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Die Welt · 1901-01-18 · 3 (18.1.1901) · p. 2

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Journal
Die Welt
Volume
5 (1901)
Issue
3 (18.1.1901)
Article
Das Jahr 1900
Date
1901-01-18
Page
2 (sequence 2)
Language
German
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Seite 3 „Die & Welt" Nr. 3 schaftliche und geistige Verfassung der Juden bildet ihren ganzen Besitzstand. Umso dringender thüt es Noth, dass sie, solange ihnen die Heimstätte noch nicht gegeben ist, die ihnen eine bedeutende Entfaltung und Vermehrung ihres Besitzstandes gestatten wird, ihr nationales Gut sich zu erhalten und es auf möglicht feste Grundlagen zu stellen trachten. Das waren die Gedankengänge, welche die Aufstellung der „Fragen der körperlichen, wirtschaftlichen und geistigen Hebung der Juden" als neuen Verhandlungsgegenstand der Gongresse veranlassten. Der Congress hat noch kaum mehr als eine Parole für die Behandlung dieser Fragen ausgegeben. Un$ schon entwickelt sich eine, allerdings noch nicht systematische, aber sehr eifrige Thätigkeit auf diesen Gebieten. Manchmal sind es Versuche,: fast zaghaft unternommen, deren glücklicher Ausgang andere zu analogen Gründungen veranlasst. Insbesondere wurde der Frage der geistigen Ausbildung der jüdischen Massen eine erhöhte Aufmerksamkeit zugewendet. Lehreurse, Schulen, Lesehallen und Bibliotheken wurden in verschiedenen Ländern in grosser Zahl gegründet. Diesen Institutionen gliederten sich neuestens die jüdischen Toynbeehallen an. Was die Einrichtungen betrifft, die eine körperliche Hebung der Juden bezwecken, so begegnet vor allem das Turnwesen einem erhöhten Interesse, das sich hoffentlich bald auch auf die anderen Zweige der auf diesem Gebiete geplanten Actionen erstrecken wird. Institutionen, die eine wirtschaftliche Kräftigung der Juden zum Zwecke haben, wurden gleichfalls begründet oder werden zur Zeit vorbereitet; doch steckt die Behandlung dieser Frage, die allerdings beiweitem die schwierigste ist, noch in den Anfängen. Durch eingehende Berathungen der kommenden Gongresse werden auch hier weite Arbeitsfelder erschlossen werden. Alles in allem kann man sagen, dass die neue Parole des vierten Congresses überall mit Freude aufgenommen wird und mit grossem Ernste in That umgesetzt wurde. Es ist nur erfreulich, dass dem nächsten Congresse nicht mehr theoretisches Material allein, sondern auch die in verschiedenen Ländern gesammelten, zwar nicht vollständigen, aber doch wertvollen Erfahrungen zur Verfügung stehen werden. Die zionistische Organisation ist noch immer in der Ausbildung und Vervollkommnung begriffen. Allerdings ist die möglichst einfache Organisation ^iner Weltbewegung kein leichtes Werk. Vor allem wurde im vergangenen Jahre an" der Ausgestaltung der Landesorganisation gearbeitet, die in manchen Ländern bereits ausgezeichnet funktioniert. Auch diese Arbeit wird In den kommenden Jahren ausgebaut werden müssen. Das System der Schekeleinhebüng hat man ini verflossenen Jahre mit Erfolg zu vereinfachen und zu verbessern versucht. Auch die Resultate der Agitation sind keine geringen. Sehr erfreuliche Nachrichten über die Gründung lamderter neuer Vereine sind uns zugekommen. Man meldete Ortsgruppen und Schekelzahler aus Gegenden, deren Namen oft ausgezeichnete^geographische Kenntnisse auf eine harte Probe stellt. Glieder des jüdischen Volkes, die durch Jahrhunderte, ja Jahrtausende vom Stamme losgelöst waren, werden durch den Zionsgedanken von Neuem mit der Nation vereinigt. Am interessantesten ist wohl die Thatsache, dass sich Volksgenossen uns zugesellt haben, die am Rande der afrikanischen Wüste wohnen. Noch andere Beispiele beweisen die wunderbare Werbekraft des Zionismus. So wurden im Staate Indiania und in Westaustralien im verflossenen Jahr.e zionistische Gruppen gebildet In den letzten sTagen .wird die Gründung eines zionistischen Vereines auf den Philippinen gemeldet» Gegenüber solchen Thatsachen müssen denn doch die kleinlichen Nörgeleien unserer Gegner, die es manchmal nQch lieben, den Zionismus als eine jüdische Fractkm m. bgfräcMen, demüthig verstummen. Auch die Agitation ist noch in der Entwicklung begriffen und wird sich in vieler Hinsicht noch vervollkommnen und ausbilden müssen. . Es wird das umso leichter fallen, als sich — dank der (bisherigen Agitation — ^selbst die > zionsfeindliche Öffentlichkeit und insbesondere die Presse, auch wenn es nicht zugestanden wird, unserer Auffassung in sehr vielen Dingen genähert hat. Wir wollen noch hervorheben, dass die Zionisten im vergangenen Jahre zum erstenmale den Versuch gemacht haben, ihre Vertreter in die öffentlichen Körperschaften zu entsenden. Der Ausgang hat gezeigt, dass es bei einigem Fleisse den Zionisten gelingen wird, überall in den jüdischen Gemeinden ihren Einfluss zur Geltung zu bringen. Auch dieser Theil der zionistischen Arbeit wirderst in den kommenden Jahren den vollen Erfolg bringen* Endlich sind im verflossenen Jahre die vorbereitenden Arbeiten für die technische Erschliessung Palästinas und die Begründung industrieller Unternehmungen durchgeführt worden. Der Grundstein ist gelegt Wie bald man das Gebäude wird aufführen können, das hängt vor allem von der Theilnahme ab, die die Zionisten der „Jüdischen Colonialbank" entgegenbringen. Die Schädigung, die die Bank vor allem durch die rumänische Katastrophe erfahren hrt, i>t durch die flottere Einzahlung in den letzten Monaten und durch die Thätigkeit der Share-Glubs zum Theile wettgemacht worden. Aber die Theilnahme für die Bank muss noch vervielfacht werden. Es gehört zu den nächstliegenden Aufgaben, der Colonialbank die Eröffnung ihrer Thätigkeit in naher Zeit zu ermöglichen. Wenn wir über den Zionismus von 1900 referieren, dürfen wir auch mit Genugthuung von der Hilfsaction sprechen, die für die nothleidenden palästinensischen Arbeiter seitens der Zionisten eingeleitet wurde. Das ist im Grossen unsere Bilanz von 1900. Ein gutes Jahr für unsere Bewegung, doppelt gut, weil es vorgesörgt hat, dass bessere nachfolgen. Israel unter den Völkern. Von Max Nordau.*) (Fortsetzung.) * In Deutschland nähmen die Juden an den Geschicken und Wandlungen des Keiches einen Hauptantheil. Sie gesellten sich den Arbeitern und den Führern zu und standen überall in den vordersten Reihen, obgleich ihre Lage in diesem Lände just nicht günstig war und der Hass, der in den letzten Jahren unter dem Namen Antisemitismus neu erwacht ist, damals unter anderen Bezeichnungen gegen sie wüthete, zuweilen mit grosser Heftigkeit, zuweilen blos im Stillen, zu allen Zeiten aber ohneUnterlass. Johann Jacobi gab in seiner Schrift „Vier Fragen eines Ostpreussen", die im Jahre 1840 erschien, den ersten Anstoss zu einer neuen Bewegung, die von da ab immer weitere KrejLse im Lande zog und schliesslich nach Verlauf von acht Jahren zur Gewährung der Constitution führte. Im ersten deutschen Parlament in der Frankfurter Paulskirche, dem Männer wie U h 1 a n d, Ä r n d t, Jan n, die hervorragendsten Dichter, Gelehrten und Staatsmänner, die das deutsche Volk im vorigen Monschenalter hervorbrachte, angehörten, führte der *) Aus dem von N. S p ..Je o l o w jherau^sge^bpen fiebräischen Jahrbuche ''"(Sefei*'';" Hay.chäii^h). Ücbersetzt;>^n; Mo riz Zobel. .

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