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Die Welt · 1899-11-03 · 44 (3.11.1899) · p. 13

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Journal
Die Welt
Volume
3 (1899)
Issue
44 (3.11.1899)
Article
[Ohne Titel]
Date
1899-11-03
Page
13 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 44 „Die # Welt“ Seite 13 Ein fürchterliches Erdbeben suchte vor kurzer Zeit die Stadt Smyrna und deren Umgebung heim. Namentlich das Städtchen A i' d i n litt fürchterlich unter der Katastrophe; es wurde buchstäblich in einen Trümmerhaufen verwandelt. 52 Personen, darunter 24 Juden, kamen ums Leben und fast 200 Personen werden vermisst. Zum Glücke befand sich niemand in den Synagogen, als der Hauptstoss erfolgte. In dem bevorstehenden Processe des Münchener Redacteurs S c h o g in Sachen der Polnaer Blutbeschuldigung hat der bekannte Herausgeber des „Bayr. Vaterland“, Sigl, die Vertheidigung des Angeklagten übernommen. Personäinaohricht. Kurz vor Schluss der Redaction geht uns die Trauerkunde von dem Ableben der betagten Mutter von Frau Professor Dr. Gott heil zu. Wir drücken unserer hochverehrten Gesinnungsgenossin unser herzlichstes Beileid aus über den schweren Verlust. Die Redaction der „Welt“. Botschafter Strauss gegen die Infiltration. Ein Berichterstatter des „American Hebrew“ hatte vor einigen Wochen ein Interview mit dem amerikanischen Botschafter in Constantinopel J. Strauss über „D i e E i nwander ung der Juden in Palästin a“. „American Hebrew“ publiciert nachfolgenden Wortlaut der Unterredung: „Sehr beschäftigt heute, Mr. Strauss?“ „Nicht mehr als gewöhnlich.“ „Nun — ich gestatte mir, Ihre kostbare Zeit ein wenig in Anspruch zu nehmen. Es hat ja keinen Zweck, zu warten, bis Sie Zeit haben, denn das ist nie der Fall — “ „Nehmen Sie Platz. — Also — was wünschen Sie von mir?“ „Allerlei. Ich möchte Sie ausholen. Ich möchte Ihre Reiseeindrücke kennen lernen. Sie kamen unlängst von einer Reise durch Europa zurück.“ „O, meine Eindrücke werden das Publicum wenig interessieren. Ich reiste meiner Gesundheit halber und habe mich nicht viel darum bekümmert, Eindrücke zu sammeln.“ „Sie waren in Constantinopel?“ „Ja, sieben Wochen.“ beim Landen eingegangene Bedingung, nein, sie bringen unseren Consul in eine unmögliche,unglücklichePosition. Dieses -ungestüme Verlangen ist nicht so leicht zu ignorieren, denn die entsetzliche materielle Lage, in der sie sich befinden und der klägliche Anblick ihrer Erscheinung müssen Steine erweichen. Wie kann dann ein Mensch mit einem Herz im Leibe hart bleiben? Dreiviertel von diesen Leuten mögen vielleicht amerikanische Bürger sein, denn sie haben amerikanische Pässe. Vielleicht, vielleicht auch nicht, lebten sie lange genug in Amerika, um sich die Pässe auf ehrliche Weise zu verschaffen. Aber die solcherart von ihnen geschaffene Lage ist darnach angethan, das amerikanische Judenthum in Misscredit zu bringen. Es wirkt zurück auf jene amerikanischen Juden, deren Besuch in Palästina den dort wohnenden Juden von Nutzen sein kann. Wenn diese „amerikanischen Bürger“, welche die Ursache zu fortwährenden Unannehmlichkeiten sind, die Einwanderungsversuche — auf geraden oder auf Schleichwegen — fortsetzm, dann fürchte ich, es wird in nicht zu ferner Zeit Ungemach und Leid jenen bringen, die ein Recht haben., in Palästina zu wohnen.“ „Ich weiss, dass die Zionisten weit davon entfernt sind, der Einwanderung jener irregeführten und unintelligenten Classe von Menschen Vorschub zu leisten, aber ich fürchte, der Zionismus ist die Ursache. Wenn die Zionisten hoffen, ihren Plan zu realisieren, dann gibt es nichts Besseres und Natürlicheres, jene von mir erwähnten Hoffnungen zu zerstören. Dehn jene werden, indem sie die türkischen Gesetze zu umgehen trachten, zu Meineidigen gestempelt, weil sie die Absicht, innerhalb 30 bis 90 Tagen das Land wieder zu verlassen, unter Eid abgegeben haben, und diese Thatsache wirkt stigmatisierend auf alle Juden in Palästina. Ich weiss ans sicherer Quelle, dass nenn Zehntel dieser Einwanderer absolut arm sind : sie tragen nur dazu bei. jene Masse zu vermehren, deren Haupteinkommen die Chaluka bildet. Die jüdische Presse und namentlich die zionistische, kann nichts Besseres thun, kein humanitäreres Werk leisten, als unaufhörlich und beharrlich zu predigen, dass dieser Art Einwanderung in Palästina Schranken gesetzt werden. In anderer Beziehung hätte ich nichts zu bemerken. Diese Angelegenheit allein ist aber von solcher eminenter Wichtigkeit, dass man si> nicht mit unnöthigen Redensarten abspeisen darf. Die Sache ist s e h r ernst.“ B. „Gut — und-“ „Da gab es nun wohl „Allerlei“, dasmich sehr beschäftigte, und ich halte es allerdings für meine Pflicht, mich darüber auszusprechen. Es soll alles nur'Erdenkliche geschehen, die Leute von der Einwanderung nach Jerusalem abzu halte n.“ „Sie meinen die Einwanderung von Juden?“ „Natürlich meine ich das, ich meine jene Juden, die sich dort ansiedeln wollen. Gegen einen Besuch der heiligen Stadt kann und wird niemand etwas einwenden. Meine Bemerkung soll sich nur auf diejenigen Juden beziehen, welche amerikanische Pässe besitzen und auf ihr Recht als amerikanische Bürger pochen. Sie wissen -nichts von unseren Institutionen und verstehen nicht einmal die Sprache. Die türkischen Beamten verweigern ihnen, zu landen, weil sie den Verdacht hegen, jene kämen nicht als einfache Vergnügungsreisende, sondern als Colonisten. Diese Art „Besuch“ ist von der türkischen. Regierung untersagt, es sei denn, man verpflichtet sich, das Land innerhalb 30—90 Tagen wieder zu verlassen. Wenn nun dieser äusserste Termin vorüber ist, dann wird in der Regel vom amerikanischen Gonsul verlangt,. er solle ihnen die Erlaubnis zum dauernden Aufenthalt erwirken. Und damit verletzen sie nicht nur eine Zeitschriftenrundschau. Der Zionismus und die Presse. eit u n g 8 8 ti m men über die zionistische B e w e g un g, gesammelt von Z. B e n s a m.*) Die vortrefflich redigierte zionistische „Krakauer Jüdische Zeitung“ (Herausgeber Ahron Markus) bringt in Nr. 7 wiederum eine Reihe sehr guter Beiträge. Der Leitartikel ist dem 3. Baseler Gongress gewidmet. In „Briefe aus Nord-England“ bringt die „Allgemeine Zeitung des Judenthums“ interessante Daten über die dortigen Juden. Namentlich wird hervorgehoben, wie auch in England „nicht wenige reich gewordene Glaubensbrüder und -Schwestern durch Verleugnung ihres Glaubens ihren christlichen Mitbürgern Sand in die Augen streuen wollen; und sie glauben machen, sie seien keine Juden“. Der Artikel scliliesst mit dem Satze: „Sogar der Zionismus hat auch sein Gutes; er bringt Starrgläubige und Freisinnige auf einem gemeinsamen Boden zusnmmen. und am Ende lernen sich beide besser kennen, streifen manches Eckige ab, und schliesslich schätzen und lieben sie sich, wie Brüder sollen.“ : *) Wir haben diese neue Rubrik auf vielfach an uns gerichteten Wunsch geschaffen, und bitten die Gesinnungsgenossen, uns diesbezüglich mit Material an. die Hand zu gehen. Die Red.

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