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Die Welt · 1901-01-11 · 2 (11.1.1901) · p. 5

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Journal
Die Welt
Volume
5 (1901)
Issue
2 (11.1.1901)
Article
Israel unter den Völkern
Date
1901-01-11
Page
5 (sequence 2)
Language
German
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„Die 5$ Welt4* Seite 5 als zur Pflege und Förderung specifisch jüdischer Interessen. Eine Ausnahme macht nur die Vereinigung jüdischer Parlamentarier in England, die feste Stütze der „Anglo Jewish Association". Seit Jahr und Tag benützen diese Männer ihre Stellung im ersten Parlament; der'Welt und ihren Einüuss auf die Reichsregierung dazu, das Mitleid ihrer christlichen Nachbarn mit den bedrückten Juden in Rumänien wachzurufen und die britische Regierung zu bewegen, sich der leidenden Brüder anzunehmen. Diese Männer, die Bannerträger des jüdischen Volksthumes in England, sind nach angelsächsischer Methode und in den Fussstapfen ihrer christlichen Mitbürger zu Mannesmuth und Selbstbewusstsein erzogen worden und sollten vorbildlich sein für ihre kleinmüthigen, feigherzigen Glaubensgenossen, die auf der Stelle erbleichen, sobald ihnen der Gedanke aufsteigt, jemand könnte ihre Abstammung errathen und ihnen aus ihr einen Vorwurf machen. Viel, das versteht, sich von selbst, konnten die wackeren Männer der „Anglo Jewish Associaion" für ihre Brüder in Rumänien nicht thun. Für die Juden in Galizien oder in Algier konnten sie gar nichts thun und auch für die Juden in Persien und Marokko war ihre Thätigkeit nur vongeringem Nutzen. Aber ihre Absicht war lobenswert, und wenn auch nicht der volle Erfolg, so hat doch der Strahlenkranz des Ruhmes ihr thatkräftiges, verdienstliches Streben gekrönt. % In den Parlamenten anderer Länder konnte man während der letzten zwanzig Jahren niemals jüdische Abgeordnete oder Senatoren sehen, die für die Angelegenheiten der Juden ihres Landes, geschweige denn anderer Länder gewirkt hätten. Und an lebhaften eingehenden Debatten über diese Angelegenheiten hat es doch wahrlich nicht gefehlt, es war also Gelegenheit, Nothwendigkeit und Anlass vorhanden, in die Bresche zu treten und für die gute Sache einzustehen. Im deutschen Reichstage und im preussischen Abgeordnetenhause haben ab und zu die christlichen Abgeordneten Rick er t, Hänel, Traeger, Barth, nachmal auch Richter, Pachnitzky und Dr. Lieber das Wort ergriffen zur Vertheidigung der Juden, der Mund der Juden und jüdischen Täuflinge jedoch war fest verschlossen. In den Debatten über die Affaire iii der französischen Kammer haben sich die Juden Raynal, Naquet, Cremieux nicht ein einzigesmal vernehmen lassen. Dem ungarischen Parlament fehlt es nicht an jüdischen Abgeordneten, diese haben jedoch selbst zur Zeit, als der Nachklang der heftigen Erregung, die die Blutbeschuldigungin Tisza-Eszlärheraufbeschwor, im Abgeordnetenhause widerhallte, unverbrüchliches Stillschweigan bewahrt. Die gleiche Erscheinung konnte man in den letzten Jahren auch in Wien wahrnefimen, wo nicht einmal ein leiser Hauch den Lippen der jüdischen Abgeordneten entschwebt, während in österreichischen Landen die Juden mit Füssen getreten und jeder Willkür preisgegeben werden und während ihre Collegen Lue g er, Schneider und Gregor ig ihnen zurufen: „Die Juden sind keine Menschen", „Die Regierung muss Schussgeld für die Köpfe der Juden aussetzen % „Die Juden stehen ausserhalb des Gesetzes, der Menschenliebe und des Ehrbegriffes." Nun ist aber der jüdischer Politiker nur dann unsichtbar und unhörbar, wenn es sich um jüdische Angelegenheiten handelt, sonst aber zeigt er lebhafte Neigung, in den Vordergrund zu treten und es in eifriger, anregender und spornender Theilnahtne an den Discussionen allen zuvorzuthun, was ihm auch häufig gelingt. Unter den jüdischen Abgeordneten gibt es keine Bankquetscher nach dem Muster jener heiligen Einfaltspinsel, deren es in jedem Vertretungskörper gibt unä die, von dem Gefühl ihrer Würde beseligt, in blöder Theilnahmslosigkeit und Unthätigkeit dasitzen und nach der Decke starren. Vielleicht weil die Juden durch besondere Begabung ausgezeichnet sein müssen, um ins Parlament zu gelangen. In Deutschland haben sie tüchtige und berühmte Redner, obgleich die liebliche, hohe Gabe der Rede den Deutschen im allgemeinen versagt ist. Sie arbeiten üeissig und gründlich, auch wenn sie unter Völkern leben, die, wie die Angehörigen der lateinischen Rasse, von Natur geneigt sind, alles leichthin, oberflächlich, gleichsam bloss zum Scheine zu verrichten. Sie verstehen sich vortrefflich darauf, zwischen den Parteien zu vermitteln, Frieden zu stiften, die richtige Mitte zu finden, Auseinanderstrebende zusammenzuhalten und Streitigkeiten zu schlichten, wenn die Umstände dies erfordern. Sie sind, wo sie sich auch befinden mögen, hervorragend; manche bringen es zu Anerkennung und Weltruf und einzelne werden sogar zu Parteiführern erhoben. Es sei mir gestattet, über das Wirken einzelner berühmter Männer aus diesem Stande einiges zu sagen. Ich werde nur von denen sprechen, die in Europa bekannt sind. Die amerikanischen Persönlichkeiten kenne ich nicht genügend; bloss von Mr. S t r a u s s, der auf den wichtigen und schwierigen Posten eines amerikanischen Botschafters bei der Pforte gestellt ist, weiss ich, dass er zu den tüchtigsten Parlamentariern zählt. Ueber D Israeli ist schon alles gesagt worden, was sich überhaupt sagen lässt. Ich will nur hinzufügen, dass sein Ruhm sich noch immer mehrt. Verhallt ist die Stimme derer, die ihn als ehrgeizigen Sonderling hinzustellen suchten. Die besonnene Kritik ist zur Erkenntnis gelangt, dass sein ausgezeichneter Verstand, den seine Gegner einst als „orientalische Phantasie" bezeichnet hatten, fast etwas Prophetisches an sich hatte, und dass er bereits vor ungefähr zwanzig Jahren die ganze heutige Entwicklung der europäischen Colonial-Politik und den Wettkampf der Mächte in den überseeischen Ländern voraussah, Dinge, die keiner ausser ihm schaute und begriff. Baron Worms wurde für die Verdienste, die er sich um seine Partei und um das Reich erwarb, in den Adelstand erhoben. Der Name Lord Herschell's ist unvergänglich in der Geschichte der liberalen Partei in England. Sir Drummond Wolf kommt immer in erster Reihe in Betracht, wenn die englische Regierung angegangen wird, einen ihrer tüchtigen Räthe zur Schlichtung irgendeiner verwickelten internationalen Streitfrage zu delegieren. Sir Julian Vogel, der gewesene Premierminister von Neuseeland, hat eine ärmliche, ganz verwahrloste Colonie zur höchsten Stufe des Wohlstandes und der Gesittung emporgehoben. Mit einer eisernen Thatkraft, die den Augenzeugen geradezu sprachloses Erstaunen abrang, gieng er an sein Werk, und es gelang ihm, trotz aller Ränke und Tücken, Anleihen für die Colonie aufzunehmen und zu tilgen. Und aus allem, was er ersann und vollbrachte, wirkte und schuf, leuchtete strahlend seine Selbstlosigkeit und sein edler Charakter hervor. Ungezählte Schätze standen ihm zur Verfügung, und Millionen giengen ohne Controle und Rechnungslegung durch seine Hand; er aber starb in völliger Armuth. „Sire, verneigen Sie sich!" ruft Don Ruy G o m e z in Victor Hugos Drama „Hernani", nachdem er solche Seelengrösse geschildert hat. (Fortsetzung folgt.) Londoner Brief. 1. Jänner 190jl Manche der russischen Delegierten beim letzten Congresse sagten mir, dass die Juden in Russland die richtigsten Zionisten seien. Ich möchte die Gesinnungsgenossen gerne einladen, einige Zeit in unserer Mitte zu verbringen und ich bin überzeugt, sie werden mir dann selbst zugeben, dass die englischen Zionisten ihnen in nichts nachstehen. , Ich kann die frqudige Mittheilung machen, dass der Zionismus bei uns von Tag zu Tag an Ausbreitung ^ewin*-'

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