Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 3 (1899)
- Issue
- 47 (24.11.1899)
- Article
- Die Menorah
- Date
- 1899-11-24
- Page
- 14 (sequence 3)
- Language
- German
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Seite 14 „Die Hr Welt“ Nr. 47 „Und nun waren es wieder Juden, die sie trugen. Kein Fremder wird sie jemals berühren, und jüdische Hände werden sie einst zurückbringen zum Heiligthum des Ewigen. Nein, das Licht wird niemals verlöschen, denn es wird von nun an erleuchten die Häuser unseres Volkes, über die ganze Welt. In unserem Herzen und mit unseren Händen tragen wir das göttliche Licht. Anstatt des einen Leuchters im Tempel werden Myriaden von Lichtern Jahr auf Jahr entzündet werden, zahlreicher als die Sterne des Himmels, Jahr für Jahr acht Tage lang, zur Erinnerung an die Kämpfe der Hasmonäer. Das wunderbare Oelkrüglein wird niemals wieder verschwinden. Es wird füllen alle Chanukalämpchen für ungezählte Generationen, und wird verhüten, dass jemals es dunkele in den Häusern der Juden, „denn allen Kindern Israels wird Licht sein in ihren Wohnungen“. Der Sieg ist unser, denn bei uns ist die Wahrheit; sie aber, sie alle werden verschwinden, wie der Hauch vor dem Winde!" Während es ihm so aus dem Innersten seines Herzens kam, bewegte sich seine ganze Gestalt, die Augen glänzten, sein Gesicht erstrahlte von dem Lichte, das er leuchten sah, seine Mitgefangenen hatten sich um ihn geschart, aufmerksam seinen Worten lauschend. Der alte Jochanan hatte sich von seinem Platze erhoben, und sobald jener zu Ende gesprochen, intonierte Jochanan den alten Psalm, den er so oft im Tempel gehört hatte; „Gott ist unsere Hilfe und unsere Stärke, ein stets bereiter Hort in der Gefahr. Darum fürchten wir nicht. Wenn auch die Erde vergeht und die Berge in das Meer fallen .... Der Herr der Heerscharen ist mit uns, der Gott Jacobs ist unsere Hilfe." Die Uebrigen stimmten ein und ihr Gesang übertönte das Brüllen der wilden Thiere und das Gejohle der Menge draussen, als ich plötzlich einen scharfen Ton vernahm, ähnlich dem Brechen von Ketten . . Es war der Peitschenschlag eines Kutschers, der das Schweigen brach und mich in die Wirklichkeit zurückversetzte. Mein Traum war zu Ende. Ein Cardinal kam gerade um den Triumphbogen herumgefahren, da der Bogen selbst unpassierbar für das Publicum ist. Und so wandte ich mich denn wieder den steinernen Figuren zu. Die Schatten der Nacht waren inzwischen herab gesunken, alles in Dunkel hüllend. Und doch glaube ich gesehen zu haben, wie die Flammen jene alten Steine erleuchteten, wie ein Strahl sie erhellte und wieder verlöschte. Ueber Jahrhunderte fühlte ich den Athem unserer Helden und Märtyrer, und ihre Worte hallten in meinen Ohren, als ich meine Schritte heimwärts lenkte. Die Dunkelheit war jetzt völlig hereingebrochen, aber langsam, eines nach dem anderen, wurden die Chanukalichter sichtbar am dunkelblauen Himmel Italiens. Bald werden in Myriaden Häusern der Kinder Israels die Chanukalichter entzündet werden — „die alte Menora hu. („Israel".) Augen. Was nie mein Herz zuvor empfunden, Was scheu das Leben mir verwehrt: Verkrampfte, stille Schmerzensstunden Hat mich Dein gründ'ges Aug' gelehrt. Dein Aug* hat eine Nacht geboren, Da nicht ein kleinstes Sternlein scheint. Aus Deinem Aug', dem thränenlosen, Ein armes Volk sein Schicksal weint. Nervi bei Genua. Theodor Zlocisti. Der Talmudbauer. (Aus dem Leben der Juden in Palästina.) Von H. York-Steiner. (Fortsetzung.) - Wie stolz ihn das Lob der Männer machte — — — Ein Colonist! Er Herr auf eigenem Grund und Boden, der ihm das Brot gab. Und Vater und Mutter konnten, aller Sorge ledig, mit ihm auf der Scholle leben.- „Aber Unsinn," riet er dem Knaben zu, „ich hab’ doch kein Geld!" „Hm, ich hab' gehört, wenn einer ein sehr tüchtiger Arbeiter ist, dann borgen ihm gute Menschen Geld, damit er zu eigenem Grund und Boden kommt." Chajim stand aufrecht am nächsten Tage im Weinberge und schaute zurück nach der Höhe von Ekron. Wie er diese jüdische Siedelung von der Eisenbahn aus angestaunt hatte: jüdische Dörfer, jüdische Bauern — und jetzt stand er selbst auf dem heiligen Boden Abrahams und arbeitete wie ein Araber — nein, besser und sorgfältiger, denn arbeiten wie ein Araber, das galt als Tadel in den jüdischen Colonien. Es vergiengen einige Wochen in strenger Thätigkeit. Die Arbeit war" gewachsen, fast über die menschlichen Kräfte hinaus. Die Lese war im Gange. Alle überflüssigen Blätter und Schösslinge waren abgewelkt oder entfernt. Traube an Traube belastete die Stöcke, dass die Ranken sich niederbeugten. Die Araber brachten Körbe, aus den Büschen der Klüfte im Judäagebirge geflochten, sie schafften auch Kameeie herbei, da die Wagen und Esel der Colonisten nicht reichten, die Früchte nach Rischon in den Keller zu bringen. Bei Tag wurden Trauben geschnitten und nachts zog man mit den Tragthieren hinüber nach Rischon le Zion. Dort traf man Colonisten aus allen Ansiedlungen von Judäa. Auch ihm wurde ein solcher Transport anvertraut. Er sollte die Araber begleiten und die Uebergäbe der Trauben an den Kellermeister überwachen. Die Kameele lagerten unter dem Schatten der Eucaliptusbäume. Die gefüllten Körbe wurden zu zweien aneinander gebunden und den Thieren umgehängt, so dass die Last zu jeder Seite frei herabhieng, dann wieder Stricke gezogen, von einem Halfter zum anderen, damit ein Tragthier mit dem anderen Zusammenhang und alle dem Führer nachgehen konnten, der das erste Kameel leitete. Chajim erhielt noch einige Weisungen, dann stiess der Araber das erste Katneei in die Weichen, es erhob sich, sank ins Knie, stützte sich und stand endlich auf seinen langen Beinen. Als alle Thiere sich erhoben hatten, zog die kleine Karawane den Hügel hinauf gegen Westen in die Richtung von Rischon. Chajim hatte sich seiner Gewohnheit gemäss sehr ruhig gehalten, solange er unter den Menschen war. Hier auf der nächtlichen Strasse, da liess er sich gehen. Er lief von einem Korbe zum anderen, streichelte das Geflecht und tätschelte die Kameele. Ich will sehen, ob die Trauben trocken sind oder ob sie tropfen, sagte er zum Karne eltreib er, wie um sich zu entschuldigen. In Wahrheit empfand er eine grosse Zärtlichkeit für die Früchte, die er hatte reifen sehen, die er zum Theile vom Stocke geschnitten hatte. Auch in Jerusalem war manchmal solch ein Stolz in ihm aufgestiegen, wenn es ihm gelungen war, irgendeiner schwierigen Frage Herr zu werden, und sein Vater ihm freudig die Schulter klopfte, aber heute, das war doch anders. Schliesslich wer wusste von seinen geistvollen Lösungen schwieriger talmudischer Probleme, und was hatte er der Welt damit geschaffen? Diese Trauben aber, sie waren greifbar, ihr köstlicher Duft stieg zu ihm auf, sie gaben der Colonie Brot, und wenn ihr Saft gegohren hatte, gieng er als köstlicher Karmelwein in alle Weit. Wer doch mit wandern könnte mit dem Traubensafte nach Paris, nach Berlin, nach Wien, nach London und nach Warschau. Schon dass er nach Rischon kommen durfte, stimmte ihn dankbar. Als er die Colonie im Morgenduft auftaueben sah, lief er den Kameelen davon, voraus dem Orte zu. Er grösste zu den schönen, hohen Häusern empor, er lachte den Kindern entgegen, die sich in früher Stunde vor die Thore stellten, um die Männer aus den fremden Colonien mit ihren Tragthieren zu sehen. Auf Eseln und Pferden, auf Kameelen und Wagen brachten sie aus ganz Judäa die Früchte daher. Vor dem Keller stauten sich die Massen. „Ihr seid schon hier aus Rechoboth?" rief man Chajim missmuthig entgegen, „wir aus Kattra warten schon einen Tag, es ist alles verrückt im Keller." „Wieso verrückt?“ entschuldigte ein robuster Mann aus Wadie Chajim, „warum baut Ihr so viel Wein, Ihr Gelehrten von Kattra." „Was denn," riefen die Männer aus Kattra/ „anstatt Gott zu danken, dass er so viel beschert, schimpft man