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Die Welt · 1899-12-22 · 51 (22.12.1899) · p. 1

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Journal
Die Welt
Volume
3 (1899)
Issue
51 (22.12.1899)
Article
Die Rassentheorie des Prinzen von Oréans
Date
1899-12-22
Page
1 (sequence 1)
Language
German
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Jahrgang fpW* Nachdem mit Jahresschluss eine sehr grosse Anzahl von Abonnements abläuft, so werden die Betreffenden erinnert, die Erneuerung rechtzeitig vorzunehmen, damit in der Zustellung des Blattes keine Unterbrechung eintrete. Die Rassentheorie des Prinzen von Orleans. Von Max Kotter. Das Jahrhunderte alte Martyrium, welches die Juden in allen Ländern und Staaten erduldelen, in die sie das Schicksal trieb oder in welche sie vertrieben wurden, hat gar mannigfache Ursachen. Unter diesen nimmt einen hervorragenden Platz ein — Fehlschluss ein. Ja, die Juden sind seit jeher Opfer einer ebenso falschen als empörenden Schlussfolgerung. Aus den sittlichen Fehlern- und Gebrechen, die dem einzelnen anhaften, wird die Corruptheit und Verwerflichkeit aller deduciert, während man wieder die Tugenden und Vorzüge des einzelnen als Ausnahmserscheinungen hinstellt. Der Herzog Philipp von Orleans, der sich den Beruf zutraut, die .französische Republik aus den Angeln zu heben, steht — was die Juden belrilTt — mit der Logik auf keinem besseren Fusse a s mit der republikanischen Staat>verlassüng. Das ersieht man ganz klar und deutlich aus einem famosen Schriftstücke, in welchem Se. Hoheit der regierenwollende Prinz der überaus geringen Meinung- Ausdruck gibt, die er nicht allein von dem Herausgeber des „Gaulois“, dem „unsauberen Juden Meyer“, sondern auch von der Rasse hegt, welcher dieser Herr entsprungen ist. Wir wollen nicht erst die Frage erörtern, ob auch der Prinz Philipp von Orleans die innere Berechtigung hat, über Arthur Meyer, von dem er sagt, dass sein Royalismus nur ein Manöver lind seine Haltung in der Afiaire Dreyfus nichts anderes „als ein seiner Rasse würdiges Geschäft sei“, ein so wegwerfendes Urtlieil zu fällen. Gewiss, Herr Arthur Meyer hat sich heiss und erfolgreich bemüht, in den Augen siltlich denkender Menschen als ein ganz erbärmliches Individuum d.izustehen. Arthur Meyer, wird es sich gefallen lassen müssen, wenn die anständigen Leute, die auch in Geschäftssachen von moralischer' Ueberzeugung sich beeinflussen lassen, ihn als einen Menschen brandmarken, der sich immer und überall bloss von geschäftlichen Rücksichten leiten lässt. Er wird sich, und daran wird ein Scheinduell so wenig wie ein wirkliches etwas ändern, von allen, die reine Hände und ein reines Gewissen haben, den Schimpf ins Gesicht schleudern lassen müssen, dass er als Royalist genau so viel wert ist wie als Antictreylüsard, dass seine Verehrung für die Orleans ebenso echt und ehrlich ist wie seine Empörung gegen ' die Juden, die für Dreyfus sich einsetzten. Aber wie kommt, möchten wir fragen, Seine Hoheit der Prinz Philipp von Orleans dazu, sich in den Chorus jener zu mengen, die es für ihr ehrliches Recht halten, Arlliu-r Meyer zu missachten? Woher die plötzlichen zarten Serupel des Prinzen, woher auf einmal seine Ansicht, „es sei höchste Zeit, emlgiltig mit Artnur Meyer zu brecnen“. Wir meinen, dass Se. Hoheit sich niemals mit Herrn Arthur Meyer befreunden durfte, wenn sie sich den Luxus gönnen wollte, eines Tages seinen Sittenrichter zu spielen. Die moralischen und geschäftlichen Qualitäten des mit Journalartikeln wie mit allem anderen speculierenden Herrn waren längst über jeden Zweifel erhaben, als Se. Hoheit und mit ihm fast der gesummte royalislisclie Heerbann ihn der Sympathie, der Freundschaf!, ja der vollsten Hochachtung würdig fanden, weil — nun weil sie ihn, sein Blatl, seine Veileumdungen und seine Ideen brauchen zu können glaubten. Die Acten über Arthur Meyer waren ebenso geschlossen, wie z. B. jene über den Major Esterhazy es zu der Zeit waren, als ihn der Prinz von Orleans öffentlich vor Zeugen auf die Wange küsste, weil — nun weil er glaubte, dass ihm dies in den Augen der von dem toihvülhigsten Dreyfus-Hasse verblendeten Armee nützen werde. Der Prinz, der, solange er Arthur Meyer brauchte, ihm die Hand drückte, hat damit, dass er ihn nicht mehr verwenden kann oder will, noch nicht das Recht erwirkt, ihm die Lland auf die Wange zu legen. Er nicht. Aber seien wir mehr als gerecht, seien wir grossmüthig und geben wir den ganzen Arthur Meyer der Verachtung Sr. Hoheit preis. Was will aber der Prinz von der Rasse des Herrn, die er zugleich mit ihm in Bausch und Bogen zu beschimpfen .sich anma-st? Wegen der paar Auswürflinge der .jüdischen Rasse, die seltsamer- oder bezeichnenderweise gerade mit dem

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