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Die Welt · 1901-01-11 · 2 (11.1.1901) · p. 9

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Journal
Die Welt
Volume
5 (1901)
Issue
2 (11.1.1901)
Article
Siehe "Österreichische Wochenschrift"!
Date
1901-01-11
Page
9 (sequence 2)
Language
German
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Nr. 2 Die & Welt" Seite 9 W einer lässt seine Predigt nur insoferne in einem günstigeren Lichte erscheinen, als er ausdrücklich als die Quelle seiner Ausführungen nicht Doctor Norclau's Artikelserie in der „Welt" anführt, sondern sich auf die Darstellung berutt, die diese Artikel in Doctor Bloch's „Wochenschrift" gefunden haben. Wir können Herrn Doctor Weiner versichern, dass unser Referent gut czecbisch versteht, aber ein Rabbiner, der aus Bioch schöpft, der versteht sehr, aber schon sehr schlecht jüdisch. Deutsche Chronik. Der Rabbinerverband und die Konitzer Affaire. Wie das „Isr. Familienbl." in Nr. 52 berichtet, hat der Centralausschuss des deutschen Rabbiner Verbandes am 25. December v. J. in Berlin seine diesjährige Sitzung abgehalten. Aus den Verhandlungen hebt das Blatt einige Punkte hervor, „welche das weitestgehende öffentliche Interesse der deutschen Gesammtjudenheit beanspruchen dürfen." Das Blatt fährt hierauf fort: „Es kann nur anerkennend begrüsst werden, dass die berufenen Geistesführer und Künder unserer heiligen Lehre auch an den bewegenden grossen Zeitfragen, getreu der alten Rabbitradition, nicht achtlos vorübergehen." Nach diesem Lobgesange auf etwas, das doch ganz selbstverständlich ist, wird man neugierig fragen, zu welchen Thaten sich der deutsche Rabbiner verband aufgeschwungen hat. Man höre nun und staune! „So hat sich der Centralausschuss des deutschen Rabbinerverbandes gegenüber der anlässlich der Vorgänge in Könitz wiedererwachten Ritualmordlüge nicht unthätig verhalten, vielmehr nach Lage der Sache und unter verständiger Berücksichtigung des gebotenen Grades der Zurückhaltung im Einvernehmen mit anderen competenten und jüdischautoritativen Kreisen'eine „Erklärung seitens der Rabbiner Deutschlands" zu den Konitzer Vorgängen fertiggestellt und sie einstweilen dem Vereine zur Abwehr des Antisemitismus zur Verfügung gestellt, dem die Bestimmung des Zeitpunktes der Veröffentlichung anheimgestellt worden ist." — Man könnte fast an dem Ernst dieses Berichtes zweifeln und ihn für eine Satire halten; so muthet er einen an. Der Bericht ist aber durchaus ernsthaft gehalten; auch liegt kein Grund vor, an seiner Richtigkeit zu zweifeln. Wir haben hier eine Probe vor uns, in welcher Weise die „berufenen Geistesführer und Künder unserer heiligen Lehre" ihr Interesse an den „bewegenden grossen Zeitfragen" bekunden. Als die Wogen der Konitzer Bewegung hoch giengen, hat der Rabbinerverband es nicht für zeitgemäss gehalten, mit einer Erklärung hervorzutreten. Nachdem nun seit mehreren Monaten durch die Thätigkeit der Gerichte sich die Aufregung gelegt hat und das Interesse an der Sache in weiteren Kreisen erkaltet ist, rafft sich der Rabbinerverband zu einer mit „verständiger" Zurückhaltung abgefassten Erklärung auf, d. h., er hat sie erst fertiggestellt, kann sich aber immer noch nicht zu ihrer Veröffentlichung entschliessen, sondern überlässt es dem Vereine zur Abwehr des Antisemitismus (!), ob und wann er von der Erklärung Gebrauch machen will. Weiter kann man die Vorsicht wirklich nicht treiben. Sie ist bekanntlich der beste Theil des Muthes. (Anmerkung. Wie viel rascher war doch der deutsche Rabbinerverband mit seiner Erklärung gegen den Zionismus zur Stelle!) K. Nlakkabäer-Feste. Berlin. Sonntag den 16. December veranstaltete die Jüdischnationale Frauenvereinigung eine M akkabäerfeier, und dem erst seit Jahresfrist bestehenden Vereine ward, die Freude zutheil, nahezu 500 Personen begrüssen zu können. Mit den Worten: „ J u d e n sind wir und wollen es bleiben bis in alle Ewigkeit!" eröffnete Fräulein Lina T a u b e r, die erste Vorsitzende, die Feier, der Herr Dr. Bleichrode, der hochverehrte Leiter der hebräischen Spracheurse der Vereinigung, durch das Anzünden des Chanukalichtes die rechte Weihe gab. Hierauf sprach Herr Martin Buber*als Festredner in bewegten Worten von den herrlichen Thaten unserer Vorfahren, der Makkabäer, die Heimat, Vermögen und Leben freudig hinopferten für die Aufrechterhaltung ihres nationalen Judenthums. Im Hinweise auf die Vereine schioss der Redner, indem er ausführte, dass es zum grossen Theile in die Hände der Frauen gegeben sei, ihre Söhne im Sinne der Kämpfer von Modin zu erziehen. Auch von den Frauen unserer Zeiten müsse man sagen können : „Heil euch Frauen, Mütter der Makkabäer!u Im Laufe des Abends wechselten musikalische mit declamatorischen Vorträgen ab. Möchte es uns vergönnt sein, im nächsten Jahre dieses herrliche Nationalfest im Kreise noch zahlreicherer Gäste und Mitglieder feiern zu dürfen. An unsere jüdischen Mitschwestern, Frauen und Mädchen richten wir die Bitte, sich uns anzuschliessen auf unserem Wege, auf dass unser freudiger Stolz, Juden zu sein und Juden bleiben zu wollen, immer grössere Verbreitung finde. München. Der „Verein jüdischer Studenten" in München veranstaltete am 17. December v. J. zur Erinnerung an die gewaltige Helden- und Si^gesepoche des Judenthums eine Makkabäerfeier, in deren Verlaufe sich zeigte, dass wahre Liebe und echte Begeisterung für die grosse Geschichte unseres Volkes, wenigstens in einem Theil der jüdischen Studentenschaft, noch nicht erloschen ist. Die Spitzen der Münchener jüdischen Gemeinde bewiesen durch ihre Anwesenheit ihre Theimahme an den Bestrebungen des jungen \ ereines. Ferner waren drei Vertreter der jüdischakademischen Verbindung „ü n i t a s;' (Wien), ungeachtet der weiten Reise, erschienen, um ihre Sympathien persönlich zum Ausdrucke zu bringen. Als Einleitung zur Feier kam eine Claviei-piece des Herrn Ziegler (Phantasie über Moaus zur jeschuosf) zum Vortrag. Es folgte dann das von Herrn stud. Friedinge r gedichtete und componierte Weihelied, „Treueschwur" betitelt, welches mit Recht verdient, der Oeftentliehlceit übergeben zu werden. Im Anschluss an das Weihelied hielt Herr stud. Riuser die Begrüssungsrede, in welcher er allen Gästen für ihr Erscheinen dankte und in kurzen Umrissen die idealen Bestrebungen des Vereines klarlegte. Den Höhepunkt des Abends bildete die Festrede des Herrn stud. J. Citron. In poetisch-philosophischer Form, mit hinreissender oratorischer Gewalt erzählte er von jener erhebenden Zeit, in der unsere Väter für ihre Freiheit freudig ihren letzten Blutstropfen vergossen haben. Jubelnder Beifall zeichnete den jungen Festredner aus. der es verstanden hatte, alle Anwesenden mit sich fortzureissen. Noch mancher schöner Gedanke wurde ausgesprochen, noch manches von echt jüdischem Geiste eingegebene Wort gesagt. Von den Rednern. Rabbiner Dr. W e r n e r, H. Frankel, H. F ü r s t, Wolf (Unitas) konnte auch nichts andet es erwartet werden. Nachdem noch Herr stud. Boschwitz einen Ueberblick über die Entstehungs- und Entwicklungsgeschichte des Vereines gegeben und mit einigen Worten auf das Gedeihen der Freundschaft mit den Cartellvereinen seinen Toast ausgebracht hatte, wurde die Zeit bis zum Schlüsse des of'ficiellen Theiles mit musikalischen und declamatorischen Vorträgen ausgefüllt. Die jungen Söhne der Alma mater aber blieben noch in fröhlicher Chanuka-Stimmung bis tief in die Nacht hinein beisammen. An diesem Abend musste es jedem zum Bewusstsein kommen : Solange solche Vertreter der heranwachsenden jüdischen Generation an unseren Universitäten studieren, braucht uns um die Zukunft des Judenthums nicht bange zu sein. S. B. Englische Chronik. Londen. Die vierteljährliche Versammlung des Central-Comites der „English Zionist Federation" fand am 6. Jänner 1901 in London im Vestry Room der neuen Synagoge statt. London. Die Conferenz sämmtlicher zionistischer Vereine Londons fand Samstag den 22. December 1900 abends im Three Nuns Hotel statt. Den Vorsitz führte Mr. L. J. Greenb e r g. Vertreten waren folgende Vereine: „West Central Zionist Society", ,.North London Zionist Society", „Bnei Zion", „Knights of Zion", „Young Zion". „Benoth Zion", „Mile End Zionist Society", „Menachem Zionu, „Machneh Zion", „Ouzrey Zion", die zionistische Section der „Divisional Society", die Londoner Share - Clubs otc. Die Conferenz endete mit der Annahme folgenden Beschlusses: „Die Con-

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