich Herrn Oberrabbiner Doctor Güdemann gegenüber in abweisendem und abfälligem Tone von Dr. Herzl gesprochen habe. Professor Dr. Leon Kellne r. Zionistisches Streberthum. Als junger Bursch erlebte ich es einmal, dass ein christlicher Gymnasiast einen faustgrossen Stein nach mir warf, der um ein Haar sein Ziel verfehlte, sonst würden diese Zeilen heute nicht geschrieben. Ich hatte den Menschen nie früher gesehen, hatte ihm nicht einmal den Weg in dem geräumigen „Schützengarten" meiner Heimatstadt, wo er eben den Stein warf, verengt — ich weinte vor Schmerz über die unbegreifliche Bosheit. Die Mutter, der ich in meiner Empörung den Vorfall erzählte, tröstete mich, der schlechte Kerl sei ein Rosche gewesen, fügte aber die Moral hinzu: „Wärest Du nicht in deiv Schützen garten gegangen, so wäre Dir das nicht passiert." <■ Die gute Mutter! Wie soll ich ihr, die felsenfest von der Vortrefflichkeit aller Juden überzeugt ist — ihr habe ich den gleichen Glauben zu Verdanken! — wie soll ich ihr's begreiflich machen, dass schon wieder einer einen Stein nach mir geworfen hat, ohne dass ich ihn kenne, ohne dass ich ihn im entferntesten gereizt hätte, und dass dieser schlechte Schütze kein Rosche, sondern ein Jude ist, ein Jude, der jüdische Moral im Munde führt und das echte Judenthum gegen die zionistischen Ketzer vertheidigt? Dazumal, als halbes Kind, weinte ich; heute ist der Thränenquell versiegt, wenigstens vermag ihn menschliche Bosheit nicht zu erschliessen. Ich kenne Herrn Dr. Marceil Hoff mann, der in der letzten Nummer der „Oesterreichischen Wochenschrift" einen Stein nach mir geworfen hat, absolut nicht, ich kann mir nicht denken, was der Grund ^inrm^A ijgriffesi autf rnae mer qjefsönMche Ehre*öge wesfewo««ei'n mag; aber gegen eine Schnierzempfindung bei sohlten Geschehnissen bin ich, Gott sei Dank, endlich gefeit. Ich