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Die Welt · 1901-03-08 · 10 (8.3.1901) · p. 3

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Journal
Die Welt
Volume
5 (1901)
Issue
10 (8.3.1901)
Article
Die gegenwärtige Lage der Colonien in Palästina
Date
1901-03-08
Page
3 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 10 „Die £ Welt" Seite 3 sich nicht sicher fühlen konnton, wenn sie das Land verlassen. Es kam bei dieser Auswanderungs-Protection seitens der Tca auch grober Unfug vor. Anders können wir es nicht bezeichnen. Und hier ist es die Arbeitervertretung, welche die ganze Schuld trägt. Die Agentschaft in Jaffa nahnn nur die Forderungen von solchen Leuten in Betracht, welche eine Empfehlungskarte vom Arbeiter -Comite mit sich brachten. Es sind Fälle bekannt, in denen dieses Gc-mite" Leuten Karten zukommen liess, welche überhaupt keine Arbeiter waren oder erst seit einer sehr kurzen Zeit, 3 bis 0 Monate, irgendwo gearbeitet haben. Also, die Verantwortung für einen Verlust von bedeutenden Geldmitteln fällt auch auf die Arbeiter selbst zurück. Die Arbeitervertretung verhielt sich überhaupt bei dieser Angelegenheit sehr problematisch. Sie spornte die Arbeiter zur Abreise an, indem sie nicht allein in den Arbeitern die Hoffnungen auf die in Zukunft mögliche Colonisierung nicht unterhalten wollte (eine Haltung, welche man noch billigen könnte), sondern einfach diese Hoffnung zerstörte. Die Vertretung verfocht auch den Standpunkt der p]xpatriierung der Arbeiter in Paris bei Gelegenheit der Bewilligung der 60.000 Frcs. seitens der Ica. Die ganze Sache mit dem so reichlichen Geldvertheilen machte auch auf die Städter einen peinlichen Eindruck, den des plötzlich erwachten erbärmlichen Schnorrertriebbs. Man suchte irgendwelche Ursachen, um in die Arbeiterlisten zu gerathen. Manchmal, wie wir es sagten, gelang es auch. Wir denken uns, dass man die Frage viel einfacher lösen konnte und auch noch jetzt lösen kann. Es bleibt ja noch ein grosser Theil von Arbeitern, welche noch nicht abgereist sind, und nach Schluss der Wintersaison sini in Zichron-Jacob noch weitere Arbeiterentlassungen zu erwarten. Zuerst sollte man nicht alle Arbeiter zu befriedigen suchen, ohne Rücksicht darauf, ob sie entlasssn wurden oder nicht. Man könnte denken, dass die Ica sich gleichsam zu entschuldigen suche für die von ihr früher in den Arbeitern genährten Hoffnungen und allen ohne Unterschied die Reisegelegenhe.it verschaffe. Nur diejenigen Arbeiter, welche factisch entlassen wurden, sollten eine Entschädigung erhalten, und mit diesem Betrage das anstellen, was ihnen eben beliebt. Man rnüsste bestimmte Normen feststellen, nach welchen den verschiedenen Arbeitern je nach der Dauer der in den Colonien verbrachten Zeit, nach der Grösse der Familie und nach der Qualität des Arbeiters die Entschädigungsbeträge ausgefolgt werden sollen. Als Maximalgrenze könnte vielleicht der Tageslohn für ein halbes, eventuell ganzes Jahr gesetzt werden. Auch den bei der Arbeit belassenen Leuten müsste die Zusicherung gemacht werden, dass sie ebenfalls bei einer eventuellen Entlassung eine entsprechende, nach den gleichen Normen berechnete Entschädigung erhalten werden. Manchmal glauben die noch nicht entlassenen Arbeiter, die Arbeit freiwillig verlassen zu müssen, da sie der Meinung waren, dass man ihnen später kein Geld geben werde, dass es jetzt eine vorübergehende Massnahme wäre, dass, nachdem die bewilligte Summe verzehrt wird, für sie kein weiteres Geld bleibt. Eine solche Entschädigung wird allgemein zweifellos als vollkommen befriedigend angesehen werden können. Das oberste Princip muss sein : keine jüdischen Arbeiter aus dem Lande zu verweisen. Will einer weggehen, so soll er es aus eigener Initiative thun. Wir haben uns etwas zu lange bei der Schilderung der gegenwärtigen Zustände aufgehalten, da wir es für sehr wichtig halten, den ganzen Sachverhalt in möglichst richtiger Weise klarzustellen. Man spricht und schreibt so vieles über die Arbeiterfrage, was den Thatsachen nicht entspricht, dass wir es für unsere Pflicht halten, die Angelegenheit in ihren Details aufzuklären. (Schluss folgt.) Die General-Versammlung der russischen „Chowewe Zion.c Odessa, 1. März 11)01. Vorgestern wurde hi er die General-Versammlung des „Comites zur Unterstützung jüdischer Ackerbauer und Handwerker in Palästina" unter imposanter Betheiligung eröffnet. Den Vorsitz führte unser ausgezeichnete Gesinnungsgenosse Herr Dr. Tschlenow aus Moskau. Mitglied des zionistischen^ Actions-Comites. In seiner Eröffnungsrede führte er aus, die General-Versammlung habe den Zweck, über den gegenwärtigen Stand der palästinensischen Colonisation im allgemeinen, insbesondere aber über die Lage der landwirtschaftlichen Taglohn-Arbeiter zu berathen, ein zweckmässiges Programm für die Zukunft zu entwerfen, einen neuen geschäftsführenden Ausschuss in Jaffa zu wählen und noch über verschiedene Detailfragen schlüssig zu werden. Dein Präsidium lägen zwei Referate vor: eines, in dem die palästinensischen Coloni sten, und das andere, in dem die palästinensischen Arbeiter über ihre Lage Bericht erstatten. Diese beiden Referate seien nach ihrem Einlangen vom Comite an einen speciellen Ausschuss gewiesen worden. Es werden nun die beiden Referate und die Vorschläge des Sonder-Ausschusses hierzu, welche das Comite genehmigt hat. zur Verlesung gelangen. Hierauf verlas Herr A. Dr u j an o w das Referat der Arbeiter, in dem sie ihre Lage schildern und gegen das Project, ihnen durch Begründung von Industrien aufzuhelfen, Einspruch erheben, und zwar aus folgenden Gründen : 1. Könne die Hausindustrie bloss dem selbständigen Landwirte als Nebenerwerbsquelle dienen, nicht aber als ausschliesslicher Nahrungszweig für zahlreiche Familien ins Auge gefasst werden; 2. hätten die Arbeiter sich an den Ackerbau schon gewöhnt, während ihnen jede industrielle Arbeit fremd sei. Sie könnten nicht auf einmal einen neuen Beruf ergreifen, nachdem sie sich jahrelang in die Landwirtschaft eingelebt haben : 3. seien die Aussichten für Industrien in Palästina unbestimmt, und die Arbeiter kämen, wenn der Erfolg ausbleiben sollte, wieder in eine preeäre Lage. Die Arbeiter berichten sodann, dass die Ica ihnen ursprünglich in Aussicht gestellt habe, sie zu selbständigen Bauern zu machen, und dass der Beamte der Ica. Herr Halm, bereits daran war, Ländereien für sie anzukaufen; plötzlich habe sich die Leitung der lea eines anderen besonnen und die Käufe rückgängig gemacht. Selbst Sedjerah, das die Ica zurückbehielt, bestimmte sie zur Gründung einer F a r m, so dass die Hoffnung der Arbeiter, schliesslich doch selbständig zu werden, ganz zunichte gemacht wurde. Das Referat verbreitet sich ferner über die erfolgte Gründung eines „Allgemeinen Arbeiter-Comites" und über die Reise der Arbeiter - Abordnung nach Paris. Die Ergebnisse dieser Reise waren: die Zusage des Barons Edmund v. Rothschild, sich an einer allfälligen Ansiedelung der Arbeiter zu betheiligen, falls ihre Zahl nicht allzu gross sein würde, und die Zusage der Ica, ihrerseits das Zwei- oder Dreifache eines jeden beliebigen Betrages, den irgendeine andere Gesellschaft für die Arbeiter hergeben sollte, beizusteuern. Aus den Unterredungen mit dem Baron Rothschild und den Vorstandsmitgliedern der Ica haben die Arbeiter die üeberzeugung gewonnen, dass zwei Gründe die Ica abhalten, den Wünschen der Arbeiter Folge zu geben. Einerseits ist die Zahl der Arbeiter sehr gross, und es ist derzeit unmöglich, allen Grund und Böden zur selbständigen Bestellung anzuweisen. Andererseits ist es unmöglich, neue Grundstücke in Palästina zu erwerben. Diese beiden Gründe

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