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Die Welt · 1901-02-01 · 5 (1.2.1901) · p. 11

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Journal
Die Welt
Volume
5 (1901)
Issue
5 (1.2.1901)
Article
[Kommentar] / H.
Date
1901-02-01
Page
11 (sequence 3)
Language
German
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«Nr<>5 Die & Welt44 Seite 11 „L'Echo sioniste" vom 29. Tebeth 5661 (20. Jänner 1901) lenkt im Leitartikel die Aufmerksamkeit der jüdischen Oeffentlichkeit auf die N o t h 1 a g e der bess'arab i s chen Juden, die sich infolge der abermaligen Missernte und der geringen Mittel, die den Hilfs-Comites zur Verfügung stehen, immer kritischer, ja geradezu verzweifelt gestaltet. In beweglichen Worten appelliert Dr. A. Easkine an die jüdische Solidarität, die diesem Nothstande durch eine gemeinsame Hilfsaction begegnen soll. Beiträge mögen an die Adresse des Präsidenten des Hilfs-Comites zugunsten der nothleidenden bessarabischen Juden, Herrn Dr. Moutchnilc in Kischineff (Russland), abgesendet werden. Ueber die bekannte Meldung der „Politischen Corres pondenz14 lesen wir im „Westungarischen Grenzboten" : „Ein gewisser Theil der sogeheissenen judenliberalen Blätter liess es sich mit sichtlichem Behagen angelegen sein, dieser Nachricht zu einer weiteren Verbreitung zu verhelfen. Dieses ist umso auffallender oder umso unerklärlicher, als die liberale Presse sich in allen Dingen, welche Zionismus betreffen, der consequentesten Schweigsamkeit b e*f 1 i s s e n hat und es sogar nie für nothwendig erachtet, ihr Lesepublicum von dem Vorhandensein einer jüdisch-nationalen Bewegungüberhaupt in Kenntnis zu setzen. Ihre Leser erfahren erst durch die „Correspondenz", dass sich um sie herum eine eingestandenermassen immer anwachsende Bewegung vorbereite und schon eine derartige Bedeutung erlangt habe, dass „die türkische Regierung sich in die Lage versetzt sieht, Devensiv-Massregeln zu ergreifen." Sie müssen sich verwundert fragen, warum ihr Leibjournal ihnen wohl gewissenhaft detaillierte Berichte über Congretse der Automobilisten, der Pumphosenanhängerinnen und dergleichen erstattet habe, aber die Congresse der Zio nisten, welche schon auf ihren ästhetischen Gehalt hin Erwähnung beanspruchen durften, aber auch jedenfalls in der überall drückend empfundenen Judenfrage einen Wendepunkt bezeichnen, gänzlich ignoriert habe? Warum die liberale Presse erst in jenem Momente des Zionismus Erwähnung that, wo sie demselben durch die sein sollende Hiobspost den Garaus zu machen gedachte? Geht schon aus diesem Umstände hervor, welcher Feindseligkeit Kind die Constantinopler Correspondenz der „Pol. Corr." ist, so erweist sich dieselbe nach allen Informationen als eine Tendenzlüge . . Die Nummer 1 (II. Jahrgang) der Jüdischen Turn- Zeitung", herausgegeben vom Jüdischen Turnverein „Bai- Koch ba" (Berlin), repräsentiert sich in neuer Aussattung sehr hübsch. Aus dem reichen Inhalt heben wir hervor die Artikel: „Warum wir nicht in der deutschen Turnerschafc turnen?" von M. Friedländer (Berlin) und den ersten Theil einer Abhandlung: „Jüdische Erziehungsprobleme* von unserem Gesinnungsgenossen Dr. Moses (Mannheim). Ueberdies enthält die Nummer interessante Mittheilungen über die Fortschritte des jüdischen Turnwesens. Inhalt unserer heutigen Jargon-Ausgabe: Wochenkalender. — S. Rosenfeld: Die neue Redaction an die Leser. — S. Gitelson: Ein guter Handel. — Die Parteibewegung. — Brief aus London (Königin Victoria und die Juden). - Dr. S.: Brief aus Bukarest. — Brief aus Palästina. Von einem alten Zionisten. — Jüdische Neuigkeiten. — Die jüdische Presse. — Politische Wochenchronik. — J. L.Bornc h o w i t z : Ein Traum (Gedicht). -- Dr. M. Ei s en sta d t: Nach der grossen Feuersbrunst. Eine Erzählung. — L. D.: Hausindustrie. — Feuilleton : Die Narren (Roman). Von Schoiem Alechem. — Mittheilungen des Actions-Comites. Der Waisenknabe. Von J. L. Perez. (Warschau.) Aus dem Jüdischen übertragen von M o r i z Her m a n u. (Fortsetzung.) „Weisst Du, Heschel", begann Joine, wie aus dem Schlaf erwachend, „nimm ihn zu Dir." „Bist Du von Sinnen? Hab' ich an den meinigen nicht genug? Eine nette Bescherung." „Gegen Bezahlung, mein ich." „Wer wird zahlen?" „Wieviel verlangst Du für die Woche?" „Wenigstens einen Rubel für die Woche", erwiderte Heschel. uU'ls u —- ".mes 'iai^ijj.o^..'Hr-au .»ufu^'r- >>"■■ , ^Ab,er;jwer wird zahlen.?-* fugte er hinzu, da er wusste, dass. Surele die Casse handhabt und Joine kaum für ein Glas Branntwein von ihr erhält, obwohl es niemals im Hause an Geld mangelt — denn Kisten zusammenschlagen kann Joine Boz. „Und wenn Bürgersieut' zahlen werden?" fragte Joine. „Oh! Die beeilen sich." „Sie müssen zahlen!" stampfte Joine mit dem Fuss. „Joine!" warnte der Bäcker, „fang lieber nicht an. Misch Dich nicht in öffentliche Angelegenheiten. Waren am End schon lange keine Streitigkeiten? Willst Du wieder einen Sturm anfachen?" Auch Heschel war dieser Ansicht. „Gib her den Knaben", sagte er, „ich führ ihn ins Bethaus." „Führen kann ich ihn selber", sagte Joine erregt. „Wenn Du Dich darauf steifst." — Die Träger zuckten mit den Achseln und zogen ihrer Wege. Joine sann eine Weile, dann rief er ihnen nach: „Heschel, erinnere Dich, einen Rubel für die Woche." „Ich erinnere mich", rief Heschel zurück. „Was ist mit ihm heute? Der Teufel ist in ihn gefahren", sagte der Zuckerbäcker im Fortgehen. „Es erregt eben Mitleid", meinte Heschel. „Gewiss erregt es Mitleid", erwiederte der Zuckerbäcker, „aber weisst Du, Bruder, Mitleid ist ein theurer Bissen für arme Leute." Sie wandten sich zur Seite, zur ersten Schänke, um einen Schnaps zu nehmen, und Joine stand mit dem Knaben an der Hand und überlegte. IV. „Was machst Du hier, Joinele?" fragte man allgemein vor dem Abendgebet im Bethaus der Bürger, als man Joine gewahrte. Da aber in der Stadt nichts vorgieng, beruhigte man sich alsbald und setzte, die schmauchende Pfeife im Mund, den Spaziergang zwischen den Bänken fort oder gesellte sich einer der Gruppen zu, welche überall discutierend umherstanden. Avigdor hatte man bereits alles Gute, das man wusste, nachgesagt; dann war man zu den Getreidetarifen übergangen, von da zu Politik und Licitationen. Von Emigration wusste man damals noch nicht. Dem Waisenkinde begegnete man besonders zuvorkommend. Jeder, der ihn sah, verweilte einen Augenblick und stiess einen Seufzer aus; manche streichelten ihn über die Mütze. Plötzlich entstand lebhafGe Bewegung. Aller Augen richteten sich nach dem Almemor. Dort befand sich Joine und hatte den Knaben neben sich auf den Tisch gestellt. Der Kleine sperrte sich und wollte hinunter oder sich wenigstens niedersetzen. Es beängstigte ihn, sich in solcher Höhe über allen Köpfen zu befinden, aber Joine hielt ihn zurück und bemühte sich, ihn zu beruhigen : „Still, Dawidl! Es geschieht zu Deinen Gunsten." Der Knabe schluchzte, fasste sich jedoch ein wenig. Von der Misrach-Wand ertönte eine Stimme : „In Stiefeln auf dem heiligen Tisch! Herunter!" Joine erkannte diese Stimme und er erwiderte ruhigen, aber festen Tones : „Erschrick nicht, Rüwele, sei ruhig, Du fromme Seele! Er steht barfuss, er hat längst keine Stiefelchen an." Und von seinen eigenen Worten ermuthigt, fügte er grimmig hinzu : „Und hier wird er stehen, bis ihn Bürger versorgen!" Ein erwartungsvolles Stillschweigen trat ein. „Zwar", fuhr Joine ruhiger fort, „fällt ihm das Stehen schwer. Er war barfuss auf dem Friedhof und hat sich ein Füsschen verletzt. Aber er muss stehen, meine Herren; er musSj weil er eine Waise ist und versorgt werden muss.,1' ^.:■ „■Steht' 'den Wohlthäter", bemerlite.' jemand Von der Seite.

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