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Die Welt · 1901-01-18 · 3 (18.1.1901) · p. 12

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
5 (1901)
Issue
3 (18.1.1901)
Article
Ein literarischer Streitfall
Date
1901-01-18
Page
12 (sequence 3)
Language
German
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Seite 12 „Die & Welt*4 Nr. 3 Die ergte Strophe bei Bodenstedt: „Es trauern die Männer von Dsighe, Gesang tönt und klagendes Spiel: Denn der Schönste des Volks der Adighe, Pschugui, der Furchtlose, fiel! u. s. w*" hat Herr Albert K a t z wohlweislich fortgelassen, ebenso die gleichlautende zweite Hälfte der letzten Strophe. (Vergleiche hierzu die Anmerkung von Max H e c k e r zu seinem Artikel „Die Bergjuden im Kaukasus" in Nr. 6 der „Jüdischen Turnzeitun*?".) Einige kleine Abänderungen machen den Kohl nicht fett: Es sind eingesetzt einmal für „Moskow" [S. 23, Z. 4] „Feinde" ein zweitesmal [Z. 18.] „Edomu, für „weiche Haar" [Z. 22] verballhornisiert „Lockenhaar", für „Allah" [Z. 26] „Gott Dir", und endlich für „Die Menge" [Z. 30], „Judas Stamm." Sonst ist es wörtlich copiert. Den Helden Mamre (vgl. S. 25) hat Katz der mehrfach genannten Novelle von Nemirowi6-Dancenko (S. 111) entnommen. Wir Judensin d ein poetisch viel zu reiches Volk um uns an Fremden bereichern zu müssen. Eß gehört nicht uns! Unsere Hände sind rein! Es folgt nur noch ein kurzer Abschnitt V von S. 23 unten bis S. 27 oben. Hier benutzt nun der Verfasser eine neue Quelle, nämlich R v. Erckert: Der Kaukasus und seine Völker. Leipzig 1887. Wie sehr er dieses Werk angesehen hat, ersieht man daraus, dass er consequent den Autor Eckert nennt. Gleich zu Beginn dieses Abschnittes gibt Katz die Zahlen der Bergjuden nach Erckert und Hahn an, beide durchaus anders als diese Gelehrten, in deren Namen er die Zahlen überliefert (s. dazu Hahn: Aus dem Kaukasus S. 181 und Erckert a. a. O. S. 298, 299.) Auf *S. 24 ist ein langes Citat aus Erckert gegeben. Dieses Citat ist dadurch verunechte t, dass er f drei unzusammenhängende Stellen aneinander klebt (s. a. a. O. S. 303, 300, 302.) Damit überträgt er, was v. Erckert an anthropologischen Hypothesen von den russischen Juden ganz im Allgemeinen sagt, in Erckeris Namen auf die Bergjuden und verlegt in diesem neuen Zusammenhang Auapa, Kertsch und Olbia in den Kaukasus.- Dass bei dieser Gelegenheit der Druckfehlerteufel sich gerade wieder drei fremde Namen Chorene (Chorone), Anapa (Knappe) und Olbia (Olbid) aussuchte, ist direct boshaft von dem p. Teufel. Nachdem noch ein bischen Nemirovic-v Danöenko dem v. Erckert untermischt wurde und; Erckert (vgl. dagegen v. Erckert a. a. O. S. 239) für die in ihrer Lebensweise den Juden auffallende Aehnlichkeit der Zachuren herhalten musste, kommt ein 35zeiliger Schluss, der als Katz' eigener Zusatz zu betrachten ist. Ich will ihn nicht beurtheilen. Das ist in gedrängtester Kürze eine Quellenanalyse für „Die Juden im Kaukasus" von Albert Katz. Ich befinde mich aber bei dieser Kritik in einem bösen Dilemma: Gebe ich nämlich ein kritisches Urtheil ab, so klagt Herr Katz mit Hilfe zweier Rechtsanwälte auf Grund von § 185 des Strafgesetzbuches für das Deutsche Reich wegen Beleidigung, und drucke ich etwa die abgeschriebenen Stellen seiner Schrift nebst den dazugehörigen Quellen als Beweis meiner Kritik ab, so darf ich sicher erwarten, dass er wegen unbefugten Abdruckes seines Buches, d. h. wegen Plagiats, einen Pressprocess gegen mich anstrengt. Eine Anmerkung, deren Abdruck an der betreffenden Stelle des Kalenders bemängelt und zurückgezogen werden musste, ist abgesehen von der örtlichen Placierung der Stelle und von dem in meiner Erklärung zurückgenommenen Ausdrucke, objectiv aufrecht zu erhalten. Auch vor Gericht blieb Herr Katz dabei, dass der wahre Talmudjnde nicht eine Uebersetzung von Suvalskys Tö^m bj? "HUT!! ^FT? sondern ein mit leichter Anlehnung an dieses Buch verfasstes eigenes Geistes¬ und Wissensproduct sei. Unter Hinweis auf §185 des Strafgesetzbuches für das Deutsche Reich erkläre ich nur, dass Herr J. S. Suvalsky mir in Gegenwart anderer Delegierten persönlich am 1. September 1898 zu Basel bitter und in beweglichen Worten sein Leid geklagt hat, dass Katz sein (Suvalskys) Buch unter Katz' Namen herausgegeben hübe. Katz schreibt auf Seite XIII seiner Vorrede, er habe sich des Werkchens (sie!) von Suvalsky bedient. Es bleibt abzuwarten, ob Herr Katz auch Suvalsky auf Grund der §§ 185—187 und 200 verklagen wird. Herr Katz Hess durch seinen Vertreter, den Justizrath Bry, meine Recension einen „literarischen Steckbrief" nennen. Ich wiederhole daher an dieser Stelle, dass mir der *) Dieses „zuweilen" ist von K a t z|hinzugefügt, während er d^en Nachsatz fortlässt, in dem sich N.-D.!s ganze judenfeindliche Gesinnung wie auch sonst sehr oft schroff und gehässig ausspricht. Buchhändler Herr Albert Katz recht gleichgilüg ist, dass aber der Schriftsteller Katz es sich gefallen lassen muss, wenn ihm ein Balg abgezogen wird, der ihm nicht gehprt. Und" nun zum Schlüsse! Im , Israeli tischen Volkskalender" für das Jahr 1894 — 5654 ist eine Erzählung: „Der Zar und der Rabbi." Nach dem Russischen (!) von Albert Katz. Wer ist der Autor? — In demselben Kalender für das Jahr 1895 — 5655 ist wiederum eine Erzählung : „Ein Fasttag." Erzählung aus dem jüdischen Volksleben. Frei nach dem Polnischen von Albert Katz Und wer ist d a der Autor? Beide Erzählungen sind mit noch zwei verwandten ohne weiteres und ohne die Zusätze „Nach dem Russischen" und „Frei nach dem Polnischen* als geistiges Originaleigenthum von Albert Katz in dem Buche: „Aus alter und neuer Zeit." Erzählungen aus dem Leben der Juden in Polen von Albert Katz, Prag, bei Jacob B. Brand eis gedruckt. Das Titelblatt trägt den Rückvermerk: „Alle Rechte, auch das der Uebersetzung in fremde Sprachen, vorbehalten.4 Es liegt im Interesse der jüdischen Literaturgeschichte, festzustellen, wer die Autoren der Originalnovelien im Polnischen und Russischen sind. Es möge genügen, dass ich heute nur dieses Material zur Erhärtung meines objectiven Urtheils auf Seite 37 des „Jüdischen Volkskalenders" (die Arbeit ist auch besonders im Verlege von H. Bardorfzu Charlottenburg erschienen) beibringe. Es geschieht im Interesse der Freiheit der objectiven Kritik auf dem Gebiete jüdischen Schriftthums, Auch nach wie vor werden mich solche kleinen Unannehmlichkeiten nicht abhalten, die Wahrheit zu sagen wenn ich sie kenne. ^pibäne. (Für Form und Inhalt dieser Rubrik übernimmt die Redaction keine Verantwortung.) Wir erhalten folgende Zuschrift: Wien, am 11 Jänner 1901. Hochgeehrte Redaction! Wir möchten Sie um Aufnahme folgender Zeilen höflichst ersuchen : Die „Leseun dRedehalle jüdischerHochschüler" ist durch die Erweiterung ihrer Räumlichkeiten und durch den Beitritt zahlreicher neuer Mitglieder bedeutend vergrössert worden und sieht einem stetigen Aufschwünge entgegen. Nur der Zustand unserer Bibliothek lässt noch viel zu wünschen übrig, andererseits kann durch Neuanschaffung von Büchern in dieser Beziehung kein so rascher Aufschwung erfolgen wie in den übrigen Angelegenheiten unseres Vereines. Darum wenden wir uns an unsere Gönner und Freunde mit der Bitte, uns, soweit es möglich, durch Bücherspenden zu unterstützen, da Wir nur durch eine gründliche Verbesserung unserer Bibliothek unsere Aufgabe, ein geistiger Sammelpunkt der jüdischen Hochschüler zu werden, voll und ganz erfüllen können. Hochachtend Der Ausschuss der „Lese- und Rede halle jüdischer Hochschüler" Wien, IX., Währingerstrasse Nr. 24. JgeifscbFiftei)* ut)d Jiäcfret3* Rundschau, Die in Paris erscheinende internationale Revue „L'humanite nouvelle" bringt in ihrem Septemberheft 1900 von der internationalen revolutionären studentischen Socialistengruppe einen Aufsatz, der als ein Bericht dem Socialistencongress 1900 vorgelegt wurde. Der Artikel, der sich „Antisemitismus und Zionismus" betitelt, sagt nichts Neues. Was dort über das Eindringen des Judenhasses, zumal in die Mittelstandsciasse und die Grossgrundbesitzer, gesagt wird, ist ebenso abgeleiert als platt. Für den Zionismus ist natürlich nicht das leiseste Verständnis zu finden. Ein Satz sei aber herausgehoben, er lehrt was unsere jüdischen Arbeiter von der Socialdemocratie zu hoffen haben. „Wir sind keine Zionisten, weil die Auswanderung der Juden die active proletarische Masse vermindern würde.

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