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Die Welt · 1901-02-01 · 5 (1.2.1901) · p. 10

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Journal
Die Welt
Volume
5 (1901)
Issue
5 (1.2.1901)
Article
[Kommentar] / H.
Date
1901-02-01
Page
10 (sequence 2)
Language
German
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Seite 10 „Die fr Welt" Nr. 5 dass diese Blätter mit ihrer Todtsehweige-Praxis gegenüber dem Zionismus — die Zionisten-Congresse haben für sie überhaupt nicht existiert — gebrochen haben und der Besprechung der zionistischen Judentags-Versammlungen einen beträchtlichen Raum gewähren, ist erfreulich. Dass die liberalen Blätter von der Judentags-Idee nicht sonderlich entzückt sind, ist selbstverständlich. Man erräth auch leicht das Motiv, das ihnen diesmal die Zunge gelöst hat: Die Furcht, eine gefügige Anhängerschaft zu verlieren, die jahrzehntelang bescheiden genug "war, alle materiellen und moralischen Kosten der Partei zu tragen gegen die Erlaubnis, sich hinten anschliessen und auch dabei sein zu dürfen. Komisch berührt es, wenn die Blätter am neunzehnten Jänner die sicherlich einem sehr frommen (vielleicht protestrabbinerischenj Wunsche entstammende Meldung bringen, der „Judentag", dessen „treibende Kräfte die Zionisten und die jüdische Studentenschaft" seien, sei endgültig gescheitert, um in den nächsten Tagen ausführliche Berichte von einer zweiten grossen zionistischen Versammlung in Berlin zu bringen, wo die bekannte Resolution zugunsten des Judentages von vielen hunderten unter stürmischer Zustimmung angenommen wurde. Mit sauersüssen Worten müssen sie die Auferstehung des Todtgesagten registrieren, der ihnen anscheinend noch viel zu schaffen geben wird. Unter andeiem haben über den Judentag geschrieben : „VossischeZeitun g", „Danziger Z e i t u n g-'S „Breslauer General-Anzeige r", „Algemen H a n d e 1 s b 1 a d" in Amsterdam. „Norddeutsche A 11 g. Zeitung", „Staatsbürger- Z e i t u n g", „Hamburger Fremdenblat t", „N e u e P r e u s s i s c h e (Kreuz-) Zeitung" „Breslauer Z e i t u n gtt, „H am burgischer Corresponden t", „Sch lesische Zeitung" in Breslau, „Kölnische V o 1 k s z e i t u n g", „Berliner Neueste N a c hr i chte n", „Münchener Neueste Nach richte n", „Berliner Börsen-Courie r" u. a. m. Auch mehrere österreichische Blätter haben sich mit dem Judentage beschäftigt. F. Wir lesen in der „Strassburger Post": „Man erinnert sich wohl, dass eine unter den Israeliten aufgetretene Bewegung trotz kräftigen Widerstandes weiter israelitischer Kreise sich schnell ausgebreitet hat. Es ist der Zionismus, der als letztes Ziel erstrebt, Palästina mit Israeliten zu besiedeln . . . als heimatliche Stütze für die über den ganzen Erdkreis ausgebreiteten Volksgenossen. Nun war kürzlich behauptet worden, die türkische Regierung habe sich dem Zionismus feindlich gegenübergestellt und erschwere die Einwanderung ausländischer Juden in Palästina. Wie wir aus der „Frankfurter Zeitung" ersehen, erklärte aber das „Actions-Coniite der Zionisten" in der Zeitschrift „Die WTelt", dass nach seinen letzten Nachrichten aus Constantinopel die Stimmung in den massgebenden Kreisen für den politischen Zionismus und für das Verständnis der Vortheile, welche der politische Zionismus dem türkischen Reiche zu bringen verspreche, günstig sei. Es finden augenblicklich Verhandlungen statt, die viel grössere V o r t h e i 1 e bezwecken, als die Aufhebung des Einwanderungsverbotes bedeuten würde. Es liegt weder ein Grund dafür vor, dass die führenden Zionisten falsche Nachrichten in die Welt setzen, noch dafür, dass man ihren ausdrücklichen Meidungen Misstrauen entgegenbringt, Vielleicht wird demnächst das 20. Jahrhundert auch nach dieser Richtung hin bedeutsame Veränderungen bringen... Es ist sicher, dass. wenn Palästina durch fleissige, arbeitsame Leute neu besiedelt wird, es binnen kurzer Zeit zu einem reichen, fruchtbringenden Lande und Staatswesen emporgebracht werden könnte." Die Nummer i> der „Jüdischen Chronik", herausgegeben von Dr. Adolf Kur rein in Teplitz, bringt eine Reihe ausgezeichneter Artikel. Hervorzuheben ist die Abhandlung „Die Saison der V orlesungen", die sich mit der Frage der geistigen Hebung der Juden beschäftigt und die neue Institution der jüdischen Toynbee-Hallen als einen wohlgelungenen, glücklichen Wurf der Zionisten besonders berücksichtigt. Die Abhandlung schliesst mit der Hoffnung, „dass die Toynbee-Halle einen kräftigen P u 1 s s c h 1 a g in den Massen erregen werde und die Juden wieder jüdischen Vorträgen lauschen und jüdische Büchel* lesen w erde n". Ein Brünner Berichterstatter über die C u 11 u svorstands wählen sucht sich auf objectiven Boden zu stellen, scheint uns aber trotz der Complimente, die er für die ,Jüngsten" am Lager hat? dennoch viel zuviel ausgleichende .Gerechtigkeit^' zu ubeii,' für die ihm höchstens die „A'eltes^eVi'^'d^ Zu erwähnen sind noch die Artikel: „Das Studium der Bibel" (Schluss) von Samuel Meiseis und die ausgezeichnete Abhandlung Dr. Kurreins: „Die Frau im jüdischen Volk e." Jüdisches Jahrbuch. Lemberg. „Jüdisch er Vorlag." G. m. b. H. — Ein zierliches Büchlein mit einer farbigen Titelblattzeichnung von dem begabten jüdischen Maler Wachtel. Ein Jude am Betpulte, das sinnende Haupt auf den Arm gestützt, im Hintergrunde die goldigen, siebenarmigen Leuchter, vorne ein Judenknabe, der inbrünstig in sein Gebetbuch vertieft ist Etwas Feiertägliches, Hoheitsvolles, gar nicht an die alltäglichen Sorgen und Demüthigungen Erinnerndes liegt in dem Juden, wie er so vor seinem Gotte dasteht, der sich ihn unter allen Völkern auserwählt hat, auserwählt zu tausendjährigen Leiden, zu fortwährender Noth und Drangsal. Und er sinnt vielleicht, warum dies alles ist und ob eine Erlösung kommen wird. — Der Gedanke der Erlösung der Juden zieht sich durchs ganze Büchlein, von N o s s i g s herrlicher zionistischer Hymne, die es einleitet, bis zu Dr. G r ü n b e r g s scharfsinnigen Erwägungen über jüdische Socialpolitik, mit denen es schliesst, von Malz' gehaltvollem Aufsatze, der in kräftigen, gedrungenen Sätzen das Wesen des Zionismus entwickelt, bis zu der streng wissenschaftlichen ökonomischen Begründung unserer Idee durch Dr. A. Korkis und den nüchternen, lehrreichen Ziffern, mit denen Dr. Gabel die Judenfrage in Oesterreich illustriert. Ein Bild aus dem jüdischen Leben gibt uns in einer trefflichen, naturwahren Skizze: „Jankiel — Factor* — Makler, Factotum — Wilhelm F e 1 d m a n n, der bekannte Schrittsteller, der, wie viele andere Gegner des Zionismus, ausgieng, um zu fluchen, und damit endete, dass er segnete. Gedichte von Donath und Lutwak, Scherlags poetische „Legende", Berthold Fei weis Stimmungsbild „Golus", das aus den Kämpfen und Stürmen des Golus ein starkes Judengeschlecht erhofft, und W. Ch.'s sehnsüchtiger „Ruf nach Erde" vervollständigen den belletristischen Theil des Büchleins. Ein interessanter Aufsatz B ö rri es v. Münchhausens über seinen Freund, den Maler E. M. Lilien, Stauds Artikel Lublinski, dann noch die sachlichen Aufsätze Ben-Josefs über die Colonialbank und Ingenieur Lau's über die Schaffung einer Industrie in Palästina — und der reichhaltige und mannigfaltige Inhalt ist erschöpft. H. Eine neue und eigenartige Monatsschrift erscheint von Ende dieses Monats ab im Verlage von S. C a 1 v a r y & Co., Berlin NW. 7 unter dem Titel „Ost und West", Illustrierte Monatsschrift für modernes Ju d en t h u m. Die Zeitschrift wird aus der Feder namhafter Gelehrter und Schriftsteller kurze Aufsätze über Kunst, Wissenschaft und Literatur des alten und modernen Judenthums neben reichem lliustrationsschmuck und vorzüglichen Reproductionen von Kunstwerken bringen. Zu ihren Mitarbeitern gehören: Professor Lazarus, Nahida R e m y, Max N o r d a u, Professor Ludwig Geiger, Prof. Martin Philippsohn, Dr. Alfred Nossig, Dr. S. B e r n f e 1 d. S. Lublinski u. a. Jede Nummer wird ferner eine Revue der Presse und Reproductionen in grösserer Anzahl enthalten. Die Titelzeichung ist von dem bekannten Künstler E.M.Lilien. Wegen Probenummern wende man sich entweder direct an den Verlag oder an eine bessere Sortiments-Buchhandiung. Die Jänner- Nummer hat folgenden Inhalt: * * * „Ost und West". Doctor Alfred Nossig: „Die Zukunft des Judenthums . Martin B u b e r : „Jüdische Renaissance". H. Liwschütz: „An den Wassern Babels". Chorlied. Prof. Dr. Ludvv. Geiger: „Esther in der neuen Literatur". (Mit Illustrationen.) Doctor K. Waldberg: »Der Chassidismus". (Mit Illustrationen.) J. L. Perez: „Der Rabbi und der Z:\ddik". Ein Bild aus dem chassidischen Leben. Dr. Ernst T u c h : „Die wirtschaftliche Aufgabe der deutschen Juden". Dr. S. B e r n f e 1 d : „Hebräisch als Cultursprache". (Mit Illustrationen.) B. Ebenstein: „Ein vergessenes Stück Palästina". (Mit Karten.) Ben Israel: „Der ewige Jude*. Gedicht. S. Lublinski: „Ein jüdischer Roman*. Dr. Th. Z 1 o c i s t i: „Juda". (Mit Illustrationen.) Miscellen, Aphorismen, Revue der Presse. Illustrationen (ausser den zum Text gehörigen) : „Der ewige Jude" von Alfred Nossig. „An den Wassern Babels" von Ben dem an n. „An den Wassern Babels", Sculptur von E b e r l e i n, etc. Unser wackeres Bruderblatt, die „Jüdische Volksstimme" in Brünn, beschliesst mit der Nummer 24 seinen ersten Jahrgang, und benützt diesen Anlass, um in einem Leitartikel zu entwickeln, was das Blatt sich vorgesetzt und wie es seine Aufgabe erfüllt hat. „Sind wir auch nicht im Besitze gewaltiger Mittel", so schliesst der Artikel, „zwei Dinge machen uns stark: Der ehrliche Wille und die Unabhängigkeit! Wer diese beiden ehrt, wird auch unser Freund, unser.Förderer sein." — Wir. j weif ein nicht, dass das vortreffliche örgan zii den alten {n{o<rh viele neue Freunde finden wird. Glück auf zum zweiten Jahrgang

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