Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 3 (1899)
- Issue
- 47 (24.11.1899)
- Article
- Chanuka
- Date
- 1899-11-24
- Page
- 1 (sequence 1)
- Language
- German
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A Redaction und Administration WIEN IX., Türkenstrasse Nr. 9. Telephon 14199. Erscheint jeden Freitag. Zuschriften sind nicht an einzelne Personen, sondern an die Redaction oder Administration: Wien, IX., Türkenstrasse Nr. 9, zu richten. Unfrankierte Briefe werden nicht angenommen und Manuscripte nicht zurückgesendet. Preise der Anzeigen: Die viermal gespalten* Petit/.eile IO kr. Der Inseratentheil wird Dienstag abends geschlossen. Einzelne Nummern 15 kr. Rß71ldC!YVTißic!A■ Oester reich- Ungarn: ganzjährig (> 11. 1 °2 Kr., halbjährig 8 fl. 6 Kr. Für das Ausland: Deutsch- DCuUgg|!iuiüUi iand ganzjährig 18 Mk. 70 Pf., halbjährig 6 Mk. 85 Pf., England ganzjährig 14 8hg., halbjährig 7 8hg., Russland ganzjährig 7 R., halbjährig 3 R. 50Kop., Schweiz, Frankreich, Italien, Türkei, Rumänien, Bulgarien, Serbien, Griechenland, Aegypten ganzjährig 17 Frcs., halbjährig 8 Frcs. 50 Cts., Amerika ganzjährig 3 Doll. 40 Ct. Nr. 47 Wien, 24. November 1899. 3. Jahrgang LZM Da Ende dieses Monats eine grössere Anzahl von Abonnements abläuft, so werden die Betreffenden erinnert, die Erneuerung rechtzeitig vorzunehmen, damit in der Zustellung des Blattes keine Unterbrechung eintrete. Die Administration. Chanuka. Von Leo Rafaels. Wenn man wissen will, was unsere neue Hoffnung für Wirkung an uns allen geübt 1ml, so vergleiche inan das (Ihanukafest von heute mit den bescheidenen, fast' möchte ich sagen: armseligen Ilalbfeiertagen. die sich unsere Väter und Grossväter am Ende des Monats Kislev zögernd vergönnten. Die wunderbare Verjüngung, die sieh in den allerletzten Jahren an Geist und Gemüth unseres Volkes vollzogen hat, kommt gelegentlich dieses neu geschaffenen Jugendtestes schön, deutlich, überaus wohlthuend zur Geltung. Wir haben trotz aller Leiden während der zweitausend Jahre unseres Wanderlebens keinen Mangel an Festen gehabt; wer weiss, wieviel wir eben diesen Festen verdanken. Aber ein Chanuka, wie wir es jetzt feiern, haben wir niemals besessen. Der. zionistische Gedanke hat den verdunkelten Ursprung des Makkabäei-festes wieder ins liebste lacht gerückt und die alte, sehr verkümmerte Einrichtung mit neuem Inhalt erfüllt. Während unsere Väter beim Anzünden des Chanukaliehtos in erster Reihe des Wunders gedachten, das nach der Vertreibung der Griechen und Wiedereinweihung des geschändeten Tempels dem kleinen Oelkrüglein, einem wunderbaren Ueberbleibsel, Leuchtkraft für acht Tage verlieh, schöpft unsere Jugend aus der Geschichte des Heldenkampfes, den das Häuflein Getreuer gegen äussere Uebermacht und inneren Abfall glorreich bestand, stählende Kraft für die Gegenwart und Zuversicht für künftige Tage. Die Alten in unserem Volke stehen der Art und Weise, wie die Jungen Chanuka feiern, mit einiger Verwunderung gegenüber. Der Schreiber dieser Zeilen batte vor einiger Zeit Gelegenheit, aus berufenem Munde etwas wie Zweifel und Missbilligung zugleich bezüglich unserer zionistischen Feste zu hören. Ein ehrwüdiger Herr mit schneeweissem Bart, der fern aus dem Osten Russlands gekommen war, um Dr. Herzl zu sehen und ihm die Hand zu drücken, brachte mit rührender Unsicherheit seine Bedenken vor. Was war geschehen? Die zionistische Jugend seiner Vaterstadt hatte eine Chanukafeier angekündigt, und ein Mann von allererster Bedeutung war als Festredner angekümiigt. Die Folge war, dass auch die Altgläubigen voller Erwartung zu dem Feste kamen. In der Thai wurden sie in ihren zionistischen Hoffnungen sowohl durch die Begeisterung der Jugend, wie durch die ei greifenden Worte des Festredners mächtig gestärkt —- und doch gi engen sie tief betrübt von dannen, denn das Fest, das so leier lieh ganz im zionistischen (huste begonnen batte, schloss mit einem Bacchanal: jüdische Jünglinge und Jungfrauen, die soeben dem Zions-ldeate zugejauchzt hatten, erfreuten sich an heidnischem Tanze bis in den grauen Morgen hinein. Der Mann, der sich also über die Tanzlust der zionistischen Jugend verwunderte, weiss in Bibel und Talmud, in Klageliedern und Martyrologien vortrefflich Bescheid. Die Geschichte seines Volkes ist ihm in allen ihren Perioden geläufig, und wir verstehen vollkommen, dass ihm die Lebensfreude an einer zionistischen Versammlung unbegreiflich erscheint.. Für uns alle, die wir unsere Vergangenheit, und die Blüten des jüdischen Schrifthums kennen, ist die Sehnsucht nach Zion mil dem abgrundtiefen Schmerze und dem tragischen Ende jenes Dichters verknüpft, dessen „Zioniden“ uns am t). Ab immer wieder heisse Thvänen erpressen. Aber ahnte der fromme Mann bei dem Anblicke der tanzenden Jugend, die so sehr seine asketischen Gefühle verletzte, denn gar nicht, welch grosse Dinge die harmlose Lebenslust unserer zionistischen Jünglinge und Mädchen der Zukunft unseres Volkes verspricht? Für den unbefangenen Beobachter, der ach! schon zu alt ist, um das Tanzvergnügen als eigene Sache zu vertheidigen, aber doch nicht zu alt, um sich in eine neue Welt hineinfühlen zu können, sind die Makkabäerfeste unserer modernen Jugend eine Quelle reinster Freude. Unsere Studenten zeigen uns, wie verschieden unser jetziger Zionismus ist von dem unserer Väter, um wie vieles das jetzige zielbewusste Judenthum nationaler Färbung das dunkle Zusammengehörigkeit^ - Gefühl früherer Geschlechter an Kraft und Erfolgen übertrifft. Die Alten hatten nicht, in guter und noch weniger in schlechter Zeit die